Erstellt am: 10. 7. 2015 - 16:59 Uhr
Nur nicht bei sich selber kürzen?
162 Kulturinitiativen bekommen dreijährige Förderverträge vom Land Steiermark. Die Entscheidung fiel vor wenigen Tagen, und daran kann man jetzt schon ablesen, wie sich das Kunst- und Kulturangebot bis 2016 im Bundesland gestalten wird. An sich ist es eine super Sache, Förderungen mittelfristig zu vergeben. Allein, es hakt gewaltig.
Was bei den Entscheidungen auffällt, und zwar mehr als es die Phrase der schiefen Optik ausdrücken kann: Dass die Mitglieder des Kulturkuratoriums ihre eigenen Projekte kaum bis gar nicht gekürzt haben.
Zum Nachrechnen: Die Förderentscheidungen von 2012 und jene von Anfang Juli 2015.
Klar kann das Kulturkuratorium nur Empfehlungen aussprechen. Die finale Entscheidung, was gefördert wird, lag beim zuständigen steirischen Landesrat Christian Buchmann. Änderungen am Entscheidungsprozess sind laut dessen Pressesprecher allerdings nicht vorgesehen. In 97 Prozent der Entscheidungen ist der Landesrat dann auch den Empfehlungen des Kuratoriums gefolgt, in den restlichen hat Buchmann die Fördersumme erhöht (wie beim Royal Garden Jazz Club). 100 Institutionen wurden die Fördersummen gekürzt.
Besonders hart: 27 der bisher Geförderten sind nicht in Graz, sondern am Land angesiedelt und wurden auf Null gesetzt. Gekürzt wurden die Förderungen u.a. EisenerzArt, dem Pavelhaus an der Grenze zu Slowenien, dem Sublime in Aflenz und auch jenem Verein, der das Komm.St-Festival in Anger und Weiz ausrichtet. Für Gegenden, in denen oft ein Verein ein alternatives Kunst- und Kulturprogramm trägt, wird das traurig werden.
Gekürzt wurden weiters u.a. disko404, Platoo, mur.at, Literaturzeitschriften wie Schreibkraft und die Manuskripte, im Theaterbereich die zweite liga für kunst und kultur und massiv dramagraz. Auch das Kinder- und Jugendliteraturfestival bookolino des Literaturhauses Graz, die Camera Austria oder das Programmkino KIZ, das auf Filme im Originalton setzt, müssen mit bedeutend weniger Förderung auskommen.
Weniger Geld gibt es künftig auch für das Radio Helsinki, während die KollegInnen von Radio Freequenns gleichbleibend gefördert werden. Die gesamte Liste würde den Artikel füllen.
„In Summe ist es nicht zu Kürzungen gekommen, sondern zu Umverteilungen“, sagt der Vorsitzende des Kulturkuratoriums, Igo Huber im Interview zur Kritik. Die Gesamtsumme der Förderungen hat sich erhöht. „Man kann nur von Kürzungen für einzelne Institutionen reden und dafür gibt es immer einen Grund – Budget, Programm oder eine unklare rechtliche Situation“. Doch eben den Grund, warum man nicht gefördert wurde, erfahren die Einreichenden nicht. Das wäre nicht handlebar.
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Radio FM4
Wie kommt man ins Kulturkuratorium? Die Landesregierung fragt Persönlichkeiten aus dem Kulturbereich, bei Zusage wird man nominiert. Alle drei Jahre wird neu nominiert.
Förderst du mich, fördere ich dich?
Warum ausgerechnet bei den Projekten jener, die dem Kulturkuratorium angehören, kaum bis nicht gekürzt wurde? Mit nur einer Ausnahme nämlich: Das Springfestival wird nunmehr mit 80.000 Euro pro Jahr gefördert statt wie früher mit 90.000 Euro, Erwin Hauser, der Geschäftsführer der Helmut-List-Halle und Gesellschafter der Zargentur Projekt GmbH, die das Springfestival dieses Jahr erstmals veranstaltet hat, ist Teil des Kulturkuratoriums.
Im Fall von uniT, das vor allem für Theater und Literatur steht, stieg die Fördersumme von 85000 Euro auf nun 99000 Euro. Die Obfrau und künstlerische Projektleiterin von uniT ist Mitglied des Kulturkuratoriums.
"Ich gebe zu, das ist eine Problematik, die dieses System bedingt. Wenn man ein Kuratorium will, das mit Leuten aus der Kulturszene der Steiermark besetzt ist, ist das Problem unvermeidlich", sagt Igo Huber. Theoretisch gäbe es die Möglichkeit, Nicht-SteirerInnen ins Gremium zu holen. Aber dass diese dreißig Tage im Jahr tagen und 700 Anträge bearbeiten würden, hält Huber für unrealistisch.
Für den zuständigen Landesrat Christian Buchmann steht fest, dass man da kritisch draufschauen müsse. Was heißt das? Wie man mit der Geschichte umgehe, dass die im Kulturkuratorium Sitzenden sich selber nicht gekürzt haben.
Die Unvereinbarkeitsbestimmungen greifen offenbar nicht weit genug. Zwar müssen die Betroffenen den Raum verlassen, wenn über ihre Förderansuchen abgestimmt wird. "Aber natürlich ist es trotzdem so, dass man im Saal jemanden hat, mit dem man gut klar kommt. Salopp gesagt. Da braucht man sich nichts vorzumachen", so Buchmanns Pressesprecher.
Eine Konsequenz - bisher die einzige - hat Margarethe Makovec gezogen: Die Kuratorin und < rotor >-Mitbetreiberin legt ihre Tätigkeit im Kulturkuratorium des Landes Steiermark mit heute Freitag zurück. Interview will sie keines geben, in einem offen Brief schreibt sie: "Das Kulturkuratorium wird in einer Weise autoritär geführt, die mir bis dato aus anderen Fachgremien unbekannt war." Und weiter: "Im Zuge der Neubewertung der mehrjährigen Fördervereinbarungen wurden als eine Folge dieses Klimas teils unbedachte Entscheidungen gefällt – bis zuletzt habe ich für die aus meiner Sicht notwendigen Korrekturen gekämpft".
Mit den Entscheidungen nicht einverstanden sind mehrere Dutzend Institutionen, die sich im Protest zusammenschließen. Darunter ist auch < rotor >. Die Kritik lautet: Der Bewertungsprozess des Kulturkuratoriums ist nicht nachvollziehbar. Gefordert werden eine Änderung des Beiratsystems und Neuverhandlungen der Verträge. Zudem wollen die Institution solidarisch agieren.
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Keine Peanuts
Vielen Institutionen wurden die Fördergelder im Vergleich zur früheren Förderung um 2000 Euro gekürzt. Klingt nicht viel, ist aber manchmal ein Viertel ihrer bisherigen Förderung. Damit bleibt oft nicht genug, um sinnvoll weiterzumachen und auch nicht zu wenig, um aufzugeben. Im Pavelhaus kämpft man jetzt darum, die Mitarbeiter zu halten und das bei einem bereits jetzt enormen, unangemessenen Überengagement des Teams. dramagraz will seine SchauspielerInnen weiterhin bezahlen und wird seinen Theaterraum jetzt aufgeben. „Man darf nicht vergessen: Diejenigen, die eine Kürzung erfahren haben, haben ein halbes Jahr Zeit, sich auf eine geänderte Situation einzustellen“, sagt der Vorsitzende des Kulturkuratoriums Igo Huber.
Das Büro des Landesrats Buchmann schließt eine nachträgliche Änderung der Förderentscheidungen aus. Somit bliebe den gekürzten Institutionen nur, die Förderverträge nicht zu unterschreiben.