Erstellt am: 27. 5. 2015 - 18:05 Uhr
Asylberechtigt - und dann?
Während Asylsuchende in Heimen, Zeltstädten und sonstigen Unterkünften auf einen positiven Asylbescheid hoffen, versuchen anerkannte Flüchtlinge, ein Teil der österreichischen Gesellschaft zu werden. Der anerkannte Asylstatus ist nur der erste Schritt, erzählt Samer Moussa. Er ist 27 und studiert Medizintechnik an der Technischen Universität in Wien. Vor zwei Jahren ist er aus Syrien nach Österreich geflohen – und dann von Kärnten nach Wien. "Es war wirklich zu schwer für mich in Kärnten zu bleiben, weil ich dort wenige Leute getroffen habe, die Englisch können."
Die Hauptstadt bietet mehr Möglichkeiten und Unterstützung durch persönliche Kontakte. Die hat Samer vor allem bei der Wohnungssuche gebraucht. Wie viele syrische Flüchtlinge hat er Diskriminierung durch VermieterInnen erlebt: "Am Ende habe ich dann eine Wohnung gefunden, durch einen Araber den ich hier kennengelernt habe", sagt Samer.

Ali Cem Deniz
Teure Wohnungen und billige Jobs
Ähnliche Erfahrungen hat auch Abdullah Kayali gemacht. Der 26-Jährige hat in Syrien Pharmazie studiert, seit acht Monaten lebt er in Österreich. "Viele Syrer sind gezwungen, viel Geld für kleine heruntergekommene Wohnungen zu zahlen, weil sie sonst nichts finden", sagt er. Viele österreichische VermieterInnen würden syrische Flüchtlinge meiden.
Auf dem Arbeitsmarkt gibt es Parallelen. "Ich kenne jemanden, der 24 Stunden ununterbrochen gearbeitet hat, bis er nicht mehr konnte. Dafür hat er 6-7 Euro die Stunde bekommen. Er konnte aber nichts sagen, weil er ein Schwarzarbeiter war." Die Anerkennung von Ausbildungen und Abschlüssen sei kompliziert und mühsam. Samer hat eigentlich in Syrien fertig studiert, aber weil sein Abschluss nicht gänzlich anerkannt wird, muss er hier Vorlesungen und Prüfungen wiederholen, damit er in der Branche arbeiten darf.
Wo kann man Deutsch lernen?
Das größte Hindernis bleibt die Sprache. "Ich wollte beim österreichischen Integrationsfond einen Deutschkurs machen. Die haben mich zum Arbeitsamt geschickt. Von dort wurde ich wieder an den Integrationsfond verwiesen, weil es nicht genug Plätze gab. Ich frage mich, wo sollen wir Deutsch lernen?" sagt Abdullah. Allerdings reichen Deutschkurse allein nicht, denn das Gelernte muss auch angewendet werden. "Leider ist es auch nicht einfach, hier auf die Straße zu gehen und mit den Leuten zu reden", erzählt Ammar Balleh. Für syrische Flüchtlinge gibt es wenige Möglichkeiten, die Sprache anzuwenden.
Den nächsten Tandemtag organisiert das Austrian Network for Refugees am 7.Juni. Anmeldung und Infos gibt es unter www.anr-austria.at
Eine der wenigen Möglichkeiten bietet das Austrian Network for Refugees. Die Initiative organisiert Tandemtage. Geflüchtete Menschen können hier Deutsch reden und knüpfen außerhalb der eigenen Community Kontakte. Dafür geben sie für Interessierte Nachhilfe in Arabisch. So können Arabistik-Studierende ihren syrischen Dialekt üben.
Eine offene Gesellschaft
Der positive Asylbescheid gibt Samer, Abdullah und Ammar Sicherheit, aber sie wissen, dass es nicht bei allen Flüchtlingen so ausschaut. "Manchmal bekommen Menschen aus der gleichen Stadt, die aus den gleichen Gründen geflohen sind, keinen Asylstatus. Es kommt immer auf die Richter und Übersetzer an." sagt Abdullah. Trotz Bürgerkrieg bekommen nicht alle syrische Flüchtlinge einen positiven Asylbescheid. Dann gelten sie als subsidäre Schutzberechtigte. Sie können nicht abgeschoben werden, so lange Krieg herrscht. Der Schutz gilt allerdings zunächst für ein Jahr und muss dann immer wieder verlängert werden. Das verkompliziert die Familienzusammenführung. Derzeit leben viele syrische Familien zerstreut über den Libanon, die Türkei und Europa.
Samer bleibt trotz der schwierigen Lage optimistisch und will Teil der österreichischen Gesellschaft werden. Das wichtigste für ihn ist die Offenheit der Gesellschaft: "Wir haben Krieg und wir haben in Syrien keine Chancen mehr, aber wir können auch hier ein normales Leben führen und etwas beitragen. Deshalb fange ich hier ein neues Leben an."