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26. 9. 2012 - 16:12

Auf der Flucht

Unter welchen Bedingungen Flüchtlinge und Vertriebe leben, und wie die Hilfe vor Ort funktioniert, ist noch bis 7. Oktober im Rahmen der "Langen Woche der Flucht" am Wiener Karlsplatz zu sehen.

von Irina Oberguggenberger

Weltweit sind derzeit rund 43 Millionen Menschen auf der Flucht. Der Verein „Ärzte ohne Grenzen“ versucht diesen Menschen mithilfe von Zeltlagern zumindest das Nötigste zu bieten.

Viele aneinander gereihte Zelte, Latrinen, Wasseraufbereitungsstellen und medizinische Versorgungsstätten: Am Wiener Karlsplatz hat der Verein „Ärzte ohne Grenzen“ ein typisches Flüchtlingslager aufgebaut. Das einzige, was nicht ins Bild passt sind die Menschen rundherum: Ein paar Jugendliche mit Skateboard, eine Frau mit McDonalds-Sackerl und Touristen mit Fotoapparat.

Abgesehen von den Leuten sieht das Flüchtlingslager aber in etwa genauso aus, wie es derzeit in weitaus größerer Form beispielsweise im Südsudan zu finden ist. Dort sind mehr als 165.000 Menschen untergebracht, die vor den Kämpfen im Sudan geflohen sind.

Am Karlsplatz kann man von Menschen, die mit „Ärzte ohne Grenzen“ im Einsatz waren, erfahren, wie die Arbeit in einem Flüchtlingslager tatsächlich aussieht. Eine von ihnen ist Cornelia Welte. Die 29-jährige Vorarlbergerin war drei Monate lang im Südsudan und zeigt mir als erstes das Ankunftszelt. Dort wird jeder ankommende Flüchtling registriert, mit Name, Alter und Beruf. Mit einem Startpaket bestehend aus Töpfen, Decke, etwas Seife und Wasser beziehen die Flüchtlinge dann ihr neues Heim: Ein Zelt für 12 bis 15 Personen, wobei nicht nur ich mich frage, wie in einer so kleinen Unterkunft, so viele Leute Platz zum Schlafen finden.

Zelt am Camp im Rahmen der "Langen Woche der Flucht" am Wiener Karlsplatz

Radio FM4 / Irina Oberguggenberger

Eine der grundlegendsten Stationen im Flüchtlingslager ist die Wasseraufbereitungsstelle. Entweder wird das Wasser aus einem Fluss oder See gepumpt, gereinigt und anschließend verteilt. Oder man verwendet Grundwasser, das mittels gebohrter Brunnen an die Oberfläche geholt wird. Um zu überleben, benötigt ein Mensch mindestens fünf Liter Wasser am Tag – zum Trinken, Waschen und Kochen. Im Vergleich dazu: Ein Europäer verbraucht durchschnittlich 130 Liter am Tag.

Bei der Lebensmittelversorgung wird „Ärzte ohne Grenzen“ von anderen Organisationen, wie etwa dem Welternährungsprogramm, unterstützt. Im Mittelpunkt des Vereins steht die medizinische Betreuung. Ein großes Thema dabei ist Unterernährung und Durchfallerkrankungen. Im fiktiven Flüchtlingsheim am Karlsplatz gibt es – wie auch im Südsudan – ein eigenes Cholerazelt. Für Cornelia eine faszinierende Erkrankung, weil Cholera-Patienten die kurz vor dem Tod stehen und gerade noch den Weg ins Zelt geschafft haben, nach nur wenigen Tagen Behandlung wieder vollkommen gesund werden, so als ob nichts gewesen wäre.

Zelt am Camp im Rahmen der "Langen Woche der Flucht" am Wiener Karlsplatz

Radio FM4 / Irina Oberguggenberger

Mittels einfachster medizinischer Betreuung können so tausende Leben gerettet werden. Und das hilft der Krankenschwester, das ganze Leid und die ganzen Todesfälle im Flüchtlingslager zu ertragen. "Man darf sich nicht auf die konzentrieren, die sterben, man muss sich auf die konzentrieren, denen man geholfen hat zu überleben", sagt sie. Und das sind viele.

Allein durch Masern-Impfungen, Malaria-Tabletten, Hygiene-Einrichtungen und entsprechender Behandlung bei Lungenentzündung kann die Todesrate in den Flüchtlingslagern stark reduziert werden.

Die Ausstellung am Karlsplatz findet im Rahmen der Langen Woche der Flucht statt. Neben der Ausstellung von „Ärzte ohne Grenzen“ gibt es dabei Vorträge anderer Hilfsorganisationen und Lesungen zum Thema Flüchtlinge in Österreich. Gleichzeitig findet am Freitag, dem 28. September auch der lange Tag der Flucht vom UNHCR statt. Den ganzen Tag über gibt es auch dabei viele Veranstaltungen rund um das Thema Flucht - von Theateraufführungen bis hin zu Gesprächen mit Flüchtlingen.