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Nino Mandl

Der Nino aus Wien berichtet über seine Albumaufnahmen in Mazedonien.

12. 8. 2012 - 13:28

"Studio Enterprise"

Nino aus Wien plus Band bei den Aufnahmen zum vierten Album in Skopje, Mazedonien.

Dieser Sommer war für die "Nino aus Wien"-Band vergleichsweise aufregend. Mit Konzerten in Taufkirchen, Gräfelfing, Frohnleiten, Villach, Fürth oder Waidhofen haben wir Orte kennenlernen dürfen, die wir sonst wohl eher nicht bereist hätten. Ob am Feuerwehrfest, dem größten Kirchtag des Landes, der Brückeneinweihungsparty, dem Benefiz für brasilianische Straßenkinder oder der Jahresfeier eines Reiseclubs - wir waren meist eine gern gesehene Band, relativ weit gereist für relativ wenig Geld, jedes Wochenende woanders, immer die selben Lieder spielend. Vor allem die Lieder aus dem im November 2011 erschienenen Album "Schwunder". Spätestens letzten Sonntag aber, nach einem Konzert in einem Zirkuszelt in Bayern, wurde uns etwas bewusst: Die "Never Ending Schwunder Tour" neigt sich dem Ende entgegen, es wird Zeit für etwas Neues, Zeit für ein neues Album, und Zeit dafür, einmal nicht jedes Wochenende in der Provinz aufzutreten.

Nino aus Wien

Nino aus Wien

Mazedonien

Koffer vom Nino

Natalie Ofenböck

Natalie hilft Nino beim Packen.

Mazedonien, hierzulande auffällig oft mit Montenegro verwechselt, ist tatsächlich ein Binnenland, umschlungen von Serbien, Griechenland, Albanien, Bulgarien und dem Kosovo. Ich besuchte das Land letztes Jahr im August gemeinsam mit Natalie Ofenböck, wir machten Orte wie Skopje, Ohrid oder Bitola unsicher und es war, als hätte ich mein Indien gefunden. Richtig aus dem Kopf ging mir dieses Land wirklich nicht, vor allem diese Stadt, Skopje. Die in zwei Hälften geteilte 500.000 Einwohner Metropole, mit dem orientalischen Teil und dem hässlichen Teil der vielen "Alexander der Große"-Statuen. Die Stadt, die bei unserem Besuch im letzten Jahr bestimmt 46 Grad heiß war, mit den vielen Katzen unter den Restauranttischen und den charismatischen Parfum- und Sonnenbrillendealern, die dir auflauern, um dir ein vernünftiges Angebot zu machen. Mit den schön geschmückten Romakindern, die dich mit Plastikflaschen bewerfen, wenn du ihnen zu wenig Denar in die Hand steckst, und dem alten Basar, wo du bestimmt alles kriegen kannst, was du ganz sicher nicht brauchst. Mir wurde schnell klar, dass ich wieder hierher muss. Und da ich gerne Alben aufnehme, machte ich mich im Internet auf die Suche nach einem geeigneten Aufnahmestudio.
Ich habe eines gefunden.

Mission Skopje

Fotos von Natalie Ofenböck

Koffer vom Nino

Natalie Ofenböck

Da fehlt ja noch was.

Unser Produzent in Skopje heißt Valentino Skenderovski, Besitzer des "Studio Enterprise", einem Studio, in dem auch schon die große Balkanlegende Rambo Amadeus ein Album aufgenommen hat. Wir haben unseren Produzenten Valentino noch nie in unserem Leben gesehen, was die Sache schon ein bisschen aufregend macht. Aber es ist uns durchaus wichtig zumindest einmal mit gänzlich unvertrauten Menschen an einem Ort zu arbeiten, der weit weg davon liegt, wo wir normalerweise zu Hause sind. Geographisch, aber wohl auch was künstlerische Wahrnehmung betrifft. Skenderovski versteht kein Wort deutsch, was es für mich zumindest sehr interessant macht, da die Texte ja ein "wichtiger Bestandteil der Musik" sind. Er hat keinen Einblick in die vorherrschende Wiener Musikszene, weiß wenig über unsere Band, kennt, was österreichische Popmusik betrifft, nur Falco. Um die womöglich seltsamen Momente der Kommunikation im Studio festhalten zu können, ist ein Filmteam rund um den Wiener Filmschulstudenten Maximilian Fürst in Skopje anwesend und wird unser aller Verhalten beobachten.

Es ist nur ein Album

Koffer vom Nino

Natalie Ofenböck

Jetzt schaut's schon gut aus.

"Spinnst du denn, was ist, wenn dann euer Album schlecht klingt?!"- Dieses Risko bin ich bereit einzugehen. Nach drei "Nino aus Wien"-Alben, die ich mir ohnehin nie anhöre, nicht weil ich sie gar so schlecht finde, sondern einfach, weil ich sie aus anderen Gründen mache, als um sie mir anzuhören, ist es an der Zeit für eine neue Herausforderung. Die Lieder des Albums wurden in gnadenlosen zwei Wochen geschrieben, wir haben sie eine Woche lang geprobt und werden uns heute auf den Weg nach Skopje machen. Da die Tendenz des "Nino aus Wien"-Projektes eher in Richtung "viele Alben" geht, würde es mich auch nicht sonderlich kränken, wenn das "Skopje Album" ein misslungenes Experiment darstellen sollte. Aber das muss es auch nicht, es kann auch durchaus sein, dass es nicht viel anders klingt als die letzten Alben (welche man natürlich auch als misslungene Experimente betrachten kann). Wie man es auch sieht, es wird nur das vierte "Nino aus Wien" Album und höchstwahrscheinlich nicht das letzte.

Ich werde berichten

Vom 13. bis 19. August werden wir die zwölf Lieder des neuen Albums aufnehmen. Natalie Ofenböck wird Fotos machen, und ich werde, so gut es geht, ein paar Eindrücke und Erlebnisse schildern, ein bisschen was über die Stimmung im Land und ein bisschen was über den Aufnahmeprozess. Das Filmteam ist mittlerweile schon unterwegs, mit einem Auto, vollgestopft mit all ihrem und unserem Equipment. Wir anderen sechs Menschen (Paul Schreier, Raphael Sas, David Wukitsevits, Natalie Ofenböck, Nino Mandl und Gregor Fröhlich) erlauben uns die angenehmere Variante: Flug nach Sofia (Bulgarien), Bus nach Skopje.