Erstellt am: 24. 11. 2010 - 19:28 Uhr
Das habe ich jetzt akustisch nicht verstanden
Der ehemalige Deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer hatte einmal behauptet, dass er mit einem aktiven Wortschatz von nur 1000 Wörtern gut seine Alltagskommunikation bewälitigen könne. Laut Max Scharnigg kommen wir auch mit nur 100 Sätzen gut durch's Leben.

Fischer Verlag
Dies hat der Münchner Max Scharnigg über zwei Jahre lang in seiner Kolumne auf jetzt.de eingesammelt.
Es sind Sätze wie: "Bitte lösch' das" (nach dem Blick auf das Display einer Digitalkamera), "Ich bin ja bei Namen ganz schlecht" (bei fast jedem neuen Kennenlernen) oder "Muss man auch mögen" (vor allem wenn man etwas nicht mag). Hand hoch, wer das noch nie gesagt hat ...
Jeder der 100 Sätze wird in einer eigenen Kolumne inhaltlich hinterfragt - er beschreibt vor allem die Situationen, in der eben diese Sätze gerne verwendet werden und auch von wem.
Es lässt sich feststellen: Max Scharnigg mag diese Sätze nicht besonders gern, am wenigsten wenn er sie selbst verwendet.

Julia Strauß
Max Scharnigg wurde 1980 in München geboren. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung an der Journalistenschule und arbeitet seit sieben Jahren in der Redaktion von jetzt.de und als Autor für u.a. SZ-Magazin, AD und Cosmopolitan.
Max Scharnigg verknüpft Beobachtungen der Deutschen Sprache mit seinen persönlichen Alltagserlebnissen - da muss auch seine "feste Freundin" immer wieder herhalten. Und immer dann, wenn man sich bei seinen Beschreibungen wieder erkennt, wird dieses Buch richtig amüsant.
Etwa: "Jetzt mal ehrlich gesagt." "Ich bin mit Namen ganz schlecht." "Das ist wir Fahrradfahren, das verlernt man nicht." "Soll ich die Schuhe ausziehen?" "Besser als Miete zahlen." "Was denkst du gerade?"
Ich liebe Dich auch.
So wichtig und ernst das originale "Ich liebe dich" ist, so minderwertig, ja geradezu nichtsnutzig ist dieses "Ich liebe dich auch". Es kuscht sich ein, es ist ein Mitläufer, ein beliebiges Geschwafel der Zuneigung, das gar nichts kostet. Und alles nur wegen dem auch". (...) Deswegen müsste unter Liebenden die diesbezügliche Bekräftigung eigentlich so ablaufen, dass erst der eine "Ich liebe dich" schmettert, und dann der andere auf's Gramm genau so antwortet: "Ich liebe dich!" Und dann immer so hin und her, bis einer der beiden erschöpft "Ich liebe dich auch" murmelt und deswegen den Tisch abräumen muss.
Diese Liste lässt sich vermutlich endlos fortsetzen. Aber hey: "Ich glaube, ich pack's dann mal."