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5. 11. 2010 - 15:50

Verbessern und modernisieren

Der Industrielle Hannes Androsch will mit einem Volksbegehren Bewegung in Sachen Bildung bringen.

Heute, 5. November 2010, hat Hannes Androsch den Startschuss für ein Volksbegehren mit dem Namen Bildungsinitiative gegeben und will damit die lang anstehenden Schul- und Universitätsreformen erwirken. Sind die notwendigen 8000 Unterstützungsunterschriften gesammelt, soll das Volksbegehren im Mai zur Unterzeichnung aufliegen.

Hauptforderungen des Bildungsvolksbegehrens sind ausreichende öffentliche Finanzierung von Schulen und Universitäten, die Zentralisierung des Schulsystems, eine gemeinsame Schule für alle bis 14 Jahre, Ganztagsschulen, gute Studienbedingungen und mehr Studienplätze. Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren schließt das aus der Sicht von Ex-Vizekanzler Androsch nicht aus.

Er will das Volksbegehren breit und überparteilich organisieren. Die Universitäten- und Fachhochschulkonferenz sowie die Akademie der Wissenschaften unterstützen bereits das geplante Volksbegehren. Gespräche mit SchülerInnen , Studierenden und Eltern seien im Gange. Für Jänner verspricht Androsch konkrete Forderungen.

FM4 News Redakteurin Genie Johnson hat Hannes Androsch heute zum Bildungsvolksbegehren interviewt.

Gundi Wentner, TU-Graz Rektor Hans Sünkel, der Industrielle Hannes Androsch und der Präsident der Österreichischen Universitätenkonferenz Werner Jungwirth

APA/ROLAND SCHLAGER

Was sind die Probleme unseres Bildungssystems?

Bildung ist das wichtigste für jeden einzelnen, für die Gesellschaft, für die Wirtschaft; der wichtigste Teil gesellschaftlicher Bemühungen überhaupt, daran entscheidet sich, wie man als Einzelner und als Gemeinschaft die Zukunft bewältigen und gestalten kann: Und da haben wir Verbesserungs-, Modernisierungs- und Erweiterungsbedarf.

Geht es hauptsächlich darum, Dinge neu zu organisieren, um eine Reform oder geht es einfach um mehr Geld für Bildung

Beides. Es sind organisatorische Verbesserungen, Strukturverbesserungen notwendig, aber es geht auch im eine angemessene und das heißt in dem Fall bessere Dotierung.

Fordern sie ein zentralisierteres System, in dem die Länder weniger mitzureden haben?

Das ist ganz wichtig, weil ein Grund für das schlechte Abschneiden vor allem im Pflichtschulbereich ist in dieser Zersplitterung aufgrund der Verländerung gegeben, mit der Kuriosität, dass die Zentralregierung zahlt und die Länder die Entscheidungshoheit haben und sich nicht einmal kontrollieren lassen wollen. Das ist eine völlig unbefriedigende Situation im Wettbewerb und im Kampf von Talenten in einem kontinentalen und globalen Maßstab.

Wie wichtig ist die Ganztagsschule?

Das ist ganz entscheidend vor allem im Interesse der Frauen für den Wunsch nach Berufstätigkeit und Karriere aber auch den Wunsch, Kinder zu bekommen und erziehen zu können. Wenn man hier Vergleiche mit Frankreich, Schweder oder den Benelux-Ländern anstellt, da sieht man recht großen Nachholbedarf.

Sie wollen auch, dass Jugendliche mit 14 dafür entscheiden, welchen Bildungsweg sie einschlagen wollen, ob mehr akademisch oder technisch.

Das sagen alle Erziehungswissenschafter und Pädagogen, mit dem Verständnis, dass jene, die nur Pflichtschulerziehung haben, eine bessere Ausbildung benötigen, damit sie überhaupt in eine Lehre gehen können. Wenn sie das nicht tun können, weil die bildungsmäßigen Voraussetzungen fehlen, dann produzieren wir mangels entsprechender Bildung eine Unterklasse.

Das Problem mit Bildungsreformen ist ja auch, dass viele verschiedene Interessensgruppen beteiligt sind - Lehrer, Schüler, Eltern, Administratoren...

So unterschiedlich und different die Gruppen sein mögen, das Bildungsziel als Vorraussetzung für Ausbildung, Weiterbildung, Qualifikation, das wiederum als Voraussetzung seinen eigenen Weg selbstbestimmt und eigenverantwortlich gestalten zu können, ist für alle gleich.

Was kann ein Volksbegehren wie dieses tatsächlich erreichen; weil die Diskussionen und Argumente sind seit Jahrzehnten die gleichen?

Die Diskussion ist schon sehr alt, sie war auch in einer falschen Weise ideologisch bestimmt, das war ein großes Hindernis, da ist eine Aufweichung eingetreten. Es gilt jetzt die versteinerten Machtstrukturen aufzubrechen und Prestige-Denken zu überwinden; es geht nicht um Amtsträger und Funktionäre und deren Interessen, sondern es geht um die Zukunft unserer Jugend und damit die Zukunft unseres Landes.