Erstellt am: 25. 4. 2010 - 03:45 Uhr
Elefant sucht Liebe, Manuel macht Mut
Es ist ein höchst verunsichernder Gedanke, dass ein Großteil des Unheils und der Ungerechtigkeit unserer Welt mit menschlichen Schwächen, persönlichen Traumata, charakterlichen Mankos und unbefriedigten Bedürfnissen eng im Zusammenhang steht. Hätten alle Fädenzieher repressiver Regimes, skrupelloser Konzerne und religiösen Fanatismus' eine behütete Kindheit und verantwortungsvolle Eltern gehabt - wären sie dann die selben? Was passiert mit Menschen, die nie tief geliebt werden, keine sexuelle Erfüllung erfahren, ihren Kummer nicht kommunizieren können?
Kraft der Liebe
Die Wiener Band Kommando Elefant konfrontiert ihre Hörer nicht mit derlei tiefgründigen psychologischen Fragen. Das gesamte Werk von Mastermind Alf Peherstorfer beschäftigt sich dennoch stets mit dem selben Grundthema: Die Liebe in all ihren Facetten und die Kraft, die sie auf Menschen und ihre Handlungen ausübt.
Das neue Album "Kommt wir hauen Granaten rein. Das kleine bisschen Leben" spart nicht mit Kitsch und Sehnsucht, wenn es darum geht, die ewige Liebe, den personal soulmate und das Füreinander-Dasein zu beschwören. Ebenso wie das temporäre Eintauchen in Abgründe und Abschlüsse zelebriert wird und das Ende und die Depression nach der Liebe gefeiert werden - zumindest so lange, bis der nächste Song beginnt.
Wir sind unsere Favoriten,
mit uns ist alles klar und leicht.
Durch uns, da sind wir das, was wir sind,
Ich lieb' dich seit Anbeginn aller Zeit.
("Favoriten")
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Ingo Pertramer
Nach der Ironie
Warum der Pathos nicht nervt und vorgegebene, heftig ausgetretene Pfade auf eine Weise betreten werden, als ob wir das alle zum ersten Mal hören würden, lässt sich analytisch nicht beantworten. Peherstorfer schreibt wohl einfach gute Songs. Er zieht die Kraft für seine Lieder aus einer hörbaren Leidenschaft für den Schlager und deutschsprachigen Singer-/Songwriter-Pop.
Es liegt nahe, Kommando Elefant bloß ironisches Gekicher aus dem Aufnahmeraum zu unterstellen, wenn man das musikalisch mitunter gewagte Potpourri aus Sportfreunde Stiller, Jens Friebe und L'amour-Hatscher zum ersten Mal hört. Anderseits bleibt dann die Frage, wo die Inbrunst herkommt und die Verletzbarkeit, der sich Alf Peherstorfer mit vielen seiner Texte aussetzt. Hintertüren gibt es oft einfach keine.
All die Jahre gehen vorbei,
blasse Erinnerung, die bleibt.
Mit einem Lächeln oder nicht,
erinnerst du dich dann an mich.
("In all den Jahren")
Was ist schon normal?
David Haider alias mooshunter