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Barbara Köppel

Durch den Dschungel auf die Bühne des Lebens.

22. 4. 2010 - 04:00

Wenn ich groß bin, werd' ich Rennfahrerin

Und wo sind eigentlich die Maschinenbauingenieurinnen, Kindergartenonkel und Krankenbrüder?

Der heutige Girls' Day bzw. Boys' Day will Mädels und Burschen Berufe abseits traditioneller Rollenbilder schmackhaft machen.

Von allen weiblichen Lehrlingen in Österreich werden 24% Einzelhandelskauffrau, 13% Bürokauffrau und 12% Friseurin. Fast die Hälfte wählt damit klassische "Frauenberufe". Auf den höheren technischen Schulen liegt der Mädchenanteil bei etwas über 10%, im Vergleich zu fast 60% in den AHS.

An den Universitäten setzt sich die Entwicklung fort. Zum Beispiel haben an der TU Wien im Wintersemester 2008/09 nur 23% Frauen und 77% Männer studiert.

Am Arbeitsmarkt sind daher Technik und Handwerk fest in männlicher Hand, während in sozialen, pädagogischen und Pflegeberufen hauptsächlich Frauen arbeiten.

Role Models

captain janeway

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Job mit Zukunftsperspektive: Frau Raumschiffkapitän

Die Gründe für die geschlechterspezifische Ausbildungs- und Berufswahl sind vielfältig. Die traditionellen Rollenbilder vom Mann als Ernährer und der Frau als Hausfrau wirken stärker auf die Mädels und Burschen, als man glaubt, sagt Karin Steiner, Leiterin des Sozialforschungsinstituts abif. Junge Männer wählen ihre Berufe eher nach Interessen und Verdienstmöglichkeiten, während Frauen nicht selten schon Familienplanung in ihre Überlegungen einbeziehen.

50% der deutschsprachigen PflichtschulabsolventInnen zwischen 20-24 Jahren haben nie eine Berufsinformation bekommen. Bei den nicht-deutschsprachigen PflichtschulabsolventInnen liegt der Anteil bei 86%.

Zudem setzt gezielte Berufsinformation für Schülerinnen und Schüler meist erst dann an, wenn die Mädels und Burschen schon knapp vor der Entscheidung stehen, ob sie eine Lehre machen, auf eine HTL oder HBLA wechseln oder auf der AHS bleiben. Zu diesem Zeitpunkt sind die Weichen längst gestellt. Berufliche Sozialisation beginnt im Kleinkindalter und funktioniert auf emotionaler Ebene über Role Models und Bilder. Dagegen kommt eine rationale Berufsinfobroschüre nicht an, so Steiner.

Money

Ausbildung und Beruf einer Person bestimmen aber deren Einkommen. Frauen sind in der Hinsicht doppelt benachteiligt: Nicht nur, dass sie bei gleicher Ausbildung und Leistung rund ein Drittel weniger verdienen. Weiblich dominierte Berufe sind von vornherein schlechter bezahlt. So liegt das Einstiegsgehalt eines/r MaschinenbauingenieurIn bei 2.040 Euro, während ein/e VolksschullehrerIn 1.550 Euro verdient.

Uns interessieren Eure Erfahrungen

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On air zwischen 16 und 17 Uhr in FM4 Connected

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Dazu live zu Gast im Studio:

Viki Weißgerber, Juristin und Beraterin bei der Mädchenberatung Sprungbrett und Markus Zingerle, Soziologe und Berater bei der Männerberatung.