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Martin Blumenau

Geschichten aus dem wirklichen Leben.

21. 10. 2009 - 18:25

Journal '09: 21.10.

"Kranke" Jugend.

Eine Groteske in 13 Akten.

1

Von: Ferdinand P.
Gesendet: Donnerstag, 17. September 2009 14:41
An: Blumenau Martin, HFM4
Betreff: einladung diskussion

lieber martin blumenau,
wir machen am 21.10., 17.00 eine diskussion zum thema arbeitstitel "wie krank ist die jungend?/clash of generations/bildungsdebatte" usw. am vienna knowledge space am karlsplatz.

diskutieren lassen wollen wir einen/eine aus der praxis (angefragt: niki ecker vom verein wiener jugendzentren, den bildungsexperten ingolf erler, eineN von fm4 bzw. umfeld, gefragt habe ich bereits den markus z., der das auch machen würde, allerdings meinte, ich solle doch auch dich fragen und dann noch jemanden, die/der auf so dinge wie neuropädagogik bezug nehmen kann.

wir würden uns sehr freuen, falls du interesse hast, bekundung jederzeit per email oder telefon.
danke u. beste grüße
ferdinand p.

2

Am 18.09.2009 um 12:05 schrieb <martin.blumenau@orf.at>

Nun, wer bin ich, dass ich markus z. widerspreche.
Trotzdem eine frage: wenn ein neuro- oder ein bildungs-experte drinsitzt, dann sehe ich eine stoßrichtung, die ins eher wissenschaftliche, nicht aber ins politische oder soziale geht. wenn das so ist: da bin ich fehl am platz; als exponent in einer kraut-und-rüben-diskussion, wo aus jedem dorf ein hund halt sein statement runterbellt, seh ich mich nämlich nicht.
Wenns darum geht konkrete öffentliche ursachensuche zur lage zu betreiben, gerne.

lgmb

3

Von: Ferdinand P.
Gesendet: Mittwoch, 23. September 2009 13:47
An: Blumenau Martin, HFM4
Betreff: Re: AW: einladung diskussion

das freut uns natürlich! also ich möchte ehrlich gesagt auch keine kraut&rübendiskussion. edda s., die das ganze moderieren wird, meldet sich bei dir, um setting bzw. deine bedenken nochmals durchzugehen.

so far lg
ferdinand p.

4

Ein paar Tage später spreche ich mit dem angesprochenen Markus.
Der meint: an sich gute Sache, interessante Veranstaltungreihe mit tollen Themen und guten Leuten, gewöhnungsbedürftige Location mitten am Karlsplatz direkt vor der Uni, also im Freien (!). Er wäre für einige Moderationen angefragt worden und bei diesem Thema, einer jugendpolitischen Diskussion hätte er ("Ist ja heuer eines deiner großen Themen.") mich vorgeschlagen, auch um einer womöglich sonst zu trocken-theoretischen Runde den nötigen Praxis-Pepp zu geben.
Ich war also guten Mutes.

5

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: Edda S.
Gesendet: Donnerstag, 15. Oktober 2009 15:07
Betreff: Diskussion: Wie krank ist unsere Jugend?

Liebe DiskussionsteilnehmerInnen!

Vielen Dank, dass Sie sich bereit erklärt haben, an der Diskussionsrunde zum Thema "Wie krank ist unsere Jugend" teilzunehmen.

Mein Name ist Edda S.und ich bin für die Moderation zuständig. Bezüglich des Ablaufs würde ich Sie bitten, dass Sie sich ein kurzes Eingangsstatement (ca. 3 - 4 Min) überlegen, in dem Sie sich kurz vorstellen, für Sie mögliche Antworten auf die Frage, wie krank unsere Jugend ist, geben und vielleicht auch Ursachen für die "kranke" Jugend zu nennen. Nach den Eingangsstatements würde ich gleich in die Diskussion einsteigen. Da im Vorfeld ein sehr breites Fragenspektrum angegeben wurde, würde ich vorschlagen, folgende Themen in den Vordergrund zu stellen:

Die "kranke Jugend":

Wie kommt das Image der "kranken Jugend" zustande?
Ist unsere Jugend "kränker" als früher?
Welche Krankheiten (v.a. psychische Krankheiten) tauchen besonders im Jugendalter auf?
Welche gesellschaftlichen und sozialen Ursachen sind dafür verantwortlich?
Vor welchen Herausforderungen stehen Jugendliche heute, die diese Krankheiten (mit)verursachen?

Jugendarbeit

Welche Konzepte gibt es, die in der Arbeit mit Jugendlichen wirksam sind?
Wie werden Jugendliche gefördert? Was wird präventiv getan?
Welche Rolle spielen Bildungskonzepte? Wie werden diese umgesetzt?

Politik:

Welche politischen Maßnahmen braucht es, um einer "kranken Jugend" vorzubeugen?
Wie wird die Jugend im Moment in der Politik wahrgenommen? Welche Lösungsansätze sehen Sie im politischen Bereich? Welche Maßnahmen braucht es, um die Situation kranker Jugendlicher zu verbessern bzw. ihr vorzubeugen?

Generell sind die Veranstaltungen am k-space interaktiv gestaltet, das heißt, dass ich den Fragen aus dem Publikum Vorrang geben würde.

Die Diskussion beginnt um 17.00, Ende ca. 18.30. Wenn es Ihnen möglich ist, würde ich Sie bitten, ca. 10 Minuten vorher da zu sein, damit wir noch eventuelle Fragen und Details klären können.

Falls Sie noch Fragen haben können Sie mich per email oder via Telefon erreichen.
Ich freue mich auf eine spannende Diskussion!
Mit freundlichen Grüßen
Edda S.

6

Von: martin.blumenau@orf.at
Gesendet: Dienstag, 20. Oktober 2009 13:32
An: Edda S.
Betreff: AW: Diskussion: Wie krank ist unsere Jugend?

Hallo, ja, alles klar an sich. dachte ich bislang.
Aber:
Mich macht der hier in einem neuen zusammenhang verwendete begriff "krank" mehr als unrund.
ich habe für eine diskussion mit dem titel "wie krank ist die jungend?/clash of generations/bildungsdebatte" zugesagt - und jetzt kommt da eine medizinische note dazu? No way.
Ich habe in meiner zusage/antwort an ferdinand p. extra folgendes angemerkt (ich zitiere):
"wenn ein neuro- oder ein bildungs-experte drinsitzt, dann sehe ich eine stoßrichtung, die ins eher wissenschaftliche, nicht aber ins politische oder soziale geht. wenn das so ist: da bin ich fehl am platz; als exponent in einer kraut-und-rüben-diskussion, wo aus jedem dorf ein hund halt sein statement runterbellt, seh ich mich nämlich nicht."
Mir wurde dann mit den worten (zitat: "also ich möchte ehrlich gesagt auch keine kraut&rübendiskussion") versichert, dass dies nicht der fall sein würde.

Genau das sieht für mich jetzt wieder ganz anders aus.

Deshalb nochmal: für eine kraut&rüben-debatte in der es um weit auseinanderliegendes wie gesundheits/vorsorgepolitik, sozialarbeit und bildungsansätze gehen soll, steh ich nicht zur verfügung.

Mein thema in diesem zusammenhang ist die politische analyse der gesellschaftlichen situation der jungen generation. Eine diskussion zu diesem thema: immer, gerne, jederzeit.

Alles andere: nein, weil ich da keinerlei expertise habe.

lgmb

7

Von: Edda S.
Gesendet: Dienstag, 20. Oktober 2009 15:35
An: Blumenau Martin, HFM4
Betreff: AW: Diskussion: Wie krank ist unsere Jugend?

Sorry, ich glaub da gibt's einige missverständnisse, wahrscheinlich weil auch der "krank"-begriff nicht glücklich gewählt ist(er war ursprünglich eher als wortspiel gedacht: du bist ja krank, das ist ja krank,...):

Mir geht's darum zu schauen, wie ist die reale situation jugendlicher derzeit, wie werden sie gesellschaftlich/politisch wahrgenommen, wo und wie werden sie marginalisiert, ausgeschlossen, ... vielleicht in dem sinn: was macht sie krank? Dann würde ich schon auch ansätze in den blick nehmen, wie verbesserungsmöglichkeiten für die situation junger menschen politischer/gesellschaftlicher natur aussehen können.

Vielleicht waren meine frageformulierungen nicht glücklich gewählt, aber wir könnten ja noch telefonieren, wenn das unrunde gefühl anhält.
Ich hoffe, das klärt sich noch!

Lg edda s.

8

Von: martin.blumenau@orf.at
Gesendet: Dienstag, 20. Oktober 2009 15:38
An: Edda S.
Betreff: AW: Diskussion: Wie krank ist unsere Jugend?

Ich sehe da kaum ein mißverständnis:

"Ist unsere Jugend "kränker" als früher?
Welche Krankheiten (v.a. psychische Krankheiten) tauchen besonders im Jugendalter auf?
Welche gesellschaftlichen und sozialen Ursachen sind dafür verantwortlich?
Vor welchen Herausforderungen stehen Jugendliche heute, die diese Krankheiten (mit)verursachen?
Politik:
Welche Maßnahmen braucht es, um die Situation kranker Jugendlicher zu verbessern bzw. ihr vorzubeugen?"

All diese themen sind reine gesundheitsthemen - die mit dem sozial/bildungs/politischen problem junger menschen nichts zu tun haben.

Meine frage, nochmal: was ist jetzt wirklich das genaue thema? wie lautet der titel der veranstaltung und wer nimmt teil?

lgmb

9

Von: Edda S.
Gesendet: Dienstag, 20. Oktober 2009 16:40
An: Blumenau Martin, HFM4
Betreff: AW: Diskussion: Wie krank ist unsere Jugend?

Ich hab die fragen nach den "kranken" jugendlichen in einem sehr weiten sinn verstanden: krank zum einen als psychisch krank, und zum anderen in anspielung an den diskurs über "die angeblich so kranke" jugend, der sich in normativ-wertenden aussagen wie "die sind ja krank" manifestiert. Insofern geht's durchaus auch um die analyse der gesellschaftlichen/politischen situation jugendlicher und die frage nach verbesserungsmöglichkeiten für sie.

Wenn das thema nach wie vor zu weit gefasst ist, bzw. sie sich nicht darin wiederfinden, würde ich Sie bitten, mir das noch mitzuteilen, obwohl wir eine absage sehr bedauern würden.

Lg edda s.

10

From: martin.blumenau@orf.at
Sent: Tue 10/20/2009 5:30 PM
To: Edda S.
Subject: AW: Diskussion: Wie krank ist unsere Jugend?

Das ist leider schon wieder diffus.

Was haben psychische erkrankungen mit der politischen debatte rund um die gesellschaftspolitische position der jungen zu tun?

Wenn es ernsthaft um ersteres gehen sollte - count me out, please!
Wenn es um zweiteres geht, dann bin ich dabei.

Wer sind die anderen teilnehmer? Ärzte, psychiater oder bildungs/polit-experten?
Bitte um eine KONKRETE antwort!

Lgmb

11

Von: Edda S.
Gesendet: Dienstag, 20. Oktober 2009 19:35
An: Blumenau Martin, HFM4
Betreff: RE: Diskussion: Wie krank ist unsere Jugend?

ich probiers nochmal, vielleicht mit einem beispiel: es geht schon um die frage, inwiefern sich die realpolitische/gesellschaftliche Situation auf die psyche jugendlicher auswirkt. das war gemeint mit der frage nach ursachen für erkrankungen. Ein plakatives beispiel wären depressionen, die sich aus zukunftsängsten speisen, die wiederum darin begründet sind, dass sich jugendliche in einem system finden, in dem arbeitslosgikeit steigt. Es soll nicht in erster linie darum gehen, wie symptome für krankheiten ausschauen, sondern um die gesellschaftlichen/sozialen ursachen dafür. Also auch um die gesellschaftlich/politische situation, in der sich jugendliche befinden.

die anderen diskutantInnen sind:

Waltraud Weber (bifie)
Ernst Berger (Bildungswissenschaften, Kinder- und Jugendpsychiater)
Ingolf Erler (Autor von: Keine Chance für Lisa Simpson, Erwachsenenbildung)
Waltraud Wöhrer (science communication research)

ich hoffe, ich hab ein wenig licht in die sache gebracht. Ist das für sie so vorstellbar oder ist ihnen die diskussion zu weit gefasst?

Lg edda S.

12

Von: Blumenau Martin, HFM4
Gesendet: Mi 21.10.2009 12:28
An: 'Edda S.'
Betreff: AW: Diskussion: Wie krank ist unsere Jugend?

Sorry, aber das ist genau das, was ich im erstkontakt für mich ausgeschlossen habe - eine kraut& rüben-diskussion, die gesellschaftpolitisches mit gesundheits/vorsorge-fragen (für die ich null expertise habe) vermengt.
An einer solchen diskussion kann und will ich nicht teilnehmen.
Ich habe für eine jugendpolitische diskussion (die mir als "clash of generations" verkauft wurde) zugesagt, nicht hiefür. die wandlung hin zur diskussion über psychisch kranke und depressionen kann ich nicht mitmachen, auch weil mir die verbindung zu den angesprochenen zukunftsängsten zu künstlich erscheint.
lgmb

13

Heute, Mittwoch, 17 Uhr 15.
Das Vienna Knowledge Space am Karlsplatz.
Ich dachte mir, ich schau trotzdem vorbei, zur Diskussion von 17.00 bis 18.30.
Bloß: keiner da, die Bude ist verrammelt, die Zuschauerbänke leer, tumbleweed rollt durch den "space".
Es hat offenbar auch kein Zuhörer der Mühe wert befunden, herzukommen. Wenn die Kommunikation nach außen genauso planlos war wie die nach innen, kann ich's sehr gut verstehen.