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Rainer Sigl

Spiel, Kultur, Pop im Assoziationsblaster.

5. 4. 2017 - 06:05

Überlebenssimulator mit Knuddelfaktor

Das Indiespiel "Rain World" sieht aus wie ein niedliches Jump&Run, ist aber gnadenlos tödlich.

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Fressen und gefressen werden, so lautet bekanntlich das Gesetz der Natur. Im Indiespiel "Rain World" bekommen wir das am eigenen Leib zu spüren, denn als kleine wehrlose "slug cat" sind wir eher am unteren Ende der Nahrungskette zu Hause.

Aus der Seitenansicht erforscht unser niedliches weißes Katzenwesen eine postapokalyptische Welt aus Industrieruinen, in der viele Gefahren lauern. Zum einen gibt es da jede Menge größerer Tiere, die uns auf dem Speiseplan haben, zum anderen beginnt es etwa jede Viertelstunde sintflutartig zu regnen. Wer bis dahin nichts zu fressen und ein sicheres Plätzchen zum Schlafen gefunden hat, ist dem Tod geweiht.

Mogelpackung mit Zähnen und Krallen

"Rain World" sieht aus wie ein niedliches Jump and Run mit Metroidvania-Elementen, aber es ist eigentlich etwas völlig anderes - ein beinharter Überlebenssimulator, der sich in Sachen AI sogar an der düsteren Postapokalypse von "STALKER" orientiert. Statt einfach die riesige offene Welt zu durchqueren, muss unser Katzenwesen regelmäßig Futter und Unterschlupf suchen und sich vor Feinden in Acht nehmen. Diese sind allerdings nicht statisch an einen Ort gebunden, sondern bewegen sich völlig frei und bekämpfen sich auch untereinander, so dass tatsächlich so etwas wie ein kleines Ökosystem entsteht, das sich laufend verändert. Kampf ist aussichtslos, und so helfen nur Flucht und Verstecken gegen die fantasievolle Menagerie von Ungeheuern, die - wie der Held auch - außergewöhnlich animiert sind. Ein Blick auf die Welt in Bewegung, wie es sie auf der Webseite des Spiels als Vorgeschmack zu sehen gibt, lässt staunen.

Ein Bildschirmtod ist nicht trivial, denn er wirft uns zurück in den letzten sicheren Hafen und lässt uns einen Karmapunkt verlieren – den brauchen wir aber, um in den nächsten Abschnitt zu kommen. Wie viele andere wichtige Systeme wird allerdings auch das vom Spiel nicht erklärt und man muss erst selbst draufkommen - nur die Harten kommen durch.

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Ein Spiel nicht für jeden

So viel beinharte Auslese und absichtliche Verdunkelung machen eines klar: "Rain World" ist nicht nach jedermanns Geschmack. Die Steuerung des akrobatischen Helden ist nicht einfach zu erlernen und bleibt vor allem in hektischen Situationen hakelig, die Welt ist ein riesiges Labyrinth und vor allem zu Beginn kommt oft Frust auf, wenn sich wegen eines zufällig auftauchenden Gegners der Spielfortschritt der letzten halben Stunde in Luft auflöst.

"Rain World" ist für Windows und PS4 erschienen.

Es braucht also eine ganze Menge Geduld, Geschick und auch ein wenig Glück, um voranzukommen. Wenn man es aber nach halsbrecherischer Flucht doch noch rechtzeitig an ein sicheres Plätzchen geschafft hat, hat man das Gefühl, wirklich einen Überlebenskampf gewonnen zu haben. Und die riesige, geheimnisvolle Welt mit ihren furchterregenden Bewohnern bietet auch nach vielen Spielstunden immer noch Geheimnisse und Überraschungen.

Wer sich gerne schwierigen Aufgaben stellt, findet in "Rain World" ein absolut außergewöhnliches Spiel, das viel mehr ist, als man auf den ersten Blick erkennt - ein Einzelstück, das nicht für jeden gemacht ist.

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