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Maria Motter Graz

Bücher, Bilder, Kritzeleien. Und die Menschen dazu.

2. 4. 2017 - 11:22

Die besten Filme der Diagonale

Tanzende Einhörner, eine schmückende Lamettaboa und die besten Filme, die Jurys auf der Diagonale 2017 gesehen haben: Alle Preise sind vergeben.

Einhörner tanzen zum Konzert von Gudrun von Laxenburg auf der Bühne. Eines davon ist der Regisseur und Drehbuchautor Christoph Rainer, der das Filmfestival „Shortynale“ in Klosterneuburg begründet hat. Wo jetzt Einhörner tanzen, da sprang zuvor Philipp Hochmair mit einer Lamettaboa in die Luft.

Philipp Hochmair mit goldenem Lametta

Diagonale/Miriam Raneburger

Some know how to party. Für "Kater" von Händl Klaus wurde Philipp Hochmair als bester Schauspieler dieser Diagonale ausgezeichnet. "Kater" lief bereits 2016 auf der Berlinale und gewann in Berlin den Teddy Award, einen der wichtigsten Preise für queeren Film weltweit.

Er sei superglücklich, schickt Philipp Hochmair voraus und wechselt ins Englische: „Chicken Klaus is my life-Mensch, I thank Chicken Klaus for the Chicken nut here in Graz. Thanks for Chicken nut, Chicken Klaus! Chicken Graz! I am Chicken Man!“

Eine ungewöhnliche Heldin

Die beste Schauspielerin der Diagonale'17 heißt Verena Altenberger. Für ihre Darstellung der drogensüchtigen Mutter in Adrian Goigingers autobiografischen Spielfilmdebüt "Die beste aller Welten" wird sie von der Jury ausgezeichnet. Verena Altenberger dankt ihrem Filmkind Jeremy Miliker, das er zugelassen hat, für kurze Zeit wie Mama und Sohn gewesen zu sein.

„Für viele ist es ein Film über Sucht, ein Drogenfilm", sagt Verena Altenberger über den hervorragenden Spielfilm. "Aber für mich ist es ein Film über eine Heldin. Helga Wachter (Anm. ihre Rolle) ist keine Prinzessin, sie ist nicht hübsch, nicht erfolgreich. Aber die Helga ist eine starke Frau und das macht mich ganz besonders stolz. Für mich sind es die Filme über die starken Frauen, die besonders dringend gezeigt werden müssen!“

Auf den Bierdeckeln, die von der Diagonale gemeinsam mit dem FC Gloria produziert wurden, formieren sich Frauen zu einer Räuberleiter. Aber so kommt nur eine Frau nach oben, ob das eine überzeugende feministische Botschaft ist? Die eine durchbreche die Gläserne Decke, so müsse man das sehen.

"Die beste aller Welten" überzeugt jedenfalls auch mit seinem Szenenbild. Es erlaube der Schauspielerin, nicht nur Junkie, sondern liebevolle Mutter zu sein, so die Begründung für den Preis für das beste Szenenbild und das hat Veronika Merlin geschaffen.

Der beste Spielfilm? "Die Liebhaberin" im Nudistenclub

Spannend wird es bei den besten Filmen der 20. Diagonale in Graz. Und die Entscheidung für den besten Spielfilm ist eine Überraschung. Lukas Valenta Rinner wollte gestern eigentlich schon weiter nach Salzburg, da hat er den Anruf der Diagonale bekommen. Seinen zweiten Spielfilm "Die Liebhaberin" hat der Regisseur ebenso wie sein Debüt "Parabellum" in Argentinien realisiert. Die schwarze Komödie "Die Liebhaberin" ist eine südkoreanisch-österreichisch-argentinische Koproduktion und der Film führt mit seiner Hauptfigur, dem Hausmädchen Iride Mocker aus der Enge einer Gated Community in die Welt einer Nudisten- und Swingersexkommune in der Nachbarschaft. Erst schockiert, verbringt das 32-jährige Dienstmädchen mehr und mehr Stunden ihrer freien Zeit in der eigenwilligen Welt der anderen Gesellschaft. Bis zum blutigen Showdown.

"Ich habe mir gedacht, welche Jury prämiert einen österreichisch-koreanisch-argentinischen Film über einen Nudistenclub? Die möchte ich kennenlernen!", hat sich Lukas Valenta Rinner Samstagnachmittag gefragt. In Graz bei der Diagonale werden schließlich 17 Preise in etlichen Kategorien vergeben, es sind die höchstdotierten Filmpreise Österreichs. "Wenn man als Regisseur auf ein Team zählen kann, das einem ohne Buch wochenlang in einen Nudistenclub folgt, dann ist das etwas Besonderes!". Und dann hält der Regisseur noch ein Plädoyer für politisches Filmemachen: "Wir leben heute in einer Welt, in der leider Zäune, Grenzen und Mauern immer realer werden. Deswegen glaube ich, es ist wichtig, politische Filme zu machen. Vielleicht auch schwierige und unkonventionelle Filme zu probieren. Und deshalb muss man dafür im österreichischen Film kämpfen." Jubel und Applaus im Saal.

Ivette-Loecker und Lukas Valenta Rinner

Diagonale/Miriam Raneburge

Ivette Löcker und Lukas Valenta Rinner

Die beste Doku? "Was uns bindet"

Den Preis für die beste Doku im Wettbewerb der Diagonale hat Ivette Löcker schon 2011 einmal für ihr betörendes Langdoku-Debüt "Nachtschichten" gewonnen. "Nachtschichten" war ein Porträt von Berlin bei Nacht. Gestern gewinnt Ivette Löcker die goldene Nuss-Skulptur, die die Preise der Diagonale verdinglichen, für ihre intime Bestandsaufnahme der arg geordneten Verhältnisse ihrer eigenen Eltern.
Anna Katharina Laggner hat den Film im Vorfeld der Diagonale mit diesen Worten empfohlen: "Ich bin ein Fan von Selbstporträts und bewundere, wenn es jemandem gelingt, die Grenze zwischen Privatem und Persönlichem so auszureizen, dass ein Funken Intimität überspringt, der die Betrachterin/den Betrachter beim eigenen Selbst packt. Diesbezüglich ist "Was uns bindet" von Ivette Löcker ein verstörendes Stück Kino.“

Da steht man mit Mundschutz, weißem Wegwerf-Overall und frustriertem Blick vor der Schimmelpilzgefahr und der Vater sagt, man solle nicht überdramatisieren. Worum geht es wirklich? Darum, irgendwo zuhause zu sein. Zuhause in dem Sinn, dass man als ganzer Mensch wahr- und angenommen wird und als ganzer Mensch wahr- und annehmen kann. Stattdessen schleudern sich in die meisten Familien Projektionen der eigenen Schwächen, unerfüllten Wünschen und Verletzungen entgegen, sodass ein heilloses, zur Flucht gemahnendes Wirrwarr entsteht. Wie gerne man hätte, dass die eigene Familie ein Zuhause ist, auch davon erzählt „Was uns bindet“.

Ivette Löcker dankt ihren Eltern, den wichtigsten ProtagonistInnen ihres Films, sie sind im Orpheum in Graz anwesend. Nach den Vorführungen von "Was uns bindet" seien immer wieder ZuschauerInnen zu ihr gekommen, um ihr von den eigenen Eltern oder Großeltern zu erzählen. "Was kann Schöneres passieren, als dass ein Dokumentarfilm so etwas auslöst?“, sagt sie. „Das wäre nicht möglich gewesen ohne meine Eltern. Danke Mama und Papa."

Und das beste innovative Kino? "Pferdebusen"

Der Preis für Innovatives Kino geht an Katrina Daschners Film "Pferdebusen" für die „visuell brillanten und verführerisch Kameraaufnahmen sowie seine irritierend und betörende Montage“.

Szene aus dem Film "Pferdebusen"

sixpackfilm

Katrina Daschner freut sich sehr und merkt amüsiert an, dass ihr Film auch einer der liebsten sei: "Ich mag den Film besonders gern, weil so viele Pferde und Busen vorkommen!" Und dann dankt Katrina Daschner den Förderern des Experimentalfilm.

Alle PreisträgerInnen der Diagonale auf der Bühne

Diagonale/Miriam Raneburger

Alle Preise sind vergeben. Die Diagonale'17 läuft heute, Sonntag, weiter: Am Nachmittag und Abend sind die Filme der PreisträgerInnen nochmals zu sehen. Unter anderem!

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