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Rainer Sigl

Spiel, Kultur, Pop im Assoziationsblaster.

31. 3. 2017 - 06:00

Dieb mit guten Karten

"Card Thief" beweist, dass Kartenspielen allein ganz schön spannend sein kann.

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Bube, Dame, König, Ass, immer schön der Reihe nach aufgestapelt - seien wir ehrlich: Sexy geht anders. Solitär-Kartenspiele, also solche, die man ganz ohne Spielpartner alleine spielt, haben früher einmal einsamen alten Damen die Zeit vertrieben; seit Computer in allen Büros stehen, wurden aber wohl auch Millionen Arbeitsstunden damit vernichtet. Wer von "Spider-Solitaire" & Co genug hat, kann sich aber längst auch mit digitalen Kartenspielen die Zeit vertreiben, die weitaus spannender sind - und das nicht nur im Online-Kartenkampf gegen Millionen menschliche Mitspieler wie in Trading-Card-Games der Marke "Hearthstone".

Eine besonders innovative Solitaire-Variante ist "Card Thief", das vor kurzem für mobile Apple-Geräte erschienen ist. In diesem machen wir uns nämlich als Meisterdieb zu heimlichen Raubzügen auf, bei denen wir Gold und Schätze stehlen und uns vor allerhand Wächtern und Fallen in Acht nehmen müssen.

Einfach zu lernen, schwer zu meistern

Ein vorbildliches Tutorial erklärt das Spielprinzip, das nur zu Beginn kompliziert aussieht, sich aber schon in den ersten Runden als eingängig, aber durchaus komplex herausstellt. Auf einem Spielfeld von neun Karten bewegen wir unseren Dieb, und das am besten ganz vorsichtig. Das Ziel ist es, möglichst viele der hübsch gestalteten Karten pro Spielzug verschwinden zu lassen und eine Schatzkiste einzusacken. Ganz am Schluss, wenn der Kartenstapel zu Ende ist, müssen wir unentdeckt mit möglichst großer Beute fliehen. Fackelkarten erleuchten die Felder rundum und machen die Wachen, Hunde und Wacheulen (!) noch gefährlicher; die grundlegende Ressource des Spiels sind "Schleichpunkte", die sich nur durch bestimmte Gegenstände wieder auffüllen lassen.

Mit verschiedenen Spezialkarten, von denen wir jeweils drei für einen Raubzug einpacken können, lassen sich Fackeln löschen, aufmerksame Wächter ablenken oder blenden. Wenn man die Grundregeln einmal verstanden hat, stellt sich ganz schnell heraus, dass "Card Thief" - wie jedes gute Spiel - einfach zu lernen, aber ganz schön hart zu meistern ist.

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Nur noch ein Raubzug!

"Card Thief" schafft es, aus einer simplen Idee ein spannendes taktisches Erlebnis zu machen und irgendwie sogar das Feeling von populären Schleichspielen wie "Thief" zu vermitteln. Es macht einfach, tja, diebische Freude, mit einem geschickten Spielzug Wachhunde, Aufpasser und Fallen auszutricksen, Schätze abzustauben und wieder im Dunkel zu verschwinden. Für Langzeitmotivation sorgen ein globaler Highscore, frei spielbare neue Szenarien mit immer stärker werdenden Wächtern, ein "täglicher Raub" sowie das Aufleveln neuer Gegenstände - die kleinen Aufgaben, die dafür erledigt werden müssen, fordern dabei durchaus zum Um-die-Ecke-Denken auf.

“Card Thief” ist für iOS erschienen; eine Android-Version folgt in Kürze.

Mit dem klassischen Solitär hat dieser gelungene Raubzug nur mehr wenig gemeinsam, das macht aber nichts: “Card Thief” ist der Beweis, dass durch schlaues und bis ins letzte Detail durchdachtes Spieldesign auch das einsame Kartenspiel ganz ohne Gegner verdammt viel Spaß machen kann. Zusammen mit der schon vom ebenso empfehlenswerten Vorgänger "Card Crawl" bekannten Cartoon-Grafik und tollem Sound ist "Card Thief" ein großartiges Original und fast ein Instant-Klassiker.

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