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Rainer Sigl

Spiel, Kultur, Pop im Assoziationsblaster.

26. 3. 2017 - 06:00

Technostress im Cyberspace

Der stylische Shooter "Desync" lässt die virtuellen Welten der Achtzigerjahre aufleben.

Foregone

Im Inneren echter Computer ist es finster und meist staubig, in diesem aber nicht: Hier erhebt sich majestätisch leuchtende Architektur aus der Schwärze, es glänzt in Grün und Violett, und riesige Samurairoboter leuchten in Pink, Orange und Lila. Im Shooter "Desync" sind wir in einem Cyberspace, wie ihn sich die Popkultur der Achtzigerjahre vorgestellt hat.

Der fantastische Soundtrack zu "Desync" stammt übrigens von Daniel Deluxe und kann auch gekauft werden - anhören kann man ihn sich hier.

Nicht nur der retrofuturistische Grafikstil erinnert an den Filmklassiker "Tron" oder die SF-Romane des visionären William Gibson, auch der Soundtrack versetzt uns mit fantastischen New-Retro-Wave-Synthesizerklängen in die Technovergangenheit. Bei einer so geballten Ladung Nostalgie wundert es nicht, dass auch das Gameplay absolut klassisch geradlinig ausgefallen ist.


Actionballett in der Neondisco

In "Desync" kämpfen wir in einer virtuellen Realität gegen böse Programme in Gestalt von neonleuchtenden Robotern oder schwertschwingenden abstrakten Kriegern, die in Wellen nach und nach herbeiteleportieren und uns im Nahkampf oder per Beschuss ans Leder wollen. Wie in klassischen Arenashootern üblich, öffnet sich der Weg zu den nächsten Gebieten erst, wenn alle besiegt sind.

Im Kampf mit verschiedenen Waffen sind vor allem Präzision und Geschwindigkeit gefragt, denn allzu robust ist unsere Figur nicht. Nach nur wenigen Treffern geht es in Sekundenschnelle zurück an den Beginn des jeweiligen Abschnitts. Das macht aber nichts, denn das rasante Actionballett entfaltet schon schnell einen fast hypnotischen Flow - dank der im treibenden Beat weiterlaufenden Musik erinnert "Desync" in Sachen Spielerfahrung an das spielerisch unterschiedliche "Hotline Miami", das ebenso dem Soundtrack eine Hauptrolle einräumte. Dass sich verschiedene Angriffe und Fallen zu Combos verbinden lassen, macht auch die xte Wiederholung immer noch spannend.

Foregone

Klassisch hart

"Desync" sieht sich selbst als Härtetest für First-Person-Spieler, und das zu Recht: Schon bald steigert sich der Schwierigkeitsgrad beträchtlich und fordert auch Profis heraus. Mit Erklärungen hält sich das Spiel australischer Entwickler dabei nicht auf. Wie sich die Waffen und Fähigkeiten ausbauen lassen, muss man durch Versuch und Irrtum selbst herausfinden. Im zentralen Hub, zu dem man nach Absolvierung der einzelnen Arenen zurückkehrt, lassen sich außerdem bestimmte Combos mit Belohnungen verknüpfen - das ermöglicht auch das Feintuning von Strategie und Gameplay. Die Jagd nach Highscores und extrem detaillierte Statistiken über das eigene Spiel sorgen für Langzeitmotivation.

"Desync" ist für Windows erschienen.

Wer keine Angst vor Herausforderungen hat, findet in "Desync" einen überaus stylischen Shooter mit Nostalgiebonus und fantastischem Soundtrack. Selten war retrofuturistische Nostalgie schöner - oder härter.

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