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Rainer Sigl

Spiel, Kultur, Pop im Assoziationsblaster.

29. 3. 2017 - 12:20

FM4 Extraleben: Text

Die wenigsten Videospiele schaffen es ganz ohne: Text. Das FM4-Gameskränzchen spricht mit Cornelia Travnicek über 26 Buchstaben.

Computerspiele sind Text - zumindest bestehen sie aus programmierten Zeichen. Ganz ohne kommen aber auch an ihrer Oberfläche nur die wenigsten Spiele aus. Auch wenn das allererste Computerspiel "Pong" ein prominentes Gegenbeispiel ist, kommt Text vor Grafik - am besten in Erinnerung ist dabei jenes Genre, das quasi nur aus diesem bestand: Textadventures, heutzutage unter dem Begriff Interactive Fiction quicklebendig, hatten ihre Hochblüte bereits ab den späten Siebzigerjahren.

Am Anfang war das Wort

Einen kleinen Überblick über Meilensteine des - durchaus literarischen - Textadventures gibt es hier.

Die Klassiker von Infocom kamen ebenso wie viele andere mit einfachsten Mitteln aus: ein Text, der die Situation beschreibt und ein blinkender Cursor, der auf unsere Interaktion wartet. Was mit simplen Zwei-Wort-Kommandos begann - "go north", "open door", "get key" - entwickelte sich rasant und bis heute auch technologisch weiter.

Bethesda

"Skyrim" ist ein Fest für Leseratten.

Die Grafikadventures und später der Aufstieg immer opulenterer 3D-Grafik mögen das Textadventure in den Schatten gestellt haben, verschwunden ist es aber nie. Im Gegenteil: Text erlebt sogar so etwas wie eine Renaissance.

Die Rückkehr des Lesens

Damit ist nicht einmal nur der Erfolg "literarischer" Spiele wie "Sunless Sea", "80 Days" oder von Experimenten wie "Stories Untold" die Rede, und noch nicht einmal von der blühenden Twine-Szene, sondern von der Freude am Text in anderen Spielen. Es gibt bekanntlich ja eifrige Leser, die sich in Rollenspielwelten wie der "Elder Scrolls"-Reihe mit Genuss den tausenden Seiten "Literatur" widmen, die in den Spielen verstreut sind - wer nachlesen mag, kann das übrigens hier tun. Und auch das vor kurzem veröffentlichte "Torment: Tides of Numenera" ist ein Fest für Leser - hier degradiert der Text bisweilen gar die Grafik zur Statistenrolle.

Dass Spielerinnen und Spieler also lesefaul sein sollen, kann man in Hinblick auf die irren Textmengen mancher Spiele nicht behaupten. Zum Vergleich: Das oben bereits genannte wunderbare "80 Days" bietet stolze 750.000 Wörter Text auf; der Roman von Jules Verne, auf dem das Spiel beruht, kam dagegen gerade einmal auf 62.000.

FM4 Extraleben: Text

Am Mittwoch, 29. März, von 21 bis 22 Uhr, und danach für 7 Tage im FM4 Player.

fm4.ORF.at/extraleben/

Das Spiel mit Text beschränkt sich aber nicht nur aufs Lesen, immerhin sind Buchstaben und Typografie ebenso mögliche Spielfelder und bieten zum Teil höchst überraschende Texterlebnisse - auch wenn man, wie im Fall von oben verlinkten "Device 6", vielleicht nicht ganz der überschwänglichen Meinung sein muss, dies wäre "die Zukunft des Lesens".

Ein FM4 Extraleben über Text

Conny Lee, Robert Glashüttner und ich plaudern über das Thema Text in Computerspielen, mit einem Gast, der wie geschaffen für dieses Thema scheint: Cornelia Travnicek ist nicht nur Autorin, sondern auch IT-Researcherin am Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung VRVis und langjährige Spielerin - sie macht das ludische Trio diesmal zum Quartett. Das FM4 Extraleben diesmal ausnahmsweise an einem Mittwochabend, dem 29. März, von 21 bis 22 Uhr.

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  • spok | vor 142 Tagen, 17 Stunden, 51 Minuten

    Ihr habt immer die coolsten Themen!

    Auf dieses Posting antworten