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Christian Lehner Berlin

Pop, Politik und das olle Leben

15. 3. 2017 - 13:03

Lieder ohne Leiden

Christiane Rösinger hat ein neues Album gemacht und ein neues Buch geschrieben. Ein Hausbesuch inklusive Gentrifikations-Blues in Berlin-Kreuzberg, am Mittwoch in der FM4 Homebase.

Christiane Rösinger geht im April mit den "Liedern ohne Leiden" auf Tour; am 11.4.2017 führt sie diese auch nach Wien ins Brut!

Neulich um 4 Uhr früh in Berlin-Schöneberg. Seltsame Geräusche von der Straße. Dann ein Knall. Durch den Vorhang dringt Feuerschein. Das ganze Haus wacht auf. Ein silberfarbener Volvo mit Diplomatenkennzeichen steht in Flammen. 10 Minuten später ist die Feuerwehr da und löscht den Brand routiniert. Unheimlich, wenn man das, was man sonst als Randnotiz in der Stadtzeitung liest, einmal hautnah beobachtet. Die Kiezzündler sind unterwegs. Nach einigen ruhigeren Jahren nehmen Brandanschläge auf Autos in Berlin wieder zu. Neuerdings beschränken sich die Vandalenakte aber nicht mehr bloß auf Benzinkutschen. In Kreuzberg werden schon mal trendy Restaurants mit Anti-Gentrifizierungs-Parolen beschmiert und die Fenster mit Steinen eingeworfen. Die Botschaft ist immer dieselbe: Haut ab aus unserem Kiez, unserer Stadt!

Christiane Rösinger

Christian Lehner

Christiane Rösinger vor dem Haus ihrer Mietwohnung in Berlin-Kreuzberg.

Berlin ist nicht nur die deutschsprachige Metropole der Kunst, Mode und Start-Up-Szene, sondern auch die der Immobilientrends. Immerhin hat der Stadtsenat die AirBnB-isierung der Innenstadtbezirke durch diverse Auflagen zumindest ein bisschen eingedämmt. Ungebrochen hingegen ist in Zeiten der Niedrigzinsen der Trend zur Immobilie als Wertanlage. Und damit wären wir mitten in Kreuzberg in der Wohnung von Christiane Rösinger.

Christiane Rösinger "Lieder ohne Leiden"

Staatsakt

Christiane Rösinger "Lieder ohne Leiden" (Staatsakt)

"Erzähl bitte nicht, dass es hier aussieht wie in einer Studentenwohnung", sagt die Singer/Songwriterin beim Empfang und grinst, weil sie genau weiß, dass ich genau das erzählen werde. Seit 1985 lebt Rösinger zur Miete in der Altbauwohnung ohne Zentralheizung . "Die hat mir die letzten 30 Jahre das Leben als Musikerin ermöglicht. Wenn ich raus muss, werde ich hier (in Kreuzberg, Anm.) nie wieder eine Wohnung finden. Das ist schon ziemlich bedrohlich", sagt Christiane mit schon etwas besorgterer Miene.

Vor wenigen Monaten wurde das Haus in Eigentum umgewandelt. Durch Mietschutz ist Rösinger zwar vor unmittelbarer Kündigung sicher, aber trotzdem muss sie immer wieder Besichtigungstermine akzeptieren: "Da kommen dann so junge Arschlöcher rein, nicht nur der schmierige Immobilienhai aus München, den gibt’s auch noch, sondern Künstler und Kreative. Die gucken sich dann die Wohnung an und überlegen, wo sie was hinstellen können. Die wollen das kaufen mit dem Geld der Eltern. Das ist echt schlimm. Man fühlt sich so machtlos."

Es wäre nicht Christiane Rösinger, hätte sie darüber nicht einen Song geschrieben. Er heißt "Eigentumswohnung" und geht auch mit dem eigenen Stand hart ins Gericht. Regelmäßige LeserInnen ihrer FM4-Kolumne "Aus dem Leben der Lo-Fi-Bohème" wissen, dass Christiane den Gentrifizierungs-Blues hat. Man könnte die 56-jährige ruhig als Grande Dame des hauptstädtischen Künstlerprekariats bezeichnen, aber als solche will sie sich natürlich nicht bezeichnen lassen.

Der Blog ruht sich seit einigen Wochen etwas aus, weil es derzeit ziemlich turbulent zugeht im Leben der vormaligen Sängerin von Britta und den Lassie Singers. Rösinger hat soeben ihr neues Album "Lieder ohne Leiden" veröffentlicht und auch noch ein Buch geschrieben. In "Zukunft machen wir später" erzählt sie von ihren Erfahrungen als Deutschlehrerin für Geflüchtete. Der neue Job brachte etwas Stabilität in das unstete Künstlerleben und das erste Mal überhaupt ein regelmäßiges Einkommen.

Homebase Spezialstunde: Zu Besuch bei Christiane Rösinger

Aber wollen wir an dieser Stelle noch nicht allzuviel verraten. Dieser Text soll ja bloß anfixen, denn am Mittwochabend, 15.3.2017, in der FM4-Homebase wird uns Christiane Rösinger eine Stunde lang etwas erzählen: Etwa über ihr Verhältnis zu Andreas Spechtl von Ja, Panik, der für den Sound der Rösinger-Platten zuständig ist, oder warum das Altern zwar scheiße ist, aber auch nicht so scheiße und warum ihre Arbeit als Deutschlehrerin für Geflüchtete so viel mehr ist als bloß eine geregelte Arbeit.

Christiane Rösinger Berlin
Christiane Rösinger Eigentumswohnung
Die Heiterkeit Pop & Tod
Christiane Rösinger Lob der stumpfen Arbeit
Ja, Panik Futur II
Lassie Singers Es ist so Schade
Christiane Rösinger Joy of Ageing
Christiane Rösinger Lieder ohne Leiden
Christiane Rösinger Das gewölbte Tor

Heute, ab 21 Uhr in der FM4-Homebase und dann sieben Tage lang zum Nachhören im FM4-Player.

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Forum

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  • bolle | vor 188 Tagen, 14 Stunden, 38 Minuten

    Gentrifizierungs-Blues

    Vielleicht stößt dieser Termin auf Interesse: http://gorki.de/de/der-radioeins-und-freitag-salon-jakob-augstein-im-gespraech-andrej-holm

    Holm mag ein guter Kenner und Analyst der Materie sein, eine Antwort darauf weshalb der erste "Immobilienpreissteigerungsboom" unter einer rot-roten-Landesregierung (2006-2011) nahezu ungehindert stattfinden konnte, wird wohl auch er nicht geben (wollen).

    Wünsche Christiane mit ihrer Wohnung viel Glück und freue mich, mal wieder von ihr zu lesen.

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  • motter | vor 189 Tagen, 22 Stunden, 6 Minuten

    Und im Konzert am 11.4. im brut Wien!

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    • seidler | vor 189 Tagen, 21 Stunden, 56 Minuten

      achja stimmt, danke für den hinweis juhu!

    • christianlehner | vor 189 Tagen, 21 Stunden, 18 Minuten

      siehste, in der sendung ist es noch drin. ick vergeslicher.