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Eva Umbauer

Popculture-Fan und FM4 Heartbeat-moderierende Musikjournalistin.

14. 3. 2017 - 17:30

Herzwürmer

James Mercer und sein Bandprojekt The Shins, das ist eine US-Indierock-Erfolgsgeschichte. "Heartworms" heißt das neue Shins-Album. Das Abenteuer geht weiter.

Fünf Jahre nach dem letzten Album "Port Of Morrow" ist James Mercer wieder mit einer neuen Shins-Platte zurück. Er nennt sie "Heartworms". Herzwürmer. Und sie geht insgesamt ein wenig zurück zu den Anfängen des aus New Mexico stammenden und später nach Portland, Oregon gezogenen James Mercer, der irgendwann mit den Shins zum erfolgreichen Indiepopper wurde, zu einer Ikone des Indierock. Songs wie "New Slang", "Phantom Limb" oder "Simple Song" brachten ihm und seiner Band auch kommerziellen Erfolg.

Herzwürmer

Ein Herzwurm ist ein Parasit, ein Fadenwurm, der Hunde und Katzen befällt, zumeist in wärmeren Gebieten. Die Larve lässt sich im Hundeherz nieder, wächst zum Wurm heran und setzt dem Tier zu. Der Herzwurm, auf den sich James Mercer bezieht, ist aber romantischer Natur ist. Verliebtsein, und zwar unglücklich, darum geht es bei diesem 'Herzwurm'. Man ist angesteckt von etwas, von dem man nicht infiziert sein sollte. Mercer selbst ist heute zwar glücklich liiert und seit wenigen Jahren auch Vater, aber für seine Songs muss dieser 'Herzwurm' allemal herhalten, das passt ja auch gut zum sensiblen Songwriter James Mercer.

This Man´s Work

James Mercer mochte immer Pop, im klassischen alten, vor allem 60er Jahre-Stil – die Beach Boys, die Beatles, oder eine andere britische Band, nämlich The Zombies. Von diesen drei Namen sind wohl die Beach Boys heute noch am tiefsten in seinem Herzen verankert. So scheint es jedenfalls, wenn man "Heartworms" hört, mit Songs, die Titel tragen wie "Fantasy Island" oder "Half A Million". Mit dem Song "Dead Alive" hat James Mercer sich noch letztes Jahr unter dem Namen The Shins zurückgemeldet, gefolgt vom heuer erschienenen Stück "Name For You".

"Heartworms" ist das bereits fünfte Album der Shins, die vor sechzehn Jahren ihren ersten Longplayer, "Oh Inverted World", veröffentlichten. Davor gab es schon ein Album, da hieß die Band aber noch Flake Music. Von der Originalbesetzung ist heute längst niemand mehr übrig. James Mercer betreibt die Shins wie eine One-Man-Band, zu der andere MusikerInnen hinzustoßen.

Albumcover US-Band The Shins 2017: bunte Blumen (gezeichnet), Totenkopf, schwarzer Hintergrund

Aural Apothecary/Sony Music

"Heartworms" von The Shins

Auch das Aufnehmen und Produzieren seiner Songs wollte Mercer wieder verstärkt unter seine ganz eigene Kontrolle bringen, nachdem das letzte Album, das vor fünf Jahren erschienene "Port Of Morrow", unter der Ägide des amerikanischen Pop-Producers Greg Kurstin entstanden war. Kurstin arbeitet sonst mit Namen wie Sia, Lilly Allen oder Adele. Diesmal blieb James Mercer in seinem eigenen Studio zuhause in Portland, wo er auch gleich die meisten Instrumente für das neue Album selbst gespielt hat, inklusive Ukulele und Mundharmonika.

Something More Handmade

James Mercer: "I wanted to do something more handmade. And I wanted to get back into the production and engineering side as well as the writing. On this record there are traditional pop themes that I elaborate on. But it´s not all upbeat and cheery".

Nein, "Heartworms" ist in der Tat 'not all upbeat and cheery', etwa im Song "The Fear", einem magischen, fragilen Stück, in dem James Mercer zur subtilen Hochform aufläuft, sich selbst analysierend: "What am I, blind? What took me this long?"

James Mercer veröffentlichte zusammen mit dem US-Musiker/Producer Brian ‚Danger Mouse’ Burton unter dem Namen Broken Bells zwei Alben.

Im erzählerischen "Mildenhall" geht es um konkret Autobiografisches. Erinnerungen daran, wie James Mercer in seiner Jugend als Sohn eines Angehörigen der US-Armee immer wieder umziehen musste. Einmal lebte Familie Mercer am britischen Stützpunkt Mildenhall, den die US-Luftwaffe nutzt. Im nahen Cambridge ging James zu Konzerten, etwa in den legendären Musik-Club The Corn Exchange. Im Song erwähnt er auch The Jesus & Mary Chain, die lärmigen Schotten, deren Musik er damals so mochte und die in Kürze ein lang erwartetes neues Album veröffentlichen. Draußen regnete es - britisches Wetter eben, wie James Mercer im Song sinniert, da war die Musik eine Rettung. Dieses Britisch-New-Wave-ige – Bands wie The Cure oder Talk Talk – , das in neuen Songs wie "Name For You" durchkommt, hat James Mercer ebenfalls von damals.

Einmal Songwriter, immer Songwriter. Ob Country-eske Ballade oder Synthie-Spielereien, James Mercer kann es noch immer. Das Herz von diesem 'alten Hund' schlägt weiter ziemlich fieberhaft. Da sitzt der sprichwörtliche Wurm gewiss nicht drinnen. Im Interview mit der englischen Musikzeitschrift NME sagt James Mercer über "Heartworms": "I´m really excited about this record. I think we´ve got something that Shins fans will really love, and I think there are some other things on there that are different enough."

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