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Rainer Sigl

Spiel, Kultur, Pop im Assoziationsblaster.

24. 2. 2017 - 09:00

Axt, Schwert, Katana

Das Multiplayer-Kampfspiel "For Honor" ist eine gelungene Blutwiese mit kleinen Schönheitsfehlern.

Ubisoft

Ein Wikinger, ein Ritter und ein Samurai gehen in eine Bar - so könnte eigentlich ein Historikerwitz anfangen. Wer die kriegerischen Kulturen Skandinaviens, Europas und Japans kennt, kann sich aber denken, dass die Pointe ziemlich blutig aussehen würde - auch wenn sich die drei niemals tatsächlich begegnet sind.

Im Videospiel “For Honor” treffen diese unterschiedlichen Krieger trotzdem im Nahkampf aufeinander und lassen Äxte, Hellebarden und Katanas sprechen. Ein dumpfes Hauen und Stechen wird daraus aber zum Glück nicht, denn der Kampf ist durchaus taktisch geraten: Geschicktes Wechseln von Angriff und Deckung sowie die Beherrschung von Spezialangriffen und Ausweichmanövern belohnen vorsichtiges Vorgehen. Wer blind drauflos stürmt und nicht auf Deckung und Schwächen seines Gegners achtet, zieht in den Kämpfen gegen echte Menschen oder den Computer schnell den Kürzeren.

Massenschlägerei mit Taktik

“For Honor” ist - trotz einer eher schwachbrüstigen Einzelspielkampagne und der Option, auch gegen Bots zu kämpfen - zuallererst ein Multiplayer-Spiel, in dem man einzeln oder in Teams gegeneinander antritt. Besonders gut kommt das Kampfsystem bei den Duellen mit nur zwei Kämpferinnen oder Kämpfern zur Geltung. In den Spielmodi für insgesamt acht Spieler in größeren Schlachten sind nämlich immer wieder vom Computer gesteuerte Fußsoldaten im Weg. Die werden einem zwar nicht gefährlich, machen den Kampf gegen andere Mitspieler aber oft unübersichtlich - und wenn es dann irgendwann ganz unritterlich zwei oder drei gegen einen Helden geht, ist es auch mit der geschicktesten Taktik nicht weit her. Ironischerweise sind somit die bombastisch inszenierten Massenschlachten eigentlich das uninteressanteste Element von "For Honor".

Zwölf ganz unterschiedliche Kämpfer stehen zur Auswahl, und die spielen sich sehr eigenständig: Als flinker Ninja können wir etwa weitaus weniger einstecken als der turmhohe Wikingerkrieger, sind dafür aber umso akrobatischer. Es braucht durchaus einige Einübungszeit, bis man die Stärken und Schwächen jedes einzelnen Spielcharakters herausgefunden hat. Das sorgt für große Abwechslung im Schwertkampf und macht vor allem das Spielen gegen menschliche Gegner zur sportlichen Herausforderung.

Ubisoft

Free-2-Play-Strategien im Vollpreisspiel

“For Honor” ist für Windows, PS4 und Xbox One erschienen.

Während der Kampf in “For Honor” schnörkellos und absolut gelungen ist, sorgt das Rundherum aber hin und wieder für Kopfschütteln. In einer wirklichen Flut an unübersichtlichen Menüs lassen sich die Spielfiguren aufrüsten und personalisieren - allerdings nur, wenn man sich dafür durch stunden- und tagelanges Spielen genug In-Game-Währung erkämpft hat. Der nötige Grind hat einen Grund: Wer nicht warten will, kann sich für echtes Geld auch alles sofort freischalten lassen - das ist man sonst nur von Free-To-Play-Spielen gewohnt, nicht aber von einem Vollpreistitel. Zumindest sind die so erhältlichen Verhübschungen und Unlocks nur kosmetischer Natur - und in den für eSport eigentlich gut geeigneten Versus-Duellen gleich gänzlich irrelevant.

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Weitere Minuspunkte: Eine ständige Internetverbindung ist Pflicht, auch wenn man nur gegen die KI spielen will - und die P2P-Verbindungen bei den Matches sind hin und wieder etwas wackelig. Abgesehen davon ist diese Blutwiese als Multiplayer-Arena, in der zur Abwechslung einmal nicht mit Feuerwaffen gekämpft wird, sehr gut gelungen. Der Kern von "For Honor", sein Kampfsystem und die abwechslungsreichen Figuren, überzeugen - das Rundherum kann man grummelnd verschmerzen.

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