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Rainer Sigl

Spiel, Kultur, Pop im Assoziationsblaster.

17. 2. 2017 - 10:30

Steampunks unter Wasser

Im Indiespiel "Diluvion" schippern wir unter einer meterhohen Eisdecke durch den Ozean.

Arachnid Games

Das ist endlich einmal eine originelle Postapokalypse: Nach einer großen Katastrophe sind alle Meere zugefroren und die letzten Menschen leben unter Wasser. Die letzte Hoffnung ist die Suche nach der Technologie, die die Menschheit wieder auf die Oberfläche des Planeten zurückbringen soll - das hätte auch dem großen Jules Verne gefallen.

Auch sonst hätte der französische Großvater der Science-Fiction seine Freude am Indie-Spiel "Diluvion", denn das spielt nicht nur wie dessen Roman "20.000 Meilen unter dem Meer" hauptsächlich unter Wasser, sondern ist auch sonst der Welt seiner Romane recht ähnlich. Statt futuristischer Technik gibt es hier Dampfmaschinen, gusseiserne Uboote und eine Gesellschaft irgendwo zwischen Monarchie und Chaos.

Die Welt unter der vereisten Meeresoberfläche ist teils von Fantasy, teils von Science Fiction inspiriert und schaut sich auch vom 19. Jahrhundert einiges ab. Auskenner haben da zu Recht sofort das Schlagwort "Steampunk" im Kopf. Um unser zu Beginn löchriges Uboot für die gefährliche Tauchfahrt zum Boden des Ozeans zu rüsten, besuchen wir das, was von der Zivilisation noch so übrig ist, sammeln eine Crew und tasten uns Mission für Mission in die tiefsten Tiefen vor.

Tauchgang im Gusseisen-Uboot

Die Unterwasserwelt von "Diluvion" ist wunderschön, aber auch gefährlich. Piraten und Meeresungeheuer bedrohen uns ebenso wie allzu schnell zur Neige gehende Vorräte von Sauerstoff oder Nahrung. Die stimmungsvolle Navigation unter Wasser macht den Hauptteil des Spiels aus, doch die humorvolle Geschichte des Abenteuers wird an Bord der vielen Unterwasserstationen erzählt: Im charmanten Cartoon-Look in 2D treffen wir ziemlich schräge Gestalten, die uns von Mission zu Mission schicken.

Die immer tiefer werdenden Tauchgänge machen die große Stärke von "Diluvion" aus; wenn im Dunkel der Tiefsee versunkene Schiffe im Licht der Scheinwerfer auftauchen, kommt Expeditionslaune auf. Das langsame Erforschen dieses Ozeans und seiner Geheimnisse ist dabei weitaus zentraler als der Kampf gegen die Feinde, die uns in ihm auflauern: So verbringen wir viel Zeit damit, den Meeresgrund nach versunkenen Schätzen, aufgelassenen Stationen oder gekenterten Ubooten zu durchsuchen. Etwas später im Spiel können wir sogar unsere eigene Basis anlegen, in der wir Vorräte verstauen, neue Matrosen anheuern oder Reparaturen vornehmen lassen können.

Arachnid Games

Under the sea

Die Tiefsee erfreut sich bei Spielen großer Beliebtheit: Indiespiele wie "Abzû" oder "SOMA", aber natürlich auch Blockbuster wie "Bioshock" sind der Beweis. Es ist ein bisschen schade, dass "Diluvion" sich besonders zu Beginn fast zu lange Zeit nimmt, sein reizvolles Setting voll auszuspielen. Die Orientierung unter Wasser macht anfangs Probleme, und Missionen, in denen wir mühsam Einzelteile einsammeln müssen, sorgen nicht gerade für einen spritzigen Start ins Spiel. Zum Glück haben die Entwickler inzwischen reagiert und zumindest für bessere Navigation gesorgt: Die Seekarte zeigt zwar immer noch - wie beabsichtigt - nur die Umgebung und nicht die Position des eigenen Uboots, aber die goldenen Fische, die das nächste Ziel anzeigen, leiten uns nun deutlich weniger oft in die Irre.

"Diluvion" ist für Windows und Mac erschienen.

Bis sich die atmosphärische Wasserwelt so richtig entfaltet, vergeht also ein bisschen Einspielzeit, aber Dranbleiben zahlt sich aus: Wer etwas Geduld mitbringt, wird mit einem stimmungsvollen Tiefseeabenteuer in einem wirklich einzigartigen Setting belohnt.

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