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Burstup

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7. 2. 2017 - 14:07

Fake News am Safer Internet Day

Soziale Netzwerke zählen neben dem Fernsehen zu den Hauptinformationsquellen junger Menschen. Fake News verunsichern sie, sagt die aktuelle Studie von Saferinternet.at

Diese Woche hat ein syrischer Flüchtling in Deutschland Facebook verklagt, weil seit Jahren mit einem Foto von ihm Falschmeldungen verbreitet werden. 2015 hat Anas Modamani in einem Flüchtlingslager in Berlin ein Selfie mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel geschossen. Dieses Foto wird seitdem immer wieder mit unwahren Erklärungen versehen und geteilt. Zu den Falschmeldungen über Modamani zählt zum Beispiel die Behauptung, er sei einer der Männer, die einen Obdachlosen in Berlin angezündet hätten, oder dass Angela Merkel sich mit einem „Terroristen“ fotografieren ließ.

Anas Modamani mit seinem Anwalt im Amtsgericht Würzburg am 6. Februar 2016

dpa

Anas Modamani mit seinem Anwalt im Amtsgericht Würzburg am 6. Februar 2016

Fake News ist Thema am Safer Internet Day

Ums Thema Fake News geht es dieses Jahr auch beim Safer Internet Day, der bei uns zum vierzehnten Mal und weltweit in über 100 Ländern begangen wird. Ausgerufen wurde der Tag ursprünglich von der Europäischen Kommission, um das Bewusstsein für Onlinegefahren zu stärken. In Österreich gibt es dafür die Plattform Saferinternet.at, der unter anderem die Internet Service Provider Austria (ISPA) und das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) angehören.

Weil also in Sozialen Netzwerken immer öfter Fake-News und Gerüchte gezielt verbreitet werden, um Stimmung für oder gegen bestimmte Gruppen oder Themen zu machen, hat Saferinternet.at dieses Jahr untersucht, woher Teenager Nachrichten und Informationen beziehen und wie sie diese bewerten.

Studie: Junge Menschen sind verunsichert

Junge Menschen sind zunehmend verunsichert, welchen Informationen im Internet sie vertrauen können – so könnte man das Ergebnis der Studie zusammenfassen. 400 Internetuser im Alter von 14 bis 18 Jahren wurden befragt. Untersucht wurden drei Fragestellungen: welche Informationsquellen Jugendliche nutzen, welche Quellen sie für glaubwürdig halten, und wie sie Informationen auf ihre Glaubwürdigkeit überprüfen bzw. bewerten.

Bernhard Jungwirth vom Österreichischen Institut für Angewandte Telekommunikation sagt hinsichtlich der Informationsquellen: „Auf Platz eins sind ex aequo mit 59% die sozialen Netzwerke und das Fernsehen genannt worden sind, gefolgt von Radio (33%), Youtube (27%), Tageszeitungen (25%), Websites klassicher Medien (20%), Gratiszeitungen (12%) und Wikipedia (9%)“. Es sei bemerkenswert, so Jungwirth, dass digitale Medien in Form von sozialen Netzwerken schon gemeinsam mit dem Fernsehen Platz eins einnähmen.

10% halten soziale Netzwerke für glaubwürdig

Im Vergleich zu früheren Studien seien Facebook & Co. aber hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit zurückgefallen: „Nur 10% der Jugendlichen sagen, dass sie soziale Netzwerke als sehr glaubwürdig einschätzen. Sie stehen also vor einem Informationsdilemma, wo sie Quellen, denen sie eigentlich eine geringe Glaubwürdigkeit zuschreiben, sehr häufig nutzen.“

Saferinternet.at

Die Initiative gestaltet Unterrichtsmaterial für Schulen

Wie bewerten junge Menschen Informationen aus dem Internet? 62% der Befragten recherchieren selbst im Internet, wenn sie sich nicht sicher sind, ob eine Information richtig ist. 45% überprüfen, wer die Information veröffentlicht hat. 30% vertrauen auf ihr Bauchgefühl und 19% achten darauf, von wem sie eine Information erhalten haben. Junge Menschen mit höhrer Bildung recherchieren öfter selbst im Internet (71%) als solche mit geringer formaler Bildung (52%).

Oberflächliche Google-Recherche

Die Recherche bleibe in der Praxis aber meist sehr oberflächlich, sagt Bernd Jungwirth. Bei einer Google-Suche würden meistens nur die ersten Treffer berücksichtigt, schon die zweite Seite der Ergebnisse werde laut Studie nicht mehr zu Rate gezogen. Ein Überfliegen der Schlagzeilen in den Suchergebnissen reiche den jungen Internetusern meist aus, um eine Information für ausreichend überprüft zu halten.

„Um zwischen wahr und falsch unterscheiden zu können, benötigt es Informationskompetenz“, sagt Bernd Jungwirth. „Wie funktionieren Suchmaschinen? Was sind wirklich geeignete Suchbegriffe? Welche Interessen sind mit einer Veröffentlichung verknüpft? Wer steckt dahinter, ein Informationsprofi wie z.B. ein Journalist oder ein anonymer Internetuser?“

Tipps zum Beurteilen von Quellen

In dieselbe Kerbe schlägt Maximiliam Schubert von ISPA (Internet Service Providers Austria): „Das Erkennen, Beurteilen und Bewerten muss flächendeckend als eine der zentralen Kulturtechniken unserer Zeit gefördert werden.“ Das sei wichtig für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft.

Die Plattform Saferinternet.at unterstützt deshalb unter anderem Schulen mit Unterrichtsmaterial, Workshops und Trainings. Darin gibt es auch ganz konkrete Tipps zum Beurteilen von Quellen: Nachrichten kann man z.B. mit Fake-Datenbanken wie hoaxmap.org und hoaxsearch.com überprüfen. Ob ein Bild manipuliert ist oder nicht, lässt sich mit Reverse Image Search, also umgekehrter Bildersuche, überprüfen, z.B. auf images.google.com oder tineye.com. Der Youtube Data Viewer von Amnesty International hilft beim Überprüfen, wann ein Video das erste mal hochgeladen wurde.

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