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Rainer Sigl

Spiel, Kultur, Pop im Assoziationsblaster.

2. 2. 2017 - 18:35

Haus der 1000 Leichen

Mit "Resident Evil 7: Biohazard" kehrt die Serie klassisch und zugleich hochmodern zum Survival Horror zurück.

Wer Horrorfilme kennt, weiß, was passiert, wenn man im ländlichen Amerika von den Hauptstraßen abkommt. Mörderische Rednecks, unheimliche Psychopathen oder okkulte Umtriebe mitten im Nirgendwo gibt es in unzähligen trashigen Filmen. Das soeben erschienene Horrorspiel "Resident Evil 7: Biohazard" bedient sich mit beiden Händen an diesem Fundus und schafft es dabei trotzdem, originell zu sein - und außerordentlich furchteinflößend noch dazu.

Gerade in den letzten Jahren war es in der "Resident Evil"-Reihe mit dem klassischen Survival-Horror, als einer dessen prominenter Urahnen das originale "Resident Evil" aus dem Jahr 1996 gilt, nicht mehr so weit her: Wie die dazugehörige Filmreihe hatte sich die Serie zum Teil zum postapokalyptischen Science-Fiction-Actionkracher gewandelt. Teil sieben schließt inhaltlich nicht an die anderen Teile an und geht wieder einen Schritt zurück: Statt schwerbewaffnet gegen Mutantenmonster zu kämpfen, wird es hier im wahrsten Wortsinn häuslich, um nicht zu sagen: familiär.

Eine schrecklich nette Familie

Auf der Suche nach seiner verschwundenen Ehefrau gerät unser Held an eine psychopathische Familie und damit in einen wahren Albtraum. Der einzige Schauplatz ist dabei ein weitläufiges, verfallenes Bauernhaus im Süden der USA. Setting und Bewohner erinnern dabei nicht zufällig an klassische und moderne Horrorfilmklassiker. Formal, inhaltlich und bis in einzelne Szenen nimmt sich das Spiel Anleihen an so vielen alten und neuen Schockern, dass man mit dem Namedropping kaum nachkommt: Von "Night of the Living Dead" und "The Texas Chainsaw Massacre" über "Evil Dead" bis hin zu "Blair Witch Project", Rob Zombies "House of a 1000 Corpses" und gar "True Detective" reicht der Zitatenreigen, der dem Genrefan so manchen Aha-Moment beschert.

Besonders in den ersten Stunden ist "Resident Evil 7" somit sowohl ein Zitatefest als auch ein blutiges Kammerspiel, in dem wir meist auf der Flucht sind und eine böse Überraschung nach der anderen erleben. Dass trotz aller anfänglichen Anleihen am Slasher-Film und seinem ganz banalen Bösen wenig später doch noch unappetitliche Mutanten und auch übernatürliche Mächte eine Rolle spielen, ist für "Resident Evil"-Kenner keine Überraschung - ebensowenig wie der zum Teil rabenschwarze Humor, der dem Splatter viel von seiner Bitterkeit nimmt.

Capcom

Intim und furchteinflößend

Zum allerersten Mal in der Serie sehen wir die Welt aus der Ich-Perspektive und müssen Blut und Beuschel sowie überfallsartige Schreckmomente ganz schön nah an uns heranlassen. Diese Nähe zeigt sich nicht nur spielmechanisch durch die First-Person-Kamera, die mit Virtual-Reality-Option auf Playstation VR beeindruckend beklemmend wird, sondern auch, wie erwähnt, in der Intimität des Schauplatzes und seiner wenigen, aber umso einprägsameren Familienmitglieder, die eines nach dem anderen wiederholt und gegen erheblichen Widerstand überwunden werden müssen.

Spielerisch erinnert "Resident Evil 7" darin übrigens an die erfolgreichen Schocker aus der Indie-Games-Ecke: Wie in "Amnesia" oder "Slender" müssen wir uns vor den herumschleichenden Horrorgestalten der Familie verstecken, uns verteidigen und - ganz klassisch - Gegenstände für Puzzles finden und kombinieren.

Modern und doch klassisch

"Resident Evil 7: Biohazard" ist für Windows, PS4 und Xbox One erschienen. Derzeit wird hinsichtlich Virtual Reality nur Sonys PSVR unterstützt.

Die besonders im Mittelteil des Spiels einkehrende "Normalisierung" - sprich: es tauchen auch generische Gegner auf, denen im direkten Kampf zu Leibe gerückt wird - freut mit Gewissheit Serienfans und sorgt auch für eine gewisse Länge. Etwas mehr mutige Reduktion auf die einprägsameren Momente, mit denen "Resident Evil 7" abseits von seinem Standardprogramm glänzt, hätte man sich als Innovationsfreund aber gewünscht.

Dank seines langsamen Tempos, seines schlau verwinkelten klaustrophischen Schauplatzes und durchwegs hohen Spannungsniveaus ist "Resident Evil 7" ein angenehm klassisches und zugleich aufregend modernisiertes Survival-Horror-Spiel und damit auf jeden Fall ein Pflichtspiel für Horrorfreunde. Es legt zugleich die Latte für die hoffentlich irgendwann einmal folgenden weiteren Genre-Legenden, vor allem - man wird ja noch träumen dürfen - ein neues "Silent Hill", ein Stückchen höher.

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