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Daniela Derntl

Diggin' Diversity

18. 1. 2017 - 18:44

Wenn du kaust, dann knallt's!

Ankathie Koi spielt live am FM4 Geburtstagsfest. Vorab haben wir sie in ihrer Wohnung besucht. Umzingelt von Synthesizern, Lampen und einer Orgel erzählt sie von ihrer Kau-Geräuschintoleranz und der Liebe zu Ohrwürmern.

Erdbeer-Limes und brandneue, unveröffentlichte Songs serviert Ankathie Koi bei meinem Besuch gestern Abend. Sie wohnt in einer gemütlichen Einzimmer-Wohnung im sechsten Wiener Gemeindebezirk, die ihr auch als Studio dient. Neben schönen, alten Möbeln, zahlreichen Lampen stehen drei Synthesizer, eine Gitarre und, ganz wichtig, eine alte Orgel in ihrem Zimmer:

Ankathie Koi spielt auf ihrem Piano

Daniela Derntl / FM4

Paaarty!

Das FM4 Geburtstagsfest am 21. Jänner 2017 mit Camo & Krooked, Mighty Oaks, Gerard, Gudrun von Laxenburg, Kommando Elefant, View, Schnipo Schranke, Ankathie Koi und vielen mehr.

Wir gehen nie nach Hause
FM4 feierte in der Ottakringer Brauerei Geburtstag, jede Menge Leute feierten mit (Christoph Sepin).

FAQ
Was es sonst noch zum FM4 Geburtstagsfest zu wissen gibt.

"Das Gute an der Orgel ist, dass man eigentlich ganz rudimentär einen kompletten Song aufnehmen kann. Ich kann da gleichzeitig die Akkorde und die Basstöne spielen. Das ist sehr praktisch."

Keyboardtasten

Daniela Derntl / FM4

Die Orgel war auch schon für Fijuka im Einsatz und wurde von Ankathie Koi und Judith Filimónova sogar mit ins Aufnahmestudio geschleppt. Ein schwerwiegender Einsatz, der von den Taxifahrern überhaupt nicht goutiert wurde.

Schon sehr früh wurde Ankathie Koi bei Schulaufführungen "auf die Bühne gepackt", wie sie es nennt – und bald war klar, dass es immensen Spaß macht, im Rampenlicht zu stehen – und auch, dass sie offensichtlich eine sehr gute und talentierte Stimme hat: "Ich wollte gar nicht mehr runter von der Bühne und ich war auch gar nicht nervös. Und man checkt dann auch bald als Kind, dass sich die Leute freuen, wenn man auf der Bühne steht und dass man das irgendwie gut macht und dass das so passt."

Laptop und Piano

Daniela Derntl / FM4

Ankathie Koi hat eine klassische Gesangsausbildung und beherrscht "ihr Werkzeug". Ihre Stimme umfasst drei Oktaven, was man allerdings ihrer doch sehr tiefen Sprechstimme nicht anhört:

"Ich hab als Kind schon sehr tief gesprochen, aber als Mädchen hab ich sehr hoch, also Sopran, gesungen. Mit 16, 17 hab ich mich nach der klassischen Ausbildung für Jazzgesang entschieden. Ich wollte nichts Klassisches mehr machen, weil ich Angst hatte, dass es nicht passen wird. In der Klassik kann man sehr schnell Fehler machen, wenn man es nicht genau so singt oder spielt, wie es notiert ist – und dann ist es falsch. Das hat mir nicht gefallen. Im Jazz ist das nicht so. Da hast du natürlich auch Vorgaben, aber du hast viel mehr Freiheiten. Da ist dann auch die Stimme viel tiefer geworden. Ich hab in dem Alter dann auch angefangen zu rauchen, bin viel ausgegangen und hab mein Leben genossen. Deswegen ist die Tiefe dazugekommen und hat sich mit der Höhe vermischt. Die Farbpalette ist ganz groß, aus der ich auswählen kann."

Ankathie Koi vor Piano

Daniela Derntl / FM4

Während ihre Stimme perfekt ausgebildet ist, hat sie sich die restlichen Instrumente autodidaktisch beigebracht. Ankathie Koi spielt nach Gehör, notiert wird nichts – und genauso macht es auch ihr großes Vorbild: "Joni Mitchell hab ich immer viel gehört, die hat sich auch extrem viel selbst beigebracht und ist in vielen Dingen Autodidaktin. Sie ist auch immer nach Klängen und Klangästhetik gegangen. Musikalisch bin ich zwar nicht so in der Folk-Music beheimatet, aber als Frau in der Musik und musikalisches Vorbild hat sie immer sehr gut funktioniert für mich und für andere Künstler, von denen man es vielleicht nicht annimmt, übrigens auch. Von Prince über David Bowie bis hin zu Madonna. Extrem viele Leute nennen sie als musikalisches Vorbild."

"I Hate The Way You Chew"

Im April erscheint Ankathie Kois Debüt-Album „I Hate The Way You Chew“ und der eigentümliche Titel ist auf ihre Misophonie, also auf eine Geräuschintoleranz, zurückzuführen:

"Ich habe ein großes Problem mit kauenden und eklig-essenden Menschen um mich herum. Seit Kindheit an, ich kenne das nicht anders. Ich muss mich wegdrehen. Es gibt Tage, wenn ich übermüdet bin oder verkatert, und mein armer Freund sitzt mir gegenüber und isst, dann sitz ich oft mit Ohropax am Tisch, weil sonst muss ich ihm leider eine reinhauen. Eine mühsame Sache ist das und auch ein bisschen eine Luxuskrankheit. Aber ich leiste mir eine Misophonie, sagen wir es so." (Schallendes Gelächter)

Stoffpuppe Bert in gerahmtem Bild

Daniela Derntl / FM4

Topfpflanzen mit Glitzerfedern

Daniela Derntl / FM4

Das neue Album ist viel elektronischer und tanzbarer als die "Sticky Fins"-EP. Die Demo-Versionen sind mit Co-Produzent Powernerd Paddy entstanden, der ihnen zusammen mit Patrick Pulsinger den letzten Feinschliff verpasst hat. Dabei gehen manche Songs auch schon ins "mantrahafte", wie Ankathie Koi erklärt:

"Manche Songs haben nur drei Akkorde und das geht immer weiter und verändert sich nicht. Aber es gibt ganz viele Stimmen, die sich darum herum bauen. Aber im Endeffekt bedient das dann nicht die klassische Songstruktur und das waren so ein paar Experimente, wo wir nicht gewusst haben, gehen die auf? Werden es trotzdem Ohrwürmer? Weil ich liebe Ohrwürmer. Ich mag das, wenn die Leute schnell mitsingen können und der Song eher leicht verständlich ist, ohne banal zu sein oder ohne zu einfach zu sein. Das waren Experimente, die Paddy und mir da ganz gut gelungen sind."

Ankathie Koi spielt Piano

Daniela Derntl / FM4

Live am FM4 Geburtstagsfest

Von diesen Experimenten kann man sich am Samstag, 21. Jänner, beim FM4 Geburtstagsfest in der Wiener Ottakringer Brauerei überzeugen, wo Ankathie Koi gemeinsam mit einem Drummer und Powernerd Paddy das neue Album live präsentieren wird. Los geht’s um 21.40 im Keller – und wir freuen uns schon sehr darauf!

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