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Todor Ovtcharov

Der Low-Life Experte

18. 1. 2017 - 11:27

"A little less conversation..."

Das Lied von Elvis wird in Wels gespielt und Bundeskanzler Kern kommt auf die Bühne.

Mit Akzent

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Ohne Zweifel ist Kern charismatischer als sein Vorgänger, der unpopuläre Apparatschik Faymann. „A little more bite and a little less bark”, singt Elvis, und Kern spricht von Vollbeschäftigung und 1.500 Euro Mindestlohn, ganz egal, in welcher Branche man tätig ist. „A little less fight and a little more spark”, singt Elvis und Kern meint, dass an der hohen Arbeitslosigkeit Arbeiter aus ärmeren EU-Ländern wie Rumänien, Ungarn und Bulgarien mitschuldig sind.

„Close your mouth and open up your heart”, singt Elvis und Kern schlägt vor, dass das AMS zuerst einen Österreicher für eine offene Stelle suchen muss, bevor ein Osteuropäer angestellt wird. „Baby, close your eyes and listen to the music”, singt Elvis und Kern hofft, dass seine populistische Rede der Sozialdemokratie verlorenen Glanz zurückgeben wird. „Satisfy me, baby”, sagt Elvis und Kern spielt die populistische Gitarre, die bis vor Kurzem anderen Parteien vorbehalten blieb. „It's a groovy night and I can show you how to use it”, singt Elvis und Kern spricht über den Arbeitsmarkt. Jeder, der Österreich kennt, weiß, dass die Menschen aus Osteuropa bereits da sind. Restriktive Maßnahmen stärken nur den Pfusch und die Kriminalität.

Bundeskanzler Kern bei seiner Rede in Wels

ORF

Bundeskanzler Kern bei seiner Rede in Wels.

“Come along with me and put your mind at ease”, singt Elvis. Frau Maria kennt Herrn Kern nicht, aber sie hört seine Rede im Fernsehen. Sie ist früher Lehrerin im bulgarischen Städchen Kjustendil gewesen, hat dort Deutsch unterrichtet. Doch ihr Gehalt hat nicht ausgereicht, um ihren Sohn beim Studieren zu unterstützen. Deshalb ist Frau Maria nach Österreich gekommen. Sie pflegt den alten Herrn F. in einem steirischen Dorf.

“Come along with me and put your mind at ease”, singt Elvis. Frau Maria kann Deutsch und Englisch, kennt aber niemanden im Dorf. Die Menschen dort sprechen sowieso kaum miteinander. Sie fahren nur in ihren Geländewagen herum. Frau Maria arbeitet 24 Stunden am Tag. Sie bringt den dementen Herrn F. auf die Toilette. Sie duscht ihn, sie füttert ihn, sie kauft ein. Seine Familie hat ihn in ihre Hände gegeben. Da sie niemanden hat, mit dem sie sich unterhalten kann, spricht sie mit Herrn F. Er schaut sie mit leerem Blick an und ist mit allem einverstanden. Frau Maria erzählt ihm von ihren Jugendträumen, ihrer Geburtsstadt, ihrem Sohn. Herr F. folgt ihr mit den Augen, als würde er sie verstehen. Frau Maria muss selbst ihre Versicherung und Steuer bezahlen, Krankenpflegerinnen in Österreich sind scheinselbstständig. Frau Maria erzählt Herrn F. über Kerns Rede und fragt ihn, ob er mit dem Bundeskanzler einverstanden sei.

„Close your mouth and open up your heart and, baby, satisfy me”, singt Elvis. Herr F lächelt ruhig. Frau Maria pflegt ihn wie ein kleines Kind. Wie ihr eigenes Kind. Nur wird Herr F. nicht mehr erwachsen. Des Lied geht zu Ende. Frau Maria fällt ein, dass schon einmal ein Politiker dieses Lied verwendet hat: George W. Bush in seiner Wahlkampagne. Und seine Popularität ist schnell abgestürzt. „Satisfy me, baby, come on…”

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