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Christoph Sepin

Pixel, Post-Punk, Psychedelia und sonstige Ableger der Popkultur

11. 1. 2017 - 18:56

Anger is an Energy

Alles was passiert, alles was nicht passiert: Trent Reznor veröffentlicht neue Nine Inch Nails-Musik.

Es ist ganz schön still geworden um die Nine Inch Nails seit der Veröffentlichung des letzten Albums im Jahr 2013. Trent Reznor, der sein großes Projekt gerne mal auf Eis legt und auf Abschiedstourneen geht, war aber ganz schön fleißig in der Pause, die er sich von NIN genommen hat: Mit seinem musikalischen Partner und Co-Academy-Awards-Gewinner Atticus Ross hat er Filmsoundtracks komponiert, für "Gone Girl" von David Fincher und zuletzt für die Doku "Before the Flood".

Mit "Not the Actual Events" hat das Warten für Nine Inch Nails-Fans jetzt aber ein Ende. Zwar ist es kein neues Album, was Reznor hier veröffentlicht, sondern "nur" eine EP mit fünf Tracks drauf, trotzdem ist der Release aus gleich mehreren Gründen ein besonders schönes Ereignis für Nine Inch Nerds. Nicht zuletzt weil der kompromisslose Zugang zum eigenen Schaffen eine Rückkehr zur Topform für Reznor bedeutet.

Nine Inch Nails

Nine Inch Nails

Came Back Haunted

Es gibt eine alte Weisheit für Veröffentlichungen von den Nine Inch Nails: Wenn die neuen Lieder der Band erst nach mehrmaligem Anhören so richtig Sinn machen, dann sind das Nine Inch Nails-Tracks für die Ewigkeit. Die Dissonanzen müssen erst mal sortiert und die noisige Verzerrung von den elektronischen Hochfrequenzen getrennt werden. Und wenn das alles passiert ist, dann ist es Zeit für Trent Reznors einzigartige Stimme ins Lied zu platzen. Wie am Opener von "Not the Actual Events", der Nummer "Branches/Bones" auf der sich Reznor gewohnt selbstreferenziell gibt: "Das fühlt sich an, als wäre ich schon mal hier gewesen".

"Feels like I've been here before
Yeah, I don't know anymore
And I don't care anymore
I think I recognise"

Nine Inch Nails

Nine Inch Nails

The Line Begins to Blur

"Not the Actual Events" ist nicht nur nach Jahren der Nine Inch Nails-Abstinenz eine Überraschung: Trent Reznor, der mit seinem Komponistenkollegen Atticus Ross ein neues permanentes Mitglied in sein Projekt gebracht und auch Dave Grohl als Gast eingeladen hat, gibt sich mutiger und experimenteller als noch auf den letzten paar Veröffentlichungen. Und da wird auch nicht vor dem Aufsuchen der eigenen musikalischen Vergangenheit zurückgeschreckt. Von Abstechern in elektronische Gefilde bis zum Wiederentdecken der richtig harten Momente der Nine Inch Nails-Geschichte. Auf der Noise-Hymne "Burning Bright (Field on Fire)" gibt sich Reznor wütend und brutal wie in jungen Jahren, wenn es seine Stimme trotz purer Energie kaum aus dem Sumpf der Verzerrung herausschafft.

I'm going back
Of course I am
As if I ever had a choice
Back to what I always knew I was
On the inside
Back to what I really am

All That Could Have Been

Das ist eine unfreundliche EP, ungemütlich und kalt. Die sich um Politik dreht und um persönliche Frustration mit der Lethargie des Alltags, um einsame Momente in der Dunkelheit, wenn die Welt um einen schläft. Um Dinge, die passiert sind, die nicht passiert sind und die passieren hätten können. Ein Release, der definiert was Nine Inch Nails sind, auch heute noch, nach all den Jahren Bandgeschichte.

Not the Actual Events EP Cover

Nine Inch Nails

"Not the Actual Events" von Nine Inch Nails ist auf The Null Corporation erschienen.

Es kauft eh niemand mehr Musik, deswegen kann man eh einfach machen was man will, so Reznor. Man muss sich nirgends mehr anbiedern, versuchen Trends zu entsprechen und neue Märkte zu erschließen. "Not the Actual Events" ist was es ist, ein Nine Inch Nails-Release der trotz der Referenzen in die Vergangenheit eine der frischesten Veröffentlichungen der Band seit dem vor 17 Jahren erschienenen "The Fragile" ist.

2017 hat Reznor Großes für Nine Inch Nails geplant: Gleich zwei Veröffentlichungen soll es von der Band geben, das erste Konzert ist für den Juli in New York auch schon angekündigt. In politisch turbulenten Zeiten hat die Musikwelt damit wieder einen Protagonisten zurück, der dafür bekannt ist, sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Hier wird gehofft, zumindest einer der Releases wird der langerwartete Nachfolger zu Reznors detaillierter Sci-Fi-Sozialkritik "Year Zero" aus dem Jahr 2007.

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