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Christoph Kobza

Man of simple pleasures: festivals, frinks & feuilleton.

10. 1. 2017 - 15:36

Endlich rauchfrei… NOT!

Von der ersten bis zur letzten Tschick - ein Weg, den man als Raucher_in mit gemischten Gefühlen betrachtet. So ist es zumindest bei mir.

FM4 Auf Laut

Abschied von der letzten Tschick
Am Dienstag, den 10. Jänner ab 21 Uhr und im Anschluss auch für 7 Tage im FM4 Player.

Das erste Mal vergisst man nicht. Ich war zwölf und traf mich mit einem Klassenkamerad und Nachbarn im Wald hinterm Haus, wo wir Zigaretten pufften, die er zuvor seiner Mutter aus der Tasche geklaut hatte. Rote Marlboro; nicht gerade ideal für den Einstieg. Aber nachdem Husten und Schwindel nachgelassen hatten, fühlte ich mich nicht nur rebellisch, sondern auch hellwach und gut gelaunt. Letztere Gemütslage war es auch, die mich immer wieder puffen ließ, bis mir nach kurzer Zeit erklärt wurde, wie Lungenzüge gehen. "Nimm einen Zug und dann tu so, als würdest du dich erschrecken. Sag einfach: 'Ha, die Mama kommt!'" Ab dem Zeitpunkt war es um mich geschehen.

Auf Laut

    Duo infernale

    Bis zur Matura war ich Gelegenheitsraucher. Dann kam der Zivildienst und mit ihm die Langeweile. Zu ungeduldig für Sudoku, zu alt für Sammelkarten und zu verantwortungsbewusst für andere Drogen im Dienst, wurde die Tschick meine liebste Nebenbeschäftigung. Rauchpausen waren die Fixpunkte im Hamsterrad und die Raucher_innen-Runden soziokulturelle Höhepunkte. Ein Packerl am Tag war da schon drin.

    Christoph Kobza

    © Dennis Bora | warda.at

    Tschick und Spritzer: match made in heaven! Was soll ich mit der freien Hand denn machen, wenn ich Nichtraucher bin?

    So gings dann auch während des Studiums weiter. Mein Konsum unter der Woche war durchschnittlich; am Wochenende fraß ich dann ein Päckchen nach dem anderen. Stichwort "cross tolerance". Weil wenn man der Wissenschaft glauben darf, löst Alkohol bei Raucher_innen ein Verlangen nach Tabak aus und umgekehrt. Ich habe keine empirischen Studien gemacht, aber ein Spritzer ohne Tschick fühlt sich zumindest für mich falsch an. Bewiesen ist jedoch, dass Alkohol schläfrig macht und Nikotin aufputscht. Mit Tschick hab ich mich jahrelang durch diverse durchzechte Nächte gerettet.

    Der soziale Aspekt beim Rauchen ist auch nicht zu unterschätzen. Als Vorwand, um sich Feuer von gutaussehenden Menschen im Club zu schnorren oder um mit Auserwählten mal kurz eine "rauchen" zu gehen - dafür war ich immer gern Raucher und bin es noch immer.

    fm4

    Wartezeit = Tschickpause. Hier bei der FM4 Bühne am Donauinselfest 2012

    Panta rhei

    Traurig aber wahr, auch ich bin keine Anfang 20 mehr. Seit längerem schon bereue ich am nächsten Tag, dass ich am Vorabend geraucht habe. Kopfweh und Halsschmerzen, als hätt ich einen Kindergeburtstag betreut, gepaart mit stinkender/n Kleidung/Haaren und einer Zunge, die man als Schleifpapier verwenden kann. Abgesehen davon fangen meine Fingernägel schon langsam an, meiner Umwelt anzuzeigen, dass ich nicht erst seit gestern rauche. Jedes Mal wenn ich länger im Urlaub bin - oder in einem Land, das kein Paradies für Raucher_innen ist, da man weder im Lokal rauchen darf bzw. das Packerl mehr als sechs Euro kostet - stelle ich auch mit Entsetzen fest, wie mein Hautbild aussehen könnte, würde ich auf die Sargnägel verzichten. Dann merk ich aber, dass mein Körperumfang von den kleinen Scheißerchen in Zaum gehalten wird, und schon zieh ich an der nächsten Tschick.

    Kobza

    #liquiddinner #endlichrauchfrei - sofern man Instagram glauben mag...

    Yes but no but yes but no but… It´s a bitch!

    Ich plane schon seit längerem, dem Team Nichtraucher_innen beizutreten. Wegen der Gesundheit warads. Die Kostenersparnis würde mir einen Urlaub finanzieren und ich würde mit 60 nicht aussehen wie Tutanchamun. Aus diesem Grund habe ich bereits begonnen, meine Zigarettendosis zu reduzieren. Waren wir mal bei 8mg/0,8mg Teer/Nikotin, bin ich mittlerweile bei der Hälfte angelangt ohne Entzugserscheinungen. Der Plan: Am Ende nur mehr Waldluft inhalieren, um dann von einem auf den anderen Tag ganz aufzuhören. Ein sanfter Tschickxit sozusagen.

    Ich halte nichts von Hypnose, Pflastern oder Überdosis, um mir das Rauchen abzugewöhnen. Ich habe selbst angefangen damit, also werde ich es auch selbst beenden. Aber ob ich das tatsächlich will, ist die Frage. Es gibt einfach Momente, in denen eine Zigarette einfach die Kresse am Beef Tartare ist. Nach einer Runde schwimmen im See, zu einem guten Glas Wein oder nach´m Feiertagsvöllern, um nur einige zu nennen.

    Da ich mein Suchtpotential jedoch kenne, weiß ich, Gelegenheitsraucher my ass. Ganz oder gar nicht. Aber…

    FM4 Auf Laut: Abschied von der letzten Tschick

    Sind Raucher_innen eine aussterbende Spezies? Ist ein Rauchverbot für Jugendliche unter 18 sinnvoll?

    Wie funktionieren Hypnose, Raucherpflaster und Co wirklich oder geht es ganz einfach mit dem Entschluss, keine Zigarette mehr rauchen zu wollen? Was sind die Gründe abseits der Gesundheit, mit dem Rauchen aufzuhören und was füllt die Zeit der Zigarettenpause?

    Darüber diskutiert Elisabeth Scharang am Dienstag, den 10. Jänner ab 21 Uhr in FM4 Auf Laut mit Sabine Beck, die sich vor der Sendung einer Hypnose-Session unterzieht, Joey, der Biotabak mit Biofilter raucht und hofft, dass durch den neuen Bundespräsidenten die Spezies der Raucher_innen geschützt wird, und Christoph Kobza macht einen Anlauf, mit dem Rauchen aufzuhören.

    Anrufen und Mitdiskutieren kannst du unter 0800 226 996.

    FM4 Auf Laut gibt es im Anschluss auch für 7 Tage im FM4 Player.

    Haftungsausschluss

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