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Elisabeth Scharang

Geschichten über besondere Menschen und Gedankenschrott, der für Freunde bestimmt ist.

6. 1. 2017 - 10:27

Sprache als Waffe für die Veränderung der Welt

Im letzten FM4 Doppelzimmer aus der Serie für diese Weihnachtsfeiertage habe ich die Brasilianerin Rubia Salgado eingeladen, die einen aufregenden Lebensweg und speziellen Blick auf die Situation von Migrantinnen in Österreich hat.

FM4 Player

Das FM4 Doppelzimmer mit Rubia Salgado: am 6. Jänner von 13 bis 15 Uhr on air und für 7 Tage im FM4 Player

Wie sieht man die Linzer Stadtwerkstatt, das Donauufer, die VOEST-Werke, wenn man in Rio de Janeiro aufgewachsen ist? Linz in den 80er Jahren war wohl nicht das, was man „multikulturell“ nennt. Ich versuche mir vorzustellen, wie eine junge Südamerikanerin dennoch den Beschluss fasst, hier ihre Zelte aufzuschlagen.

FM4 Doppelzimmer Rubia Salgado Langversion

„Alles Zufall. Es hätte mich auch nach Japan verschlagen können. Ich wollte einfach weg von zu Hause, von einer Familie, die homophob war - heute zeigen sie es mir gegenüber zumindest nicht mehr offen - und weg aus einem Land, in dem es damals eine Diktatur gab.“ In Linz hat Rubia Salgado eine Frau gekannt, die ihr helfen wollte, Fuß zu fassen. Daraus ist nichts geworden, aber sie hat andere gefunden, mit denen sie sich zusammengetan und einen Verein gegründet hat: MAIZ.

MAIZ heißt Mais, ist ein Grundnahrungsmittel und der Name eines autonomen Zentrums in Linz für Migrantinnen und für Sexarbeiterinnen. 1994 hat Rubia mit zwei anderen Frauen den Verein gegründet, um der Sprachlosigkeit entgegen zu wirken, in der die meisten Migrantinnen damals in Österreich gelebt haben. Es ist über und für sie gesprochen worden, aber nie konnten sie selbst das Wort ergreifen. „Also haben wir Deutschkurse für Frauen angeboten. Schließlich sind zu den Kursen auch die Sexarbeiterinnen gekommen und das gab zu Beginn Konflikte, weil die anderen Frauen damit ihre Probleme hatten. Aber wir haben klar gemacht, dass MAIZ ein offener Raum für alle ist. Das Prinzip der Selbstverwaltung und der Autonomie halten wir bis heute hoch.“

Clemens Fantur

Rubia verbindet zwei Dinge bei MAIZ, die ihr Leben von jeher begleitet haben: die Liebe zur Sprache, ob ihre eigene oder eine fremde, und der Drang, die Welt mit Fragen zu konfrontieren. „Als ich ein Kind war, saß ich viele Stunden vor und hinter dem Fernseher, weil mir niemand erklären konnte, wie diese Menschen da rein kommen“, lacht Rubia.

In unserem Gespräch erzählt die gebürtige Brasilianerin über ihre Liebe zu Fischen und wie der Umgang mit einer neuen Sprache das eigene Wesen verändert und warum sie Tabuthemen aus ihrer Vergangenheit besser in Deutsch als auf Portugiesisch besprechen kann.

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