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Todor Ovtcharov

Der Low-Life Experte

21. 12. 2016 - 14:36

Fußballgott

In der Vergangenheit war Gott mal ein Bulgare. Zumindest im Fußballuniversum. Zum Glück ist das heute nicht mehr so.

Mit Akzent

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Vor vielen, vielen Jahren erzielte die bulgarische Fußballnationalmannschaft ein Tor. Es war ein wichtiges Tor, die Mannschaft qualifizierte sich für eine WM. Der Kommentator schrie aus den Tiefen seiner Seele: „Jaaaa! Gott ist ein Bulgare!“. Ich erinnere mich oft an diesen Schrei und denke mir, ob die Bulgaren immer noch denken, dass Gott ein allmächtiger Fußballdemiurg sei. Da die bulgarische Fußballnationalmannschaft seit Langem keine Erfolge erzielen konnte, kann man sagen, dass Gott die Bulgaren vergessen habe. Umso besser. Denn nachdem die bulgarischen Fußballer 1994 das WM-Halbfinale erreicht haben, sanken die Gehälter in Bulgarien auf 5 Dollar monatlich.

Bulgarische Fußballnationalmannschaft aufgereiht

Wikimedia Commons / CC-BY-2.0 by Biso

CC BY 2.0 Die bulgarische Fußballnationalmannschaft 2010

Wenn Völker zu glauben beginnen, dass Gott über Fußballerfolge bestimmt, folgt meistens nur Unheil. Das ganze griechische Unglück begann erst nachdem das Land 2004 Fußballeuropameister geworden ist. Ich will den Glauben der Griechen an einen Fußballgott nicht erschüttern, aber es wäre vielleicht besser, wenn sie zu Zeus zurückkehren. Er mag mit Blitzen herumwerfen, ist aber wenigstens kein Mitglied der FIFA.

Wenn man die FIFA erwähnt, muss man auch über Russland reden, das 2018 das nächste WM-Gastgeberland sein wird. Es ist immer noch unklar, ob diese WM tatsächlich in Russland stattfinden wird. Das letzte sportliche Großereignis in Russland, die Olympischen Winterspiele in Sotschi, wurden als ein riesiges Korruptionsloch gesehen. Bei der Eröffnung leuchteten nur vier der fünf olympischen Kreise. Böse Zungen meinen, das Geld für den fünften Kreis wurde gestohlen.

Weihnachten kommt bald und wir müssen uns positiv einstellen, liebe Hörerinnen und Hörer. Gott ist weder Bulgare, noch Grieche oder Russe. Und sitzt hoffentlich nicht im FIFA-Vorstand. Es bleibt uns nur, die Leute um uns herum zu umarmen. Sogar, wenn sie Fußballfans sind. Sie mögen vielleicht nach Bier riechen, aber wir werden es überleben. Es ist Weihnachten, wir sollen uns lieben, egal zu welcher Mannschaft wir gehören.

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  • pezibaer75 | vor 303 Tagen, 10 Stunden, 43 Minuten

    "Es ist immer noch unklar, ob diese WM tatsächlich in Russland stattfinden wird."
    wer sagt das?

    Auf dieses Posting antworten