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Rainer Sigl

Spiel, Kultur, Pop im Assoziationsblaster.

5. 1. 2017 - 09:00

Ninja-Kommando für Taktiker

"Shadow Tactics: Blades of the Shogun" lässt das Genre der Echtzeittaktikspiele wieder aufleben.

Mimimi Productions/Daedalic

So ist das eben im Pop: Manches tolle Genre feiert große Erfolge, wird von Millionen geliebt - und doch vergessen. Bis es dann irgendwann wieder aus der Versenkung auftaucht und man sich wundert, wie frisch das Ganze eigentlich noch ist. Vor ungefähr zehn Jahren freuten sich Taktikfreunde über Spiele wie “Commandos” und “Desperados”, die Echtzeitstrategie mit etwas Action und viel Grübeln zusammenbrachten. Jetzt ist ein Nachfolger im Geiste erschienen, der nicht nur alte Fans daran erinnern wird, dass auch in vermeintlich alten Spielideen noch viel Spaß steckt.

“Shadow Tactics: Blades of the Shogun” ist der etwas sperrige Titel eines Spiels, das auf ganz moderne Art und Weise das lange untergegangene Genre der Echtzeittaktikspiele wiederaufleben lässt. Statt in den Wilden Westen oder in den Zweiten Weltkrieg entführt es uns allerdings ins feudale Japan.

Unterwegs mit Ninjas

Mit viel Geduld, Köpfchen und einer gehörigen Portion Taktik kämpft ud schleicht sich eine kleine Gruppe von Ninja- und Samuraikämpfern durch das Japan des 17. Jahrhunderts. Weil sie den Gegnern zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen sind, hat der direkte Kampf in den seltensten Fällen Aussicht auf Erfolg. Stattdessen ist es wichtig, möglichst versteckt zu bleiben, aus dem Hinterhalt zuzuschlagen, Leichen zu verstecken und sich den besten Weg an sein Ziel zu suchen.

Wie in den klassischen Vorbildern steuern wir auch hier eine Gruppe von maximal fünf Spezialisten, die ganz unterschiedliche Fähigkeiten haben. Ein Samurai, eine Diebin, eine Spionin, ein Ninja und ein Scharfschütze ergeben zusammen ein Team, das sich mit seinen unterschiedlichen Fähigkeiten perfekt ergänzt. Der Weg führt das Spezialkommando in 13 riesigen Einsätzen vom kleinen Fischerdorf bis zur riesigen Burg, die hübsche, leicht cartoon-artige Grafik zeigt ein detailreiches, liebevoll gestaltetes Japan der Edo-Eriode. Gesteuert werden unsere Heldinnen und Helden mit ziemlich viel Mikromanagement in Echtzeit. Zur Koordination besonders gewagter Angriffe können aber auch jedem Einzelnen vorab Befehle erteilt werden, die dann auf Tastendruck gleichzeitig ausgeführt werden.

Mimimi Productions/Daedalic

Erfolgreiche Wiederbelebung

Der ungleiche Kampf unserer kleinen Truppe gegen ganze Heere von Wachen und Soldaten verlangt uns einiges an Taktik und Geduld ab. Bis wir die perfekte Herangehensweise gefunden haben, ist oft einiges an Versuch und Irrtum nötig; dank komfortabler Speicherfunktion fügt sich dieses Ausprobieren aber gut ins Gameplay ein. Dass unzählige Male die "Quicksave" und "Quickload"-Funktion verwendet wird, ist so gesehen Teil des Spielprinzips.

“Shadow Tactics: Blades of the Shogun” ist für Windows, Mac und Linux erschienen; Versionen für Xbox One und PS4 sollen folgen. Es gibt eine Demo.

“Shadow Tactics: Blades of the Shogun” ist ziemlich anspruchsvoll und nichts für ungeduldige Zeitgenossen. Zugleich ist es eine Liebeserklärung an das Genre der Echtzeittaktik, das zu Unrecht lange in Vergessenheit geraten war. Freunde der Klassiker "Commandos" oder "Desperados" freuen sich diebisch über die gelungene Wiederbelebung dieses vergessen geglaubten Spielprinzips, aber auch Neueinsteiger können sich davon überzeugen, dass auch alte Spielideen noch ganz schön frisch sein können - vor allem, wenn sie so liebevoll in die Gegenwart katapultiert werden. Ein schöner Jahresausklang für Taktikfreunde.

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