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Todor Ovtcharov

Der Low-Life Experte

23. 11. 2016 - 13:19

Idioten an der Macht

Der Komiker Groucho Marx war seiner Zeit voraus. Was wir aus seinem Film "Duck Soup" für die Jetztzeit lernen können.

Mit Akzent

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An Halloween habe ich mich als Groucho Marx verkleidet. Ich zeichnete mir einen großen schwarzen Schnurrbart, ich trug Brille mit riesigen Rahmen und kaute an einer Zigarre. Die meisten Leute auf der Party haben meine Verkleidung nicht erkannt. War sie denn so schlecht, oder war meine Zigarre nicht dick genug? Den Menschen zu erklären, wer Groucho Marx ist, ist eigentlich sinnlos. Es ist, als ob man versuchen soll, einen Witz mit anderen Worte wiederzugeben, nachdem beim ersten Mal niemand gelacht hat. Ich fühlte mich wie der Geist einer längst vergangenen Zeit. Um mich herum waren viele als Geister verkleidet, deshalb war das eigentlich egal.

Groucho Marx

CC BY-SA 2.0, flickr.com, User: Tom Margie / Insomnia Cured Here

CC BY-SA 2.0; Groucho Marx

Genau vor 83 Jahren kam der Film "Duck Soup" mit meinem Liebling Groucho in der Hauptrolle in die Kinos. Im Film geht es um einen Pleitestaat namens Freedonia, der sich nur mit Hilfe einer exzentrischen Millionärin aus seiner miesen Lage befreien kann. Sie fordert aber, dass ein Vollidiot zum Präsidenten von Freedonia ernnant wird: Groucho Marx. Und wenn ein Idiot über ein Land herrscht, sind die Folgen auch idiotisch. Das alles wird noch besser, als der Nachbarstaat zwei andere Vollidioten (Chico und Harpo Marx) schickt, um Groucho auszuspionieren. Dazu sagt Groucho zu seinem Bruder Chico im Film: "Meine Herren, dieser Typ mag wie ein Idiot aussehen, aber lasst euch nicht verwirren, er ist tatsächlich ein Idiot!" Das heißt, dass die Hauptprotagonisten im Film ganz genau wissen, wer sie sind...

Als Groucho das Budget vom Staat verkünden will, sagt er: "Alles in diesem Budget ist so einfach, dass ein vierjähriges Kind es verstehen konnte." Und dann sagt er seinem Sekretär: "Findet mir sofort ein vierjähriges Kind, denn ich verstehe nichts von diesem Budget!"

Duck Soup

Paramount Pictures

Der Film ist Ende 1933 erschienen, als die totalitären Regimes in Europa immer mächtiger wurden. In den demokratischen Staaten spürte man eine allgemeine Politikverdrossenheit. Die gewöhnlichen Menschen fühlten sich vernachlässigt. Man sucht nach einer starken Hand und einfachen Wahrheiten...

"Duck Soup" ist einer der ersten Filme, der über die Geburt des totalitären Staates spricht, der eigentlich von Idioten regiert wird. In seiner Eröffnungsrede als Staatspräsident erzählt Groucho, dass er "alle verfolgen wird, die Schmiergelder nehmen und sie mit ihm nicht teilen", sowie auch "alle, die einen Kaugummi im Mund haben". Er verbietet das Rauchen mit einer Zigarre im Mund. Kommt euch das nicht bekannt und aktuell vor? Im Film sind das die Gedanken eines Idioten. Im echten Leben hören wir alle ihnen zu. Und eingige sind damit einverstanden.

"Duck Soup" endet mit einem Krieg zwischen Freedonia und seinem Nachbarland. Der Krieg wird unter Tanzen und Singen verkündet. Wir wissen, was alles passiert, wenn die Idioten an der Macht sind. Aber wie man in den alten Filmen sagt: "Alle Ähnlichkeiten mit echten Personen oder Ereignissen sind rein zufällig." Oder?

Filmstill Duck Soup

Paramount Pictures

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  • cesarromero | vor 212 Tagen, 9 Stunden, 30 Minuten

    Oja, der Film ist super! Hingewiesen sei auch auf den oftmaligen Kostümwechseln von Groucho ganz zm Schluss!

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