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Rainer Sigl

Spiel, Kultur, Pop im Assoziationsblaster.

20. 11. 2016 - 09:46

Mein Blechkamerad und ich

Der Science-Fiction-Shooter "Titanfall 2" ist eine späte Überraschung des Spielejahres.

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Respawn/EA

Wenn riesige Kampfroboter auf den Schlachtfeldern der Zukunft aufeinandertreffen, bebt die Erde. Titanen heißen die tonnenschweren Kolosse, die sich irgendwo auf fremden Planeten erbitterte Gefechte liefern. Die Menschen, die unter den Füßen der meterhohen Riesen herumlaufen, sind aber mehr als nur Kanonenfutter: Wenn ein Roboterpilot seinen Titanen verlässt, geht es zu Fuß mit halsbrecherischer Geschwindigkeit weiter. Riesige Sprünge und akrobatisches Laufen an Wänden machen jedes Schlachtfeld zum Parkour-Gelände - während die riesigen Blechkameraden selbstständig Feuerschutz geben.

Willkommen in der Welt von "Titanfall 2". Während Teil 1 aus dem Jahr 2014 ein reines Multiplayer-Spiel war, bietet Teil 2 nun auch für Einzelspieler eine Kampagne. Und die hat es in sich: Mehr Abwechslung und Ideen hat 2016 kaum ein First-Person-Spiel geboten.

Mech-Abenteuer mit Mehrwert

Ein kleiner Fußsoldat freundet sich mit einem herrenlosen Titanen an und rettet im Alleingang die Welt: Die letztlich banale Science-Fiction-Story von "Titanfall 2" kann man mit all ihren militärischen Plattittüden getrost als Hintergrundrauschen ignorieren, denn viel interessanter ist das Wie. Knappe sechs Stunden lang laufen, springen und kämpfen wir in der Einzelspielerkampagne mal mit, mal ohne unseren Roboterfreund durch ein Abenteuer, das immer wieder überrascht. Unser Titan wächst uns dabei in witzigen Dialogen auch durchaus ans Herz. Dessen künstliche Intelligenz kann zwar nicht mit dem genialen Witz von GladOS aus "Portal" mithalten, aber sein trockener Humor - oder besser: sein Problem, überhaupt Humor zu verstehen - macht ihn durchaus sympathisch und zur zentralen Figur der ganzen Story.

Spielerischen Leerlauf gibt es bei der gemeinsamen Mission mit vielen Höhen und Tiefen keinen: Kaum ist die Freude über eine frische Idee der Leveldesigner vorbei, kommt schon der nächste originelle Schauplatz oder aber eine spannende neue Spielmechanik. Mit so viel originellem Inhalt hat uns schon lang kein First-Person-Shooter mehr unterhalten.

Respawn/EA

Multiplayer? Sowieso.

Die abwechslungsreiche und packende Kampagne ist ganz schön überraschend für ein Spiel, das eigentlich den Mehrspielerkampf als Zentrum hat. Denn so gelungen der Single-Player-Teil auch ist, er ist eigentlich nur die Vorspeise. Der Hauptgang ist wie schon in Teil 1 der umfangreiche Multiplayerpart.

Bei dem hat sich wenig Grundlegendes geändert: In unterschiedlichen Modi kämpfen wieder meist zwei Teams um den Sieg. Dabei starten wir als Piloten zu Fuß und dürfen nach einer gewissen Zeit unsere riesigen Titanen aus dem Orbit anfordern. In den Matches sammeln wir Erfahrungspunkte und Unlocks, mit denen wir unseren Piloten, aber auch unseren Titanen weiter ausbauen können - die Piloten teilen sich dabei grob in sieben verschiedene Klassen, während der Einsatz der sechs recht unterschiedlichen Titanentypen auf dem Schlachtfeld auch etwas Strategie fordert.

"Titanfall 2" ist für PS4, Xbox One und Windows erschienen.

Durch sein originelles Setting, sein rasantes Gameplay und vor allem den wirklich außergewöhnlichen Einzelspielerteil ist "Titanfall 2" eine späte Überraschung dieses Spielejahres, die sich, terminlich äußerst ungünstig zwischen "Battlefield 1" und "Call of Duty: Infinite Warfare" platziert, vor der großen Konkurrenz absolut nicht verstecken muss.

Denn so viel Abwechslung hat man im Shootergenre schon lange nicht mehr gesehen - und am ehesten hätte man Derartiges in dieser Dichte und Qualität wohl den seit gefühlten Jahrzehnten an "Half-Life 3" arbeitenden Entwicklern von Valve zugetraut. Ein großes Lob, das absolut berechtigt ist.

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