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Dalia Ahmed

Schaut gern Sachen im Internet und Leute auf der Straße

7. 11. 2016 - 15:00

True Beliebers

Justin Bieber spielt ein Konzert in Wien. Und wir fragen uns: Ist der Junge wirklich so furchtbar?

Es gibt viele Gründe den 22-jährigen Popstar nicht besonders leiden zu können. Er ist oft in den Schlagzeilen mit unguten Aktionen, wie sich betrunken hinters Steuer setzen oder dem Bewerfen des Nachbarhauses mit Eiern, er schaut auf jedem Promofoto so drein, als müsste er ganz dringend aufs Klo und obwohl er in den Suburbs von Ontario groß geworden ist, kleidet er sich und spricht, als wäre er im gefährlichsten Teil der Bronx aufgewachsen.

Menschlich scheint Justin Bieber tatsächlich all die Antipathie zu verdienen, die ihm gemeinhin entgegengebracht wird. Aber wie schaut es musikalisch aus?

Bei Bieber hat sich im Bezug auf seinen Output viel getan, seitdem er vor sechs Jahren vom Talent Manager Scooter Braun und R&B Sänger Usher via Youtube entdeckt wurde.

"Baby" war Biebers erste Single. Sie war so langweilig und auf Massentauglichkeit und Radioplays getrimmt, dass sie nach dem ersten Hören schon nervig war. Dennoch war die Single so gut produziert, dass man sich dem "Baby" Ohrwurm kaum entziehen konnte.

Und genauso ging es mit Justin Biebers Karriere weiter - auch nach dem Stimmbruch: gefällig produzierte Songs, Alben und Tourneen, die mithilfe der perfekt geölten Maschine namens "Musikbusiness" entstanden und seine jungen Fans begeisterten, während sie den Rest der Welt zur Weißglut trieben.

Aber warum all der Hass? Warum beschweren wir uns über einen Artist, der (und dessen Managemen) uns gar nicht im Sinn hat beim Produzieren. Wie schon bei Elvis, den Beatles und den Sex Pistols wurde hier ein Produkt mit einem genauen Zielpublikum im Blick kreiert. Und dieses Publikum sind nunmal nicht wir.

Doch wie schon bei den Beatles, scheint Justin sich nun umorientieren zu wollen. Für sein viertes Album "Purpose" holte er sich Skrillex und Diplo ins Boot und schuf ein Album, dass auch von Nicht-Teenies genossen werden kann. Dafür bedient sich das Trio reichlich bei aktuell sehr beliebten Dancehall Sounds und schafft ein mehrschichtigeres und melodisches Pop Album. Ja, es ist kein Album, das man unbedingt in einer Dauerschleife hören muss. Aber zumindest bei den ersten paar Mal lässt es sich ausgezeichnet aushalten.

Ob JB tatsächlich eine zweite Chance verdient, nach all dem Unfug den er getrieben hat, kann ich nicht sagen. Aber ich bin auf jeden Fall gespannt, was der Bieber in nächster Zeit so machen wird. Gespannt bin ich auch auf den nächsten Teenie-Star über den wir uns alle gemeinsam echauffieren können.

Denn genauso sicher wie das Amen nach dem Gebet und das Gekreische beim Konzert, gehört das Herabschauen auf den Musikgeschmack jüngerer Generationen einfach zum Leben dazu.

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