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Rainer Sigl

Spiel, Kultur, Pop im Assoziationsblaster.

3. 11. 2016 - 11:53

FM4 Extraleben: Stereotype und Rassismus

Wie werden schwierige Themen wie Vorurteile und Rassismus medial dargestellt - also auch in Videospielen? Das FM4 Extraleben erörtert.

FM4 Extraleben

Wir sprechen über Computerspiele - diesmal über Stereoype und Rassimus.

Am Donnerstag, den 3. November von 21 bis 22 Uhr, und danach für 7 Tage im FM4 Player.

fm4.ORF.at/extraleben

In Zeiten verstärkter Polizeibrutalität gegen Schwarze in den USA und wachsender Vorurteile gegen Flüchtlinge aus dem Nahen Osten hierzulande stellt sich die Frage, wie die sozialen und politischen Themenfelder Rassismus, Vorurteile und Stereotype auch im Computerspiel vorkommen.

Games sagt man ja nicht gerade nach, dass sie häufig die Lebenswelten von Minoritäten darstellen. Doch in jüngster Zeit werden Minderheiten und Rassismus auch in Mainstream-Games stärker verhandelt und reflektiert. "Deus Ex: Mankind Divided" behauptet zumindest in der PR, etwas über "mechanical Apartheid" auszusagen, und mit "Mafia III" ist vor Kurzem ein Spiel erschienen, in dem wir als schwarzer Protagonist in den USA der 60er-Jahre konstant mit Alltagsrassismus konfrontiert sind. Das war nicht immer so.

Politik als Tapete: So richtig viel hatte "Deus Ex: Mankind Divided" trotz provokanter PR zum Thema Rassismis dann nicht zu sagen.

Eidos

Gedankenlos

Rassistische Stereotype, wie etwa jenes des "wilden Afrikaners", wie sie unter anderem bei "Resident Evil 5" zu sehen waren, sind Abkürzungen für eindeutige Zuschreibungen und somit ein Paradebeispiel für “lazy storytelling”. Man muss den Entwicklern dabei gar nicht unterstellen, offen rassistisch zu sein - die erzählerische Ebene von Spielen ist meist im Vergleich zur technischen unwichtig, und es fehlt schlicht an Bewusstsein. Kein Wunder, denn historisch betrachtet sind Entwickler von Spielen - großteils Angehörige einer technisch gebildeten, eher privilegierten Schicht - eher nicht Rassismus ausgesetzt.

Deshalb soll und kann man die Entwickler aber nicht aus der Verantwortung nehmen - wenn ganz gezielt ein bestimmtes Setting und eine bestimmte Gesellschaft präsentiert und ein hohes Maß an Realismus behauptet wird, klingt der altbekannte relativierende Verweis, es sei ja "nur ein Spiel", besonders hohl. Wenn etwa das PR-Team des erwähnten neuen "Deus Ex" den Slogan "Aug lives matter" postet und damit direkten Bezug zur aktuellen "Black lives matter"-Bewegung in den USA herstellt, oder in "The Division" routiniert auf schwarze Innenstadt-Jugendliche geschossen wird, gilt die Ausrede, man sei ja nur ein Unterhaltungsprodukt ohne jeden Bezug zur Realität nicht mehr.

Ein schwarzer Held in der Kampagne von "FIFA 17" brachte manche Spieler in Rage - dass es ihn gibt, ist aber ein schönes Signal.

Schwarze Helden

Manchmal lassen sich aber gesellschaftspolitischer Anspruch und Unterhaltung auch gut mischen. Erst vor Kurzem sind zwei Spiele erschienen, die vor allem durch ihre schwarzen Protagonisten viel Aufmerksamkeit erregt haben. Dabei sind es aber weniger die Spiele an sich, die deshalb so aufregend wären, sondern die gesellschaftliche Debatte, die darüber geführt wird.

"Mafia III" geht bereits ganz zu Beginn in die Offensive: In einem Disclaimer wird darauf verwiesen, dass der dargestellte Rassismus im Spiel mehr als nur Kulisse sein will. "Wir finden den vom Spiel dargestellten, historisch realen Rassismus widerwärtig, finden seine Wiedergabe im Spiel aber wichtig, um diese Geschichte zu erzählen. Diesen sehr realen und schändlichen Aspekt unserer Geschichte auszulassen, wäre eine Beleidigung jener Millionen Menschen, die Rassismus, Engstirnigkeit, Diskriminierung und Vorurteilen ausgesetzt waren und immer noch sind."

Zugleich bietet auch der neu eingeführte Story-Modus des Weltbestsellers "FIFA 17" einen schwarzen Protagonisten - mit Rassismus wird der allerdings im Spiel selbst - unrealistischerweise - nicht konfrontiert. Dafür außerhalb, als sich zahlreiche Spieler lautstark darüber beschwerten.

FM4 Extraleben: Stereotype und Rassismus

Spiele sind für alle da, und eigentlich könnten sie durch ihre Interaktivität die Möglichkeit bieten, mal in andere Rollen zu schlüpfen und so vielleicht auch das Verständnis füreinander zu steigern. Conny Lee, Robert Glashüttner und ich machen uns in einem FM4 Extraleben darüber und über noch viel mehr Gedanken.

FM4 Extraleben - Stereotype und Rassismus

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