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Elisabeth Scharang

Geschichten über besondere Menschen und Gedankenschrott, der für Freunde bestimmt ist.

1. 11. 2016 - 12:41

Der Puppenspieler

Nikolaus Habjan stellt die österreichische Theaterwelt mit seinen großen Klappmaulpuppen auf den Kopf und trifft dabei mitten ins Herz. Ein FM4 Doppelzimmer mit dem Regisseur, Schauspieler und Puppenbauer.

Das FM4 Doppelzimmer

mit Nikolaus Habjan

am 1. November von 13 bis 15 Uhr auf Radio FM4 und anschließend 7 Tage zum Nachhören.

Ich habe Nikolaus Habjan das erste Mal am Grazer Hauptplatz getroffen. Wir hatten zuvor telefoniert, weil er unbedingt Kontakt mit Friedrich Zawrel aufnehmen wollte; ich habe die Geschichte von Friedrich Zawrel, der als Kind die Euthanasieklinik am Spiegelgrund überlebt hat und dann in der Zweiten Republik noch einmal dem Euthanasiearzt Heinrich Gross gegenüber stehen musste, als Spielfilm und später als Dokumentarfilm festgehalten und nun kam Niklaus Habjan mit der Idee, ein Puppentheater daraus zu machen.

Damals am Grazer Hauptplatz hat er mir die fast fertige Klappmaulpuppe von Friedrich Zawrel gezeigt. Als das Stück „F.Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“ ein paar Monate später auf der Bühne des kleinen Schuberttheaters in Wien uraufgeführt wurde, war ich hingerissen und sehr berührt. Ich saß dort gemeinsam mit dem damals über 80ig jährigen Friedrich Zawrel im Publikum und obwohl ich seine Lebensgeschichte so gut kenne, war sie mir selten so lebendig und so eindringlich wie an diesem Abend. Vielleicht weil da diese Kinderpuppe war, der kleine Fritz, der in dieses Mördersystem hineingeraten war. Auch Fritz Zawrel, der anfangs skeptisch gegenüber der Idee von Nikolaus Habjan war, hat nicht nur das Stück fantastisch gefunden, sondern vor allem den Puppenspieler tief in sein Herz geschlossen.

Doppelzimmer
    Werkstatt von Puppenspieler Nikolaus Habjan

    Pamela Rußmann

    Seither ist viel passiert. Nikolaus Habjan hat die kleine Bühne des Schubertheaters verlassen und seine Puppen in die Räume des Burg- und Akademietheaters eingeführt. Das Risiko, mit einem derart harten Stoff wie es die Euthanasiegeschichte ist, ein Puppentheaterstück zu inszenieren, hat sich auf allen Ebenen gelohnt. Es sind inzwischen einige tausend Schülerinnen und Schüler in einer der Aufführungen gewesen und vor allem seit Friedrich Zawrel nicht mehr lebt und er nicht mehr selbst erzählen kann, ist die Stimme von Niklaus Habjan umso wichtiger. Wenn er die Puppen führt, wenn er ihnen eine Stimme gibt, dann werden sie auf eine Art lebendig, die direkt ins Herz trifft.

    Offene Illusion

    Für das FM4 Doppelzimmer treffen wir uns in der Werkstatt von Nikolaus Habjan. Dort bastelt und klebt und entwirft er seine Klappmaulpuppen. Ich lerne den weinerlichen Alten kennen und den depressiven Clown, der arbeitslos ist, weil er nie zum Einsatz kommt. Ich habe ein Wiedersehen mit Dipl Ing. Schwingenschläger, auch Herr Bernie genannt, der im Pensionistenheim wohnt und glaubt, dass er von den Pflegern vergiftet wird. Er kann mich nicht wirklich leiden, aber ich glaube, er tut nur so. Positive Empfindungen sind ihm einfach peinlich.

    Für unser Gespräch müssen die Puppen sich verziehen, sonst passiert immer dasselbe: ich vergesse auf Niki und unterhalte mich mit den Puppen. Verrückt, aber so funktioniert es. Der Puppenspieler verschwindet, obwohl er immer vor deiner Nase steht.

    Die nächsten Termine in Österreich:
    Premiere im Rabenhoftheater/Wien am 17.11. : Nikolaus Habjan spielt KOTTAN

    Am 4. und 6. Dezember spielt er im Akademietheater/Wien „F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“, am 19. Und 20.12. ist er mit dem Stück am Schauspielhaus Graz zu Gast.

    Ich pfeif auf die Oper

    Beim Tanz- und Theaterfestival in Leipzig ab 8. November wird dem jungen Regisseur und Puppenspieler eine Retrospektive seiner Stücke gewidmet. Er hat letztes Jahr im Volkstheater selbst inszeniert, füllt regelmäßig den Rabenhof, das Akademietheater und seine Herr Karl Vorstellung am 1. Jänner im Burgtheater ist legendär. Kurz um: seit dem großen Erfolg des Stückes über Friedrich Zawrel ist es rasant gegangen und geblieben. Und so wird Niklaus Habjan im nächsten Jahr eines seiner großen Ziele erreichen: er wird in München an der Oper inszenieren – eine Oper mit Puppen. Das ist eine meiner Fragen an ihn: Warum diese Faszination für Oper? Ich kann da nicht so mit, aber ich bin offen für die Begeisterung anderer.
    Und Nikolaus Habjan kann das: andere begeistern. Also pfeift er uns noch was. Das Kunstpfeifen ist ein Steckenpferdchen von ihm, das er in der Zwischenzeit so ausgebaut hat, dass es konzertreif ist.

    Im FM4 Doppelzimmer erzählt Nikolaus Habjan von eitlen Schauspielern, traurigen Puppen und vor allem über sich selbst – am 1. November von 13 bis 15 Uhr.

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