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Phekt

Geschichten aus dem Hip Hop-Universum und benachbarten Galaxien.

22. 9. 2016 - 10:26

24 Jahre deutsche Hip Hop-Geschichte

Vor kurzem ist mit "Blumentopf 1992 - 2016" ein Buch erschienen, das die Bandgeschichte der Münchner Rap-Crew dokumentiert. Anhand von Fotos, Gastbeiträgen von Wegbegleitern, persönlichen Anekdoten und Archivmaterial.

Cover von Blumentopf Buch

Verlag Antje Kunstmann

Mein persönlicher Bezug zu Blumentopf beginnt 1995. Ein Freund und ich hatten uns in den Kopf gesetzt, eine richtige Hip Hop-Jam in unserer Heimatstadt Steyr zu organisieren. Auf der Suche nach dem passenden Line-Up gab uns Flip von Texta den Kontakt von einem der Blumentopf-Jungs. Denn die waren laut ihm eine fantastische Live-Band und außergewöhnlich gute Freestyle-MCs. Überzeugt.

Ich erinnere mich vage an ein nettes Telefonat, bei dem ich zuerst die Mutter von einem der Rapper in der Leitung hatte.

Letztendlich hat dann alles geklappt und das "Summa Jam" in einem Teil vom Museum Arbeitswelt in Steyr ging erfolgreich über die Bühne. Als Live-Acts waren Total Chaos aus Innsbruck, Yoobaatrieb aus Wien und Da Blumentopf aus München in unsere beschauliche Stadt gekommen. Wir waren stolz. Spontan angereiste Breakdance-Crews und Gäste aus ganz Österreich haben unser Jam zu einem würdigen Debüt gemacht.

Die Freestyle-Session am Ende des Abends hat sich bei mir für immer eingebrannt und der Name Blumentopf ab diesem Tag ebenso. Und jetzt schließt sich der Kreis. Denn beim Aufschlagen des soeben erschienenen Buches "Blumentopf 1992 - 2016" war eines der ersten Bilder, das ich gesehen hab, der von mir handgezeichnete Flyer dieses Jams (es gab 2 Versionen, da mein Kollege und ich beide davon überzeugt waren, den "besseren" designt zu haben). Konsequenterweise arbeite ich heute beim Radio und nicht in einer Grafik-Agentur. Er auch nicht.

Alter Flyer von Blumentopf Konzert in Steyr.

Alex Hertel

Der Flyer vom "Summa Jam" in Steyr, wo Blumentopf im September 1995 aufgetreten sind.

Von Unterschleissheim in die Welt

Das Blumentopf-Buch ist eine wunderbare Zeitreise. Alle Stationen der Band - von frühen Freestyle-Sessions im Jugendzentrum in Unterschlessheim bis hin zu ersten Demo-Aufnahmen, Auftritten als Vorband, dem ersten Plattenvertrag, größeren Tourneen, internationalen Reisen, ihrem Durchbruch als Band, den Fußball-RAPortagen bis in die Gegenwart - bekommen ihren Platz.

Dabei sind es nicht nur ihre eigenen Kommentare und Erinnerungen, die dieses Buch so interessant machen.

Gastbeiträge von Journalisten, befreundeten Musikern wie David P, Dendemann, Fettes Brot und anderen Wegbegleitern, gewähren einen ausgewogenen Blick auf die ungewöhnliche Karriere jener Band, die als Inbegriff für "Studentenrap" auch stets heftig angefeindet wurde.

Verlag Antje Kunstmann

Die wahren Urheber von Sido's "Mein Block" sind Blumentopf. Wer es noch nicht wußte, weiß es jetzt. Offiziell bestätigt von Marcus Staiger. Sein Journalisten-Kollege Falk Schacht widmet sich im Buch dem "Studentenrap".

Vom Auftrittsbuch ins Buch

Cajus hat von 1993 - 1998 das sogenannte "Auftrittsbuch" geführt. Eine Art Tagebuch von Konzerten, mit lustigen Kommentaren, gezeichneten Skizzen, eingeklebten Flyern, Tickets und anderen Erinnerungen. Aus diesem Auftrittsbuch entstammen einige Seiten im aktuell erschienen Buch.

Verlag Antje Kunstmann

Jedem Blumentopf-Album ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Man erfährt von den damaligen Lebensumständen, der gemeinsamen WG "Haushalt 2000" und sieht, mit welchem Equipment die Töpfe damals gearbeitet haben. Von der Floppy Disk und Mehrspur-Rekordern zu digitalem Equipment und Serato. Internationale, vom Goethe Institut organisierte Reisen nach Jordanien oder Ägypten werden ebenso gezeigt wie Making-of-Bilder von Musikvideos und Fotos von Konzerten.

Blumentopf, 1992 - 2016
24 Jahre deutsche Hip Hop-Geschichte erscheint beim Verlag Antje Kunstmann
282 Seiten
Herausgegeben von Jenny Bohn
ISBN 978-3-95614-131-7

Behind the scenes

Blumentopf gewähren mit ihrem Buch einen ehrlichen Blick hinter die Kulissen und dokumentieren gleichzeitig jene Zeit, in der deutschsprachige Rap-Musik vom Nischen-Segment zum breitenwirksamen, Charts-dominierenden Genre wächst. Danke für die schönen Songs und die unendlich vielen Freestyle-Reime.

Verlag Antje Kunstmann

Fatoni schreibt das Schlusswort im Buch: "Früchte tragen können nur Blüten, die verwelken."

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