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Musik, Film, Heiteres

Christiane Rösinger Berlin

Ist Musikerin (Lassie Singers, Britta) und Autorin. Sie schreibt aus dem Leben der Lo-Fi Boheme.

20. 9. 2016 - 18:19

"Untenrum frei"

Margarete Stokowski stellte ihr neues Buch "Untenrum frei" in Berlin vor. Wer noch einen Platz im völlig ausverkauften Roten Salon in der Volksbühne ergattern konnte, traf da auf jede Menge journalistisch–feministische Prominenz.

Letzten Freitag stellte Margarete Stokowski ihr neues Buch "Untenrum frei" in Berlin vor. Wer noch einen Platz in dem völlig ausverkauften Roten Salon in der Volksbühne ergattern konnte, traf auf jede Menge journalistisch – feministische Prominenz vor Ort: Ronja von Rönne hatte sich die Ehre gegeben, die gesamte Missy-Redaktion war anwesend, Anne Wizorek (#aufschrei) war da. Jacinta Nandi, auch eine taz- Kolumnistin, die vor einem Jahr ihre amüsanten autobiographischen Roman „Nichts gegen Blasen“ veröffentlicht hatte, saß im Zuschauerraum, die Schriftstellerin Andrea Hanna Hünniger moderierte den Abend.

Margarete Stokowski ist vielen durch ihre Kolumne bei spiegelonline bekannt, viele kennen auch ihre taz – Kolumne „Luft und Liebe“. Eine Kolumne, die ich zuerst für arge Sexangeberei hielt, aber immer weiter las, wahrscheinlich weil sie lustig und gut war, und weil es auch um Feminismus ging- und was will man mehr?

Untenrum Frei

Rowohlt Verlag

"Untenrum frei" von Margarete Stokowski ist bei Rowohlt erschienen.

Die Lektorin vom Rowohlt-Verlag sagte in ihren einleitenden Worten, „Untenrum frei“ sei ein dringend nötiges Buch, was man auch an den 400–500 Kommentaren online sehen könne. Es ist anzunehmen, dass es sich bei diesen Kommentaren nicht nur um Lobreden, ernsthafte Kritik oder Komplimente handelt, sondern um ein- , zweihundert Hasskommentare. Spricht sich eine junge oder nicht junge Frau öffentlich gegen das Patriarchat, die Zweierbeziehung oder sexuelle Unterdrückung aus, ist der Hasskommentar inzwischen ja vorprogrammiert und normal.

„Untenrum frei“ ist ein Sachbuch, aber wie im Entwicklungsroman setzt die autobiographische Erzählung in den ersten Lebensjahren ein: Kindheit und Jugend, erste Irritationen. Der emotionale Höhepunkt der Lesung war erreicht, als die Autorin - inzwischen beim zwölften Lebensjahr angelangt - die Masturbations-Passage las und dem Publikum freimütig erklärte welche,
- wir nennen es mal frei raus - Wichsvorlage sie sich für die ersten Masturbationserfahrungen vorgenommen hatte. Es war das Janosch – Buch „Mutter sag, wer macht die Kinder?“

"Erste Selbstbefriedigung mit 12? Mit Janosch?"

Das führte zu hochinteressanten Gesprächen in der Pause. Eine Freundin, ungefähr im gleichen Alter wie die Autorin, 1986 geboren, gab amüsiert preis, bei ihr hätte es auch mit dem Buch in diesem Alter angefangen. Da zeigten sich die 40- und 50-Plus-Besucherinnen total verwundert über die Spätentwicklerinnen. „Hä? Erste Selbstbefriedigung mit 12? Mit Janosch?“

Und es wurde geprahlt: „Also ich hab ja schon mit 8 angefangen, wenn Mama und Tante beim Friseur zur Dauerwelle waren hab ich mich mit „Quick“ und „Neue Revue“ zurückgezogen und mich ganz tief in den Sessel gedrückt...! Eine Andere war mit 5 oder 6 und dem Quelle-Katalog schon sehr aktiv, eine Dritte glaubte sogar, sich an erste Masturbationsriten aus dem vierten Lebensjahr zu erinnern. Nach der Pause ging es, wie zu erwarten war, mit Untenrum-Themen weiter.

Es hat gar keine sexuelle Revolution stattgefunden

Es hat gar keine sexuelle Revolution stattgefunden, ist ja eine These des Sachbuchs. Zur sexuellen Revolution fallen mir immer zwei Zitate ein, das erste ist von unserer Schlagzeugerin Britta Neander. Sie hatte erzählt: „Wenn eine Frau in den Siebzigern nicht mit einem Typen schlafen wollte, dann kriegte sie zu hören: 'Du bist doch frigide!'“

Das zweite beeindruckende Zitat stammt von Oswalt Kolle, dem sogenannten „Vater der sexuellen Aufklärung“ in Deutschland. „Ach was, sexuelle Revolution!“ sagte er vor einigen Jahren in einer Fernsehtalkshow „das gab es doch gar nicht, das waren doch nur Pfarrersöhne die gern ficken wollten“.

Im zweiten Teil des Leseabends stellte sich dann trotz aller Sympathie der Autorin gegenüber, trotz einer grundlegenden Solidarität mit den Kolumnistinnen dieser Welt und großem Interesse an queerfeministischen Themen das Gefühl ein, alles schon mal gehört zu haben.
Okay, vielleicht war es neu, was Hegel zum Thema Pullern gesagt hatte: Dass der Penis nämlich sowohl das Organ der Zeugung als auch das des Pissens wäre.
Es wurde viel Bekanntes zitiert: Simone de Beauvoir, Hedwig Dohm, Carolin Ehmcke, Adorno, Laurie Penny, Arielle die Meerjungfrau.

Und vieles, was zum Thema Frauen-Bilder, Bilder von Frauen, Schönheitspostulat, Geschlechterzuschreibungen usw. gesagt wurde, kennt die Old-School Feministin halt schon aus den Achtzigern, als sie zu ihrem feministischen Coming Out „Tod eines Märchenprinzen“ oder „Häutungen“ oder „Das andere Geschlecht“, oder „Wir werden nicht als Mädchen geboren“ oder „Die verlorene Stimme“ gelesen hatte.

Aber so herrschte nach der Lesung im Roten Salon das gleiche Grundgefühl vor wie letztes Jahr bei Lesung von Laurie Penny im Berliner So 36.

Aber es ist ja auch ein trauriges Merkmal der Frauenbewegung, dass jede neue Generation dieselben, eigentlich selbstverständlichen Dinge immer wieder aufs Neue erkämpfen muss. Man nennt es auch Backlash.

Ich weiß, Feminismus muss endlich cool und glamourös werden, sich von dem alten „Schwanz ab -Ruf" befreien. Ich weiß, Gendergerechtigkeit heißt auch, dass Männer sich aus ihren starren Rollen befreien können. Feminismus heißt nicht die Umkehrung der Verhältnisse sondern ihre Abschaffung.

Und trotzdem - oder gerade deshalb: Manchmal kommt dann die alte Emanze durch, und wünscht sich von den jüngeren Feministinnen endlich mal wieder einen richtig radikalen Ansatz - warum nicht zwischendurch auch mal eine Valerie Solanis - zurück . Ein „Manifest zur Vernichtung der Männer“ oder so was in der Art.

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  • rriotrradio | vor 220 Tagen, 17 Stunden,

    Valerie SolanAs!

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  • softmachine | vor 220 Tagen, 23 Stunden, 26 Minuten

    scum ? oder hitlers "mein kampf". statt juden männer. feminismus in zeiten des neoliberalismus: instrumentalisierung eines karrierevorteils, während sich frauen untereinander wegmobben.

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    • donjuanderautisten | vor 220 Tagen, 13 Stunden, 52 Minuten

      masters and johnson

      hm jein

      also den godwinschen zu machen wäre die bias zur bias, die gegen patriarchalische bias arbeiten will..die counterculture zur counterculture die gegen bad culture arbeitet..das wär zuviel counter..wir dürfen uns gegen sowas nicht zu sehr aufregen.schau wenn wir schweigen stehen sie irgendwann alleine da wenn sie mal wieder am anarcho-tee genippt haben und radikal werden. die goldene regel= nicht auf provokation eingehen.that would be justin bieber pegida marketing 2012.
      das haben wir von frauen gelernt die ihre besoffenen hysterischen männer einfach labern ließen bis er nurmehr für alle anderen wie der depp dasteht um isoliert und verlassen sterben zu können...

      aber es war sicherlich bezeichnend das man seit den vorfällen in köln für ein paar monate plötzlich links linke feministinnen nichtmehr von der pegida unterscheiden konnte...ganz einfach weil sie komplett offensichtlich und auffällig dieselben methoden und kampfrhetoriken bei wörtern und sprache verwendeten..(im tieferen diskurs erkannte man sie natürlich wieder auseinander)
      die eigentliche sexuelle revolution ging als erstes in der wissenschaft ab, bei "masters and johnson".masters der empiriker, virginia johnson die poststrukturalistische mit dem psychologischen ansatz.
      der erste empirische anerkannte beweis das frauen auch einen orgasmus haben können
      https://books.google.at/books?id=BJ1V9r_J0sUC&pg=PA85&redir_esc=y#v=onepage&q&f=false

      und hier liegt auch das schlamassel..deren redensführerinnen sind...

    • donjuanderautisten | vor 220 Tagen, 13 Stunden, 51 Minuten

      alle poststrukturalistinnen und haben wenig philosophische bzw "eklektische" diversifizierung..sie glauben noch so richtig an die macht der sprache des geschrieben oder gesprochenen wortes..
      und wenn sich dann dazu wahrheitsrelativismus (aka ontologischer relativimus) mischt wirds halt auch dellusional..ihre sicht zählt, ihre beobachtung wird plötzlich "platzhalter" für die unuumstößliche realität.auch das gesprochene geschriebene eben,es steht da also muss es stimmen.
      "huch der femi blog vermutet 15 rapists von nem pick up artist youtubeblog beim MQ lets blog it es muss stimmen holt die wega etc" "huch der araber schaut böse und is ISIS" etc.bei allen aktivisten zu erkennen .von links bis rechts

      sie glauben je lauter man schreit und schreibt desto "wahrer" wird es..
      stimmt halt immer nur begrenzt.man kann wellen auslösen aber reality bleibt ein completly different ballgame und holt einem immer ein.

      bin noch immer der meinung feministinnen haben das recht vom anarcho-tee zu nippen auch aus reinen opportunistischen gründen( jaja "wie grooßzügig kotz kotz pimmel ab bombe in den anus"etc)...10000 jahre am herd stehen.. he its still fucked up and it will be the next 100 years.

      bedenklich ist allerdings dass die zensurbehaftete "antihassposting welle" von zeit,spiegel,falter,fm4 sehr nach den paradigmen und rhetoriken des 2nd...

    • donjuanderautisten | vor 220 Tagen, 13 Stunden, 50 Minuten

      3rd wave feminismus riecht.

      das virtuelle sollens gefälligst in ruhe lassen.
      getrollt werden alle..einem troll is gender wurscht ..jeder wird gleich geraped und beschimpft in virtual reality.das gibts kein geschlecht wir haben eskapistische genderlose nicknames "masken" thats a lil freedom dont take it completly .gender artikel sind das dümmste der deutschen sprache wie wir wissen.das ist mal der grundsatz der erkenntnis statt zu keiffen.
      omas opas kinder frauen männer, alle werden virtuell geraped nicht wegen ihrem geschlecht sondern weil man ihre meinung halt doof findet ganz einfach....zu lernen ist der umgang mit dem virtuellen.angst kontrollieren ,gefahren abschätzen nicht von emotional contagion anstecken lassen.sonst gewinnt der troll.dystopische zensur darf nicht passieren.die macht der menschlichen semantik schwindet.so does aktivismus

  • geldgel | vor 221 Tagen, 4 Stunden, 25 Minuten

    stefanie sargnagel ist radikal und cool oder nicht?

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    • donjuanderautisten | vor 220 Tagen, 11 Stunden, 51 Minuten

      was wäre die definition von "cool"?
      zu zeigen das es einem wuuascht is aber man schaffts trotzdem mit leichtigkeit?..das wär meine nichtige definition

      wurscht is es der sargnagl fix nicht.was gut ist.zuviel wurscht ist scheisse.
      und sie schafft den spagath authentisch zu bleiben.

      burschenschaft hysteria und ihre facebook zensur kann man wohl als radikal bezeichnen heutzutage..
      es fehlt halt noch die klimax der männlichen hysterie um diese "aktionismus simulation" perfekt zu machen.-->physische aggression.
      was wollen die alten radikalen?+ein hooligan sparta battle wo man den identitären oder patro-männerbünden einfach die scheisse ausn leib prügelt? aggro aktionismus deluxe.
      bin dabei..aber wenns nur frauen sind..is ja unfair

      ausser in indien da dreschens die männer schon herum. ohne männerhilfe.und zwar legitim.einfach 100erte frauen auf einen mann haha