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Dalia Ahmed

Schaut gern Sachen im Internet und Leute auf der Straße

14. 9. 2016 - 15:34

M.I.A. Goes Missing in Action

Über "AIM", M.I.A.s neues und vielleicht sogar letztes Album.

Mathangi Arulpragasam, besser bekannt als Maya und noch besser bekannt als M.I.A. hat ein neues Album draußen. Wenn man ihr Glauben schenken darf, dann ist "AIM" ihr letztes Projekt… Aber sie hat auch mal behauptet, sie würde nie wieder mit Diplo zusammenarbeiten und doch findet er sich in den Producercredits wieder. Also, mal schauen.

Wenn "AIM" tatsächlich der Schlussstrich unter ihrer Karriere ist, dann muss man leider sagen, dass sie "nur" mit einer medium-großen Explosion aus dem Musikbusiness aussteigt. "AIM" ist zwar inhaltlich nicht so der Knaller wie ihre Projekte davor, aber es glitzert und glänzt ordentlich.

M.I.A. "Aim" Cover ur schön

Interscope / Polydor

"Aim" von M.I.A. ist bei Polydor/Interscope erschienen.

Versöhnung und Melting Pot sind ganz große Themen des Albums. M.I.A.s Zugang zum Umgang mit dem, was so in der Welt passiert, hat sich verändert. Statt mit dem Finger direkt auf Missstände zu zeigen, zeigt sie uns lieber, was diese Missstände in ihr aus- und loslösen.

Dazu meint sie im Reddit AMA "ALL SONGS ARE WHAT CAME NATURALLY AND I LEFT THEM AS CLOSEST TO THE MOMENT THEY GOT MADE, I NEVER WENT BACK IN ON ANY OF THEM BECAUSE THEY WERE LIKE PHOTOS, JUST OF THAT MOMENT".

Aber nicht nur eine Vielfalt an Eindrücken kommt auf "AIM" zusammen. Auch unterschiedliche Arten von Artists und Musikrichtungen werden zusammengekocht. Von Skrillex über ihren langjährigen Partner in Crime DJ Blaqstarr bis hin zum ehemaligen One Directioner Zayn Malik weist "AIM" eine eklektische Zutatenliste auf. M.I.A. vermischt mutig indischen mit amerikanischem Pop, "Hoch"- mit "Trash"-Kultur und Afro- mit Discobeats. Was dabei entsteht, ist eine Vorschau auf eine utopische Zukunft, in der "Global Citizen" nicht nur heißt, dass man viele Visa im Pass hat.

Ob M.I.A. das bunte Utopia aktiv mitgestalten wird, ist fraglich. Nach mehr als zehn Jahren des Schaffens ist sie resigniert und gibt stressige US-Einreisebestimmungen und den Moloch Musikbusiness als Gründe für ihre vorzeitige Rente an. Doch wie sich der Titel des Albums von hinten nach vorne MIA liest und die vielen auf dem Album vertretenen Samples und Callbacks auf ihre älteren Nummern verweisen, glaube ich an eine Reinkarnation M.I.A.s. Wir werden sie definitiv nochmal zu hören bekommen. Wir müssen! Denn wenn das der Schlussakt war, dann braucht es unbedingt noch einen Epilog.

"AIM" ist zwar poppig, eingängig und bietet ein reichhaltiges Buffet an Sounds und Ideen, aber ein Kala oder Maya ist es nicht. Ich möchte an dieser Stelle aber auch nicht mit M.I.A. im Argen auseinandergehen. Deswegen verbleibe ich – sollte es tatsächlich das letzte Mal sein, dass wir von ihr hören und ich von ihr schreibe – mit einem Danke für das größte Geschenk, dass sie mir neben ihrer Musik jemals gegeben hat. Nämlich die Bekanntschaft mit dem gewitztesten Rapper Londons. Afrikan Boy!

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