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Lukas Lottersberger

Lukas Lottersberger

Lukas Lottersberger

Politik, Alltägliches und andere Kuriositäten.

6. 9. 2016 - 18:02

Schulbeginn - auch für Flüchtlinge

Die Schule beginnt dieser Tage wieder und auch 14.200 geflüchtete Kinder und Jugendliche müssen heuer in Österreich die Schulbank drücken. Das bringt gewisse Herausforderungen mit sich.

Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren sind in Österreich schulpflichtig. Egal welchen Aufenthaltsstatus sie haben, solange sie sich längerfristig in Österreich befinden, müssen sie hier auch zur Schule gehen. Daher ist es auch wichtig, dass jedeR SchülerIn einen Platz in einer Schule bekommt - auch jene, die im Zuge der Flüchtlingsbewegung im Lauf des vergangenen Jahres nach Österreich gekommen sind.

Terezija Stoisits

CC BY-SA 3.0/Die Grünen

CC BY-SA 3.0; Die Flüchtlingsbeauftragte im Bildungsministerium, Terezija Stoisits

Mit Ende des vergangenen Schuljahres waren das 14.200 SchülerInnen, davon 8.390 Quereinsteiger, die während des laufenden Schuljahres Klassen zugewiesen worden sind.

Wie funktioniert diese Zuweisung? Terezija Stoisits, Beauftragte im Bildungsministerium für geflüchtete Kinder und Jugendliche, erklärt: "In Österreich werden Schülerinnen und Schüler ihrem Alter entsprechend in das System eingestuft." Ein Achtjähriger komme also in die zweite Schulstufe, ein Zwölfjähriger in die sechste und so weiter. In der Regel werden die Kinder dann auch ihrem Wohnort entsprechend Volks- und Mittelschulen zugeteilt. Bei der AHS-Unterstufe obliegt es der jeweiligen Schulleitung, ob sie Flüchtlingskinder in ihre Klassen aufnimmt.

"Lehrer sind keine Psychologen"

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Natürlich muss berücksichtigt werden, dass geflüchtete SchülerInnen meist mit keinen oder wenig Sprachkenntnissen in die Klassen kommen. Und nicht zuletzt sind viele von ihnen von den Schrecken des Krieges und der Flucht traumatisiert und man muss mit diesen Kindern gezielt umgehen. Daher gibt es nun zusätzlich zu den schulpsychologischen Angeboten seit letztem Jahr sogenannte mobile interkulturelle Teams.

"Lehrer sind keine Psychologen, keine Sozialarbeiter. Sie sind Pädagoginnen und Pädagogen", sagt Terezija Stoisits. Diese österreichweit tätigen dreiköpfigen Teams bestehen aus SozialarbeiterInnen, -pädagogInnen und PsychologInnen, "die jenen, die Bedürfnisse und Bedarf an dieser Unterstützung haben, beistehen", so Stoisits. Die Teams haben Kenntnisse in den Sprachen der größten Flüchtlingsgruppen, also Arabisch und Farsi/Dari, aber auch die kurdischen Sprachen.

Schule kostet: Wer zahlt?

Schulbücher sind in Österreich zwar in der Regel gratis, aber es wird ein Selbstbehalt eingefordert. Museums-, Theater- oder Kinobesuche und natürlich auch Ausflüge und Klassenreisen kosten und sind für Flüchtlingsfamilien, die beispielsweise in der Grundsicherung und ohne positiven Asylbescheid sind, nicht leistbar.

In der Regel gelten für alle Schulkinder dieselben Bedingungen, was Schulfreifahrt oder Schulbücher betrifft. Wer sich in der Grundsicherung befinde, bekomme aber allfällige Zuschüsse nicht aus dem Familienlastenausgleichsfonds, sondern vom Innenministerium und den Ländern bezahlt, erklärt Stoisits.

Die Flüchtlingsbeauftragte konnte jedoch im vergangenen Jahr beobachten, dass wenn die Familie eines Kindes sich etwa einen Ausflug nicht leisten könne, die Hilfsbereitschaft bei den Eltern anderer Kinder groß sei: "Es gibt wahnsinnig viel Empathie in den Elternvereinen. Die sind vielfach sehr unterstützend gewesen, bei Dingen, die nicht von staatlicher Seite übernommen werden, also Ausflüge, etc."

Auch Lehrer würden helfen, wo es geht, und eigneten sich zum Teil auch Fähigkeiten an, "die sie vorher nicht hatten, weil sie nicht Teil ihrer Ausbildung waren", sagt die Flüchtlingsbeauftragte Stoisits.

"Durchmischung von Klassen ist wichtig"

Es gibt also zahlreiche Herausforderungen im Bildungsbereich zu meistern, die aus der Flüchtlingsbewegung im Laufe des letzten Jahres entstanden sind. Eine Schulnote will Terezija Stoisits dem laufenden Prozess und ihrer eigenen Arbeit daran nicht geben.

Besonders stolz ist sie jedoch darauf, dass die Planstellen für Deutsch-Förderkurse von 440 auf 850 fast verdoppelt werden konnten. Finanziert werden diese mit rund 140 Millionen Euro, die dem Bildungsministerium für das Schuljahr 2016/17 zusätzlich zur Verfügung gestellt wurden. Mit diesem Geld sollen auch die "mobilen interkulturellen Teams" und andere Fördermaßnahmen bezahlt werden. Was das Budget betrifft, gibt es für Terezija Stoisits freilich "keine Obergrenze", wie viel vom Bundesbudget dem Bildungsbereich zur Verfügung gestellt werden könnte.

Während die Deutsch-Förderkurse für Flüchtlinge separat vom regulären Unterricht stattfinden, hält man im Ministerium und in den Landesschulverwaltungen laut Stoisits wenig von reinen "Flüchtlings-Klassen". Die Durchmischung von Klassen sei enorm wichtig, so die Flüchtlingsbeauftragte. Denn: "Es gilt immer noch der Grundsatz: Der erste Lehrer eines Schülers, ist der Mitschüler."

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