Standort: fm4.ORF.at / Meldung: "Was hat dich bloß so … inspiriert?"

Susi Ondrušová

Preview / Review

1. 8. 2016 - 10:49

Was hat dich bloß so … inspiriert?

FM4 Artist of the Week: Rapper Keno von Moop Mama spricht über seine Inspirationsquellen.

Sie bezeichnen sich als Urban Brass Band und haben erst kürzlich ihr drittes Album "M.O.O.P.Topia" veröffentlicht. Ein Albumtitel, der inhaltlich auch auf die ersten beiden Werke der Band zutrifft. Die Themen der Urbanität oder der verschiedenen Möglichkeiten des Zusammenlebens sind immer wiederkehrende bei Moop Mama. Die Band liefert den Soundtrack für die Suche nach dem Sehnsuchtsort. Auf "M.O.O.P.Topia" nun auch mit Gästen wie Jan Delay ("Alle Kinder"), Blumentopf ("Typ Ische Verhältnisse") oder Megaloh ("Der Herr Der Lage").

Moop Mama Live:

  • 5.8. Szene Open Air, Lustenau
  • 20.8. FM4 Frequency Festival, St. Pölten

Moop Mama

Die 10-köpfige Formation funktioniert als Party-Band genauso gut, wie als Band, die uns bestimmte Zusammenhänge, Lebensumstände oder Fragestellungen besser näher bringen kann, als ein Feuilleton-Artikel.

Moop Mama

Spaß und Nachdenken schließt sich ja nicht aus. Dass sie seit Jahren auch als politische Band wahrgenommen werden und oft nach politischen Themen gefragt werden, hat Rapper Keno schon oft überrascht. Als Aktivisten sehen sie sich nicht, es gibt Bands, die noch viel expliziter sind, aber vielleicht liegt diese Wahrnehmung als "politisch engagierte Band" daran, dass der Großteil der anderen Bands absolut unpolitisch ist.

Eine Band nach ihrer Inspiration fragen, kann auch nach hinten losgehen. Manche antworten ja gerne, dass ihnen "Songs passiert sind", "aus ihnen rausgekommen sind". Nicht so Rapper Keno. Hier ein paar seiner Inspirationsquellen:

"Kinderbücher"

Ich hab da ein paar Favoriten: Astrid Lindgren, Michael Ende und auch Janosch. Alle diese Bücher und die Geschichte, die sie erzählen, haben eine extrem gute Mischung aus Einfachheit und Tiefe. Die sind so stark, dass ich immer wieder an diese Geschichten denken muss. Das ist etwas, was mich beim Texten total inspiriert oder bzw. das hab ich so als ein Ziel, wo ich gerne hinwollen würde: dass ich es schaffe mit sehr einfachen Sätzen, sehr komplizierte Sachen zu sagen. Und die so auf den Punkt zu bringen, dass es Klick macht und dass man denkt: "Ja okay stimmt, genauso ist es!" Bei Janosch find ich das extrem stark, er hat oft so eine sprachliche Naivität, dass er Sachen so ganz simpel und scheinbar hingerotzt sagt und in Wahrheit steckt da halt aber auch eine unglaubliche Tiefe drin. Er schafft es in ganz kurzen Sätzen den ganzen Schmerz und die ganze Gegensätzlichkeit und Brutalität, die in der Welt drin steckt und gleichzeitig auch die Schönheit und Lebensfreude zusammenzupacken. Das ist für mich eine wichtige und starke Inspiration. Das lohnt sich auch als Erwachsener so ein Buch zu lesen.


"Der Rassist in uns"

Ich hab eine Dokumentation auf Youtube gesehen, die sich mit einem Experiment beschäftigt: wie Rassismus entsteht, wie sich Menschen verhalten und wie man Menschen auch zu Rassisten machen kann. Wie schnell und wie einfach man einen strukturellen Rassismus durchsetzen kann. Diese Dokumentation hat mich total geflasht. Man merkt wie unglaublich schnell sich so eine Stimmung entwickelt, dass aus Vorurteilen Wahrheiten werden. Das ist eine Bildung, die glaub ich für uns alle sehr sehr wertvoll ist, weil Rassismus ist etwas, was mich in letzter Zeit sowieso stark beschäftigt, weil unsere Welt einfach rassistischer und diskriminierender geworden ist, weil es sehr alltäglich geworden ist leider. Genau sowas wie diese Dokumentation ist diese Bildung, die man bräuchte, um das zu überwinden. Dass man einfach das beobachtet was mit Menschen passiert, wenn sie Rassismus erfahren. Ein krasser Aha-Effekt, das sollte sich jeder Mal anschauen.


"Die Band selber"

Das Besondere an uns ist, dass wir halt wirklich eine Band sind. Es gibt sehr, sehr viele Künstler, die mit Bands zusammenarbeiten und sich eine Söldnertruppe zusammenstellen, aber bei uns ist es so, dass es von Anfang an in die Richtung ging, dass es alles sehr demokratisch sein soll und sich alle einbringen können und jeder das gleiche Recht hat in dieser Truppe. So sind wir zu auch gleichzeitig zu so einer Familie und so einem richtigen Sozialexperiment geworden. Da kann man sehr, sehr viel über Menschen lernen und auch sehr viel über Offenheit gegenüber einander. Eine große Lektion, die ich gelernt hab ist, dass so eine Struktur, wie sie in so einer Band ist, auf keinen Fall für immer so sein muss. Von Album zu Album und von Projekt zu Projekt, das wir machen, wachsen wir näher zusammen und nehmen auch andere Rollen ein. Wer mal in eine bestimmte Rolle vorprescht, wen man mal machen lassen muss, mit wem man mal kämpfen muss, das ist alles sehr interessant und da bin ich auch stolz darauf, dass wir das seit mittlerweile schon einigen Jahren schon so gut hinkriegen und da immer weitergehen und weiterlernen.


"Widersprüche"

Wenn ich rausgehe und mir unsere Gesellschaft anschaue, wie wir zusammenleben: mich sprechen immer die Sachen an, wo totale Widersprüchlichkeit herrscht. Wo etwas sehr, sehr ungerecht ist, aber gleichzeitig schön oder total unangenehm oder halt so absurde Phänomene. Wenn ich über Zusammenhänge nachdenke und da macht´s bei mir Klick und es ist so ein Bild da, was eben diese Gegensätzlichkeit zusammenfasst, das ist dann ein Moment, der mich sehr, sehr stark inspiriert. Am besten ist es, wenn man es dann noch schafft irgendwie zwei, drei einfache Wörter zu finden, die das beinhalten: dann ist das perfekt.

Haftungsausschluss

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.