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Christoph Sepin

Pixel, Post-Punk, Psychedelia und sonstige Ableger der Popkultur

5. 6. 2016 - 11:57

Lust am Leben und mit jemandem tanzen wollen

Am Samstag spielten Juliette and the Licks, The Subways, Mando Diao, Biffy Clyro und Iggy Pop am "Rock in Vienna" auf der Donauinsel.

Rock in Vienna

3. bis 5. Juni auf der Wiener Donauinsel
Mehr Infos unter rockinvienna.at

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Das diesjährige "Rock in Vienna" fing schon ganz schön wild an: Gemunkelt 45.000 Leute fanden sich am Freitag, dem ersten Tag des Festivals, auf der Donauinsel ein, um der schönen Rockmusik zu frönen. Was laut einigen der Anwesenden zu stundenlangen Warteschlangen, einem überfüllten Golden Circle und Getränkeständen, denen die Getränke ausgingen, führte. Der Headliner Rammstein soll es dann aber doch wert gewesen sein.

Der Samstag ging um einiges ruhiger los und hielt sich dann auch entspannter, woran möglicherweise auch das Line-Up des Tages Mitschuld tragen durfte. Denn das Finale des Tages wurde nicht vom lauten Requisiten-Metal bestritten, sondern vom unzerstörbaren Silberrücken der Rockmusik: Iggy Pop spielte auf der Donauinsel.

Vorher graste man aber noch diverse Facetten des Genres auf der bei bestem Wetter ganz schön idyllischen Insel ab. Juliette Lewis stattete mit ihren Licks und ihrem Evel Knievel-Dress Österreich wiedermal einen Besuch ab, gefolgt von den Subways, die auch gleich mal crowdsurfend ins Publikum gingen.

So richtig los ging es dann stimmungsmäßig mit Mando Diao, die zwar kein neues Album zu promoten haben, aber mit scheinbar niemals endender Tour einfach für "Party, Party" sorgen wollen. In Sachen Line-Up hat sich einiges verändert bei der Band aus Schweden, Co-Leadsänger Gustav hat die Mandos verlassen, Björn singt die alten Hadern damit größtenteils allein.

Und das funktioniert eigentlich ganz gut: Alte Indiesachen der Gruppe werden von späteren funkigeren Nummern der Band abgelöst, Mando Diao gibt sich nach einem Ausflug in elektronischere Gefilde aber wieder Großteils als Straight-Up-Rock'n'Roll-Band. Wenn dem Bühnenkonzept der Gruppe folgend die Menge mit "Vienna, are you awake!?" zur Partizipation aufgerufen wird, gehen nicht nur die Hände in die Luft, sondern auch Björns Hemd. Und zu "Dance with Somebody" wird dann auch in den hinteren Reihen, zwischen den auf der Wiese ein Schläfchen machenden Sangriatrinkern, miteinander getanzt.

Biffy Clyro haben im Anschluss möglicherweise den soundtechnisch besten Klang des Abends. "Wir sind Biffy Clyro aus Schottland", lautet die Stageansage in ordentlich gutem Deutsch. Als kleiner Vorgeschmack auf den Headliner wird auch ganz kurz mal der "Passenger" angeteased. Vor der letzten Nummer verabschiedet man sich mit "Get ready for Iggy Fucking Pop!" bevor die Welt im Trommelwirbel und Gitarrengewitter der Schotten untergeht.

Wirklich schön klassisch sind dann schon die Hypenummern vor dem Headliner, die zum Aufwärmen aus den Lautsprechern kommen. Die beginnen vielversprechend mit "Kick Out the Jams" von Iggys Protopunk-Zeitgenossen MC5.

Früher als vermutet springt die Legende dann mit offener Lederjacke und "No Fun!" schreiend auf die Bühne. Das ist volle Energie von der ersten Sekunde und so soll es für die nächsten eineinhalb Stunden auch bleiben. Während der ersten Nummer legt Iggy relativ schnell seine Lederjacke ab und transformiert in seine natürliche Form: Oben ohne, unter dem Jubel des Publikums.

"I wanna be your fucking dog!", ruft er dann in Richtung der Menge. Puh, das fängt ja ganz schön ordentlich an. Die Nummer, eine der besten und meistgecoverten aus dem Repertoire der Stooges, wird dann auch gleich gespielt, während Iggy wie ein tasmanischer Teufel im Wirbelwind über die Bühne fegt. Verschnaufpause gibt er sich vor allem selber keine: "Thanks for fucking coming! Can we play the fucking Passenger?!", ruft er euphorisch.

Gerade mal drei Songs sind wir drin im Set der Band und schon werden die Greatest Hits abgefeuert. Da wird nicht lang aufgebaut oder experimentiert. Die Leute sind für die großen Erfolgssongs gekommen und die kriegen sie auch. Und so geht's auch weiter, wenn als vierter Track schon "Lust for Life" gespielt wird. Raw Power!

Iggy ist der Hohepriester des Rock'n'Roll auf der Bühne, schwingt das Mikrofon beidhändig in Richtung des Publikums und ist da oben offensichtlich in seinem Element und am allerglücklichsten. In der Menge wird angefangen crowdzusurfen, das über den Tag eingesammelte Werbematerial, Luftmatratzen und Wasserbälle, wird in die Luft geworfen und entsorgt. Auch die leeren Bierbecher. Fuck the Pfand! Mit "Sister Midnight" wird Iggy mal kurz langsamer, dann geht's aber auch schon nach unten zum Händeschütteln mit der ersten Reihe.

Am Sonntag wurde das Rock in Vienna wegen des starken Regenfalls und der Unwetter kurzfristig unterbrochen. Am Abend wurde das Festival fortgesetzt. Mehr dazu auf ORF.at.

Die Hitparade geht weiter, genug große Songs hat Iggy ja. "Nightclubbing" wird gespielt, die Nummer, die Trent Reznor anno dazumal für "Closer" sampelte. Iggys Bühnenansagen allein sind den Abend wert: "People won't stop hassling you, and you know what I say to them? Kiss my ass, fucking asshole! It's fucking Sunday!" Und dann wird die Nummer auch gleich gespielt.

"Search and Destroy" hat noch gefehlt in der Greatest-Hits-Collection, das wird gleich nachgeholt. Dann das Finale: "One more song!", "Paraguay", die letzte Nummer von "Post Pop Depression". Und dann ist's aus, fünf Minuten vor elf, vor dem unausweichlichen Steckerziehen. Iggy atmet noch ein letztes Mal den Jubel der Menge ein, dann geht's von der Bühne runter, die nächste Show wartet schon. He is the passenger, he rides and he rides.

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