Standort: fm4.ORF.at / Meldung: "Die Angst vorm Umsatteln"

Lukas Tagwerker

Beobachtungen beim Knüpfen des Teppichs, unter den ihr eure Ungereimtheiten kehrt.

31. 5. 2016 - 15:14

Die Angst vorm Umsatteln

Attraktivität und objektive Sicherheit des Fahrradfahrens hängen zusammen. Traust du dich in der Stadt aufs Fahrrad? FM4 Auf Laut diskutiert.

Wien ist schockiert: ein LKW-Fahrer tötet eine 10-jährige Fahrradfahrerin an der Simmeringer Hauptstraße Ecke Etrichstraße.

FM4 Auf Laut: Ist Radfahren immer noch lebens- gefährlich?

Traust du dich in der Stadt aufs Rad zu steigen? Heute live von 21:00 bis 22:00 Uhr.

Anrufen und mitdiskutieren unter 0800 226 996

In seinem Lob des Fahrrads hatte Marc Augé die Schülerin eher nicht im Blick. Geht es dem französischen Soziologen darum, das zweckfreie Fahrradfahren als welterfahrendes Flanieren zu verherrlichen, so wollte das Mädchen einfach nur von A nach B, als ihr morgendlicher Schulweg jäh unterbrochen wurde.

Dass Fahrradfahren nicht nur eine Freizeitbeschäftigung ist, sondern Teil der elementaren Mobilität in Großstädten, beweisen jüngste Entwicklungen: an etlichen Messstellen in Wien nahm der Fahrradverkehr in den letzten 5 Jahren um 50% zu.

Auf Laut
    Fahrradentwicklung Wien

    fahrradwien.at

    Subjektive und objektive Fahrradsicherheit

    The Status Quo is deadly:
    Austrian cycling infrastructure needs more space and more investment to avoid more tragedies.

    Von der Autostraße abgesetzte Radwege erhöhen sowohl die Attraktivität das Rad zu nutzen als auch das "subjektive Sicherheitsgefühl."

    Dieses Sicherheitsgefühl kann allerdings trügerisch sein und erst recht zu Unsicherheit führen: durch die räumliche Trennung fühlen sich AutofahrerInnen und FahrradfahrerInnen auf ihrem jeweiligen Weg sicher, nehmen einander weniger aufmerksam wahr und reagieren langsamer, wenn es zum Kontakt kommt.

    Die Schülerin in Simmering wurde am Radweg vom abbiegenden LKW erfasst.

    Der Wiener Fahrradbeauftragte Martin Blum: "Wenn man Straßenzüge nach Verkehrssicherheit untersucht, stellt sich heraus, dass das Radeln auf der Fahrbahn, das einem oft als unsicher erscheint, tatsächlich sehr sicher ist, weil man für den Autofahrer gut sichtbar ist und auch in den Kreuzungen nicht hinter parkenden Autos versteckt fährt."

    fahrräder

    fahrradwien.at

    Ursache und Wirkung

    Die Fahrradlobby weist auf einen Effekt hin, der erstmals vom Statistiker und Transportforscher Reuben Smeed nachgewiesen worden ist: so steigt mit zunehmendem Verkehr das Verkehrsrisiko nicht linear, sondern nimmt sogar ab.

    Nicht die objektive Fahrradsicherheit erhöhe die Anzahl der Fahrradfahrenden, sondern umgekehrt je mehr Leute Fahrrad fahren, desto höher wird die allgmeine Fahrradsicherheit.

    Die Wiener Mobilitätsagentur bietet Kurse, die Rad-Fibel, die Rad-Karte und eine Rad-App zur Routenplanung.

    Die Mobilitätsagentur Wien hat nun die (leicht paradoxe) Aufgabe, Fahrradfahren u.a. durch weitere Fahrradwege attraktiver zu machen, damit es sicherer wird.

    Martin Blum ergänzt: "Radfahren ist dann attraktiv, wenn man ein verkehrsberuhigtes Umfeld hat. Wenn die Geschwindigkeit der stärkeren Verkehrsteilnehmer, der Autos und der LKWs niedrig ist."

    Fahrrad-Südkorridor Wien

    wien.gv.at

    Die erste von drei geplanten Rad-Langstreckenverbindungen wird mit dem Südkorridor parallel zur U1-Erweiterung nach Oberlaa bis 2018 realisiert.

    Neben Ausweitungen von Tempo-30-Zonen und der Öffnung von Einbahnen für den Fahrradverkehr kommen nun Rad-Langstrecken, die das Wiener Umland mit dem Zentrum verbinden.

    Fachkomissionen, in denen neben Wirtschafts- und Arbeiterkammer auch ÖAMTC und Radlobby vertreten sind, planen die Radwege wie z.B. einen durchgehend baulich getrennten Radweg von der "Mahü" über den Getreidemarkt bis zum Naschmarkt.

    Zum tödlichen Unfall auf der Simmeringer Hauptstraße hat Fahrradbeauftragter Martin Blum zwei Anliegen: da es bei rechtsabbiegenden LKWs immer wieder zu Zusammenstößen kommt, müssten Sicherheitstechniken wie etwa Sensoren, die automatisch Bremsungen einleiten können, entwickelt werden. Und das möglichst bevor selbstfahrende Autos auf die Straßen kommen.

    Zweitens meint Blum: "Unfälle mit LKWs lassen sich dadurch vermeiden, dass es weniger LKWs gibt."

    Laut dem Fahrrad-Beauftragten könnten bis zu 20% des innerstädtischen Güterverkehrs von LKWs auf Lastenfahrräder umgesattelt werden.

    Generell sei Radfahren in Wien genau so sicher bzw. riskant wie zu-Fuß-Gehen.

    Martin Blums 10-jähriger Sohn ist wie er selbst Stadtfahrradfahrer. Hoffentlich weiterhin unfallfrei.

    FM4 Auf Laut: Ist Radfahren immer noch lebensgefährlich?

    Rainer Springenschmid diskutiert mit Alec Hager von der Radlobby und mit dir! Traust du dich, in der Stadt aufs Rad zu steigen? Heute live von 21:00 bis 22:00 Uhr.

    Anrufen und mitdiskutieren kannst du unter 0800 226 996

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    Forum

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    • tressant | vor 387 Tagen, 1 Stunde, 27 Minuten

      omg...der fahrradbeauftragte.
      dauernd wird das radfahren propagiert, bis man nichtmehr fahren kann vor lauter behelmten bummeltretern, und diese lastfahrräder sind überhaupt ein witz, reinste rammböcke auf kinderkopfniveau.

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      • gerettet | vor 386 Tagen, 14 Stunden, 18 Minuten

        und die ganzen fußgänger erst! am besten allen menschen außer dir das leben verbieten, dann bist du endlich alleine auf der straße.