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Robert Glashüttner

Videospielkultur, digital geprägte Lebenswelten.

30. 1. 2016 - 10:34

"Amplitude"

Ein Musikvideospiel-Klassiker wurde neu aufgelegt.

Bevor die Games-Kassenschlager "Guitar Hero" und "Rock Band" das Musikcomputerspiel Ende der 2000er so richtig populär gemacht hatten, gab es einige Jahre davor schon ähnliche Spiele. Titel wie "Amplitude" waren Vorgänger der bekannten Plastikgitarren-Blockbuster. "Amplitude" ist ursprünglich 2003 erschienen, hat aber dank einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne eine Neuauflage erfahren, die vor kurzem erschienen ist.

Sensory overload

"Amplitude" und zwei Jahre davor sein Vorgänger "Frequency" waren zur Erstveröffentlichung eine spielerische Fortführung der Rave-Zeit der 90er Jahre: Alles blinkt und leuchtet in grellen Farben, die Musik pocht und poltert - und wir sind mittendrin. Jedes Musikstück, das wir hören, besteht aus unterschiedlichen Spuren - also Schlagzeug, Synthesizer, Gesang und so weiter. Spuren ist im wortwörtlichen Sinn gemeint, denn diese Spuren sind tatsächlich vertikal nebeneinander angereihte, sich bewegende Röhren und haben in ihnen drinnen immer unterschiedliche Notenabfolgen, die wir mit unserem Musikraumschiff treffen müssen. Wobei, Noten ist übertrieben: Es gibt eigentlich pro Spur immer nur die drei Varianten links, Mitte und rechts, die wir im richtigen Moment drücken sollten, um nicht zuviel Energie zu verlieren.

Pro Spur müssen wir eine Sequenz an Noten fehlerfrei treffen. Haben wir das geschafft, wechseln wir zu einer anderen Spur und schließen dort wieder eine Sequenz ab, und so weiter. Je schneller das jeweilige Musikstück ist und je höher der Schwierigkeitsgrad, desto schweißtreibender wird die Angelegenheit. Besonders trickreich ist der Spurwechsel, denn das fortlaufende Notentreffen ist natürlich schwieriger, wenn man währenddessen immer wieder auch mal die Fahrbahn wechseln muss.

Synästhesie

Hintergrundgeschichte dieses abstrakten Musikwettrennens - zumindestens in der aktuellen Neuauflage des Spiels - ist eine lebensbedrohliche Hirnoperation, die aber bei erfolgreichem Abschließen synaptische und zerebrale Möglichkeiten freischaltet, die vorher nicht denkbar waren - in erster Linie das Phänomen der Synästhesie. Musikalisch-kognitive Transgression, quasi.

Screenshot aus "Amplitude"

Harmonix

"Amplitude" sieht 2016 natürlich schicker und hochauflösender aus als noch 2003. Spielerisch ist es sehr ähnlich wie früher, nur die Musikauswahl ist merkbar anders: Waren im Original eher Gitarren-lastige Songs im Soundtrack dabei, wie etwa Garbage, Weezer oder Blink 182, gibt es in der Neuauflage von "Amplitude" fast ausschließlich elektronische Stücke, von denen einige von der zuständigen Games-Entwicklerfirma Harmonix selbst stammen. Bis zu vier Spielerinnen und Spieler können gleichzeitig spielen - das war früher schon so, jetzt ist aber ein kooperativer Modus neu hinzugekommen.

"Amplitude" hatte 2003 - trotz innovativem Gameplay - keinen Mainstream-Appeal und wird auch 13 Jahre nicht aus der Nische herauskommen. Wer aber Musikspiele mag und den Titel noch nicht kennt, sollte zumindest mal die Demoversion spielen. Erschienen ist das neue "Amplitude" für Playstation 4 als Download. Wer lieber den Retrolook möchte und noch eine alte PS2 zu Hause stehen hat, kann natürlich auch Flohmärkte und Online-Marktplätze nach dem Original durchsuchen. Allzu viel hat sich dann ja auch nicht verändert.

Screenshot aus "Amplitude"

Harmonix

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