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Simon Welebil

Abenteuer im Kopf, drinnen, draußen und im Netz

10. 1. 2016 - 12:18

Vintage heißt vor allem Spaß

Die Vintage Snowboard Days im Livingroom Hochkönig zelebrieren ein verloren geglaubtes Lebensgefühl.

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Am grellsten leuchten die Ganzkörperoveralls: ein pinker Anzug, durchsetzt mit orange-blauen Streifen, Sternchen und neongelbem Kragen, ersteigert bei Ebay für 10 Euro. Oder sein violettes Pendant, gefunden im Schrank des Vaters, extra weit, dafür mit Stoffgürtel. Manche sehen in den Vintage Snowboard Days im Living Room Hochkönig eine gute Gelegenheit, ihre klassichen Anzüge auszuführen, häufiger sieht man hier allerdings klassische Boards, 2-Meter Bretter, manche mit Schwalbenschwanz, manche noch komplett ohne Taillierung. Doch die Vintage Snowboard Days sind mehr als ein Laufsteg, sie zelebrieren vor allem ein Lebensgefühl, das scheinbar verloren gegangen ist.

Zwei Snowboarder in grellen Ganzkörperoveralls

Simon Welebil / FM4

Die Schuld daran mag man der Entwicklung des Snowboardens zu einem Hochleistungssport geben, wo sich ContestfahrerInnen so weit von ihrem ZuschauerInnen entfernt haben, dass die ihren Tricks, den multiplen Spins und Rotationen nicht mehr folgen können und wollen. Bei den Vintage Snowboard Days geht man absichtlich wieder einen Schritt zurück. Hier werden keine Mega-Kicker gesprungen, sondern Steilrampen gefahren. Mit dem "Banked Slalom" lässt man ein Contestformat wieder hochleben, das die frühen Tage des Snowboardens geprägt hat, und zudem gehen die Hauptpreise nicht an die RiderInnen mit der schnellsten Zeit, sondern an jene, die am nächsten an die Durchschnittszeit aller FahrerInnen herankommen.

Schon in den letzten Jahren hat sich dieses Konzept bewährt und auch heuer hat Organisator Peter "Pez" Radacher alles gegeben, um ein lässiges Rennen durchführen zu können, was bei den aktuellen tristen Schneebedingungen, in einem Schigebiet, das ausschließlich auf Naturschnee setzt, nicht ganz einfach gewesen ist, doch die Rennstrecke sieht nahezu perfekt aus.

Im Wald geben die Pingen des prähistorischen Kupferbergbaus die Linie vor. Zwischen ihnen verläuft der Kurs, der durch handgeschaufelte Steilkurven immer wieder dreht. Schon im Laufe der Trainings kommen allerdings immer mehr Moosbeerstauden zum Vorschein, auf denen sich aber noch gut Drüberrutschen lässt. Zur Not fangen Netze einen Sturz auf.

Über 100 RiderInnen wollten sich das Rennen heuer nicht entgehen lassen, stellen sich geduldig in die Schlange am Start oder drehen noch ein paar Pisten-Runden auf Vintage-Boards oder Snowskates. Konkurrenz ist hier ein Fremdwort und es werden bereitwillig Fahrtipps und Boardwachs geteilt. Die Strecke ist nach so vielen RiderInnen dann für kaum jemanden mehr so, wie im Training zu fahren, aber ins Ziel kommen sie alle.

Zwei alte Snowboards

Simon Welebil / FM4

Den ganzen Tag über sieht man glückliche Gesichter im Livingroom Hochkönig, sei es wegen der Banked-Slalom Session, der Community, den herrlich präparierten Pisten mit fast schon ungewohntem Naturschnee, der angenehm entspannten Atmosphäre. Es ist Snowboarden, wie es sein sollte, ein Sport für alle. Ich wüsste nicht, warum so was nicht auch ohne das Label Vintage funktionieren sollte.

Pez Radachers Snowboardmuseum

Peter Radacher ist übrigens nicht nur Veranstalter der Vintage Snowboard Days, er sammelt auch leidenschaftlich selbst historische Boards und betreibt Österreichs erstes und wohl einziges Snowboardmuseum.

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