Standort: fm4.ORF.at / Meldung: "Korrupte haben Geld"

Robert Glashüttner

Videospielkultur, digital geprägte Lebenswelten.

17. 5. 2015 - 10:00

Korrupte haben Geld

Ein kritisches Brettspiel aus Österreich macht auf ungewöhnliche Weise auf Korruptionsfälle aufmerksam und legt die Psychologie dahinter frei.

Dubiose Spekulationen, Veruntreuung, Bestechung, Schmiergeldzahlungen. Korruptionsfälle ziehen sich durch die österreichische Geschichte – wie auch die der meisten anderen Länder. Als Bürgerin oder Bürger kann man kaum etwas dagegen tun, außer sich zu informieren und sich anschließend darüber zu ärgern. Oder man widmet sich dem Brettspiel "KHG - Korrupte haben Geld". Dieses Spiel wird aktuell von zwei Wiener Brüdern - Klaus Hofegger und Christian Felsenreich - entwickelt, die dafür eine Crowdfunding-Kampagne betreiben. Paul Pant und ich haben es mit den beiden im FM4 Spielekammerl getestet.

KHG-Spiel

Zita Bereuter / Radio FM4

Das Spielprinzip ist zunächst vertraut: Wie bei "Monopoly" fahren unsere Spielfiguren auch bei "KHG" auf einer quadratischen Oberfläche von Feld zu Feld. Auf den Feldern selbst gibt es aber keine Grundstücke oder Straßen, die man kaufen kann. Stattdessen wird man mit zwielichtigen Angeboten gelockt.

KHG-Spiel

Zita Bereuter / Radio FM4

Es gibt drei Spielmodi, wobei der gängigste Modus der ist, dass man mit einem/r anderen Spieler/in paktiert. Die oder der Steigbügelhalter/in bekommt sofort einen geringen Betrag ausgezahlt, man selbst bekommt sein Geld aber erst, wenn man über das Startfeld geht. Die Bank ist bei "KHG" synonym für den Staat. Das Spiel ist vorbei, wenn die Staatskasse leer ist. Christian Felsenreich, unter anderem Mitautor des Buches "Der korrupte Mensch", betont bei der FM4-Partie mit dem Prototypen, dass das ein zentrales, narratives Element des Spiels sei.

Spielerisch aufmerksam machen

Es ist von Anfang an klar, dass "KHG – Korrupte haben Geld" ein Spiel ist, das auf Missstände aufmerksam machen will. Alle Situationen bzw. Fälle, die man in Form von Karten annehmen oder ablehnen kann, sind tatsächlichen Fällen entlehnt. Das Prinzip des gemeinsamen Geldraffens gegen den Staat macht auf eine seltsame Art diebische Freude und offenbart mitunter auch die Gier in einem selbst.

KHG-Spiel

Zita Bereuter / Radio FM4

Trotz des ernsten Themas bleibt "KHG" aber ein Brettspiel, wo die erzählenden Elemente zunehmend in den Hintergrund rücken, je länger man spielt. Klaus Hofegger und Christian Felsenreich sind hinsichtlich der Spielmechanik noch am Optimieren, denn ihr Spiel soll natürlich mehr werden als nur ein gut recherchiertes Gimmick. Sie sind beide nicht hauptberuflich Spieledesigner, werden sich aber im Zuge des Feinschliffs und der Fertigstellung noch mit Expert/innen zusammensetzen.

Im Laufe der FM4-Spielesession, und nachdem Paul und ich die ambivalenten Vorgehensweisen zwischen miteinander "Packeln" und wechselseitigem Misstrauen einigermaßen verinnerlicht haben, spielt sich das Spiel recht flüssig. Was heraussticht, ist das ständige Wechseln der Banknoten, weil ständig Geld fließt, und das Metagame, das darin besteht, zu ergründen, wem man zu welcher Zeit vertrauen sollte oder nicht und wer wohl schon am meisten gescheffelt und deshalb wieder ein bisschen erleichtert werden sollte.

Crowdfunding

Wenn du auch ein bisschen Geld raffen und dir vergangene Korruptionsfälle wieder ins Gedächtnis rufen möchtest, kannst du die Crowdfunding-Kampagne für "KHG" unterstützen. Wenn bis Mitte Juni genug Geld gesammelt ist, kann das Spiel produziert und dann im Herbst ausgeliefert werden.

Haftungsausschluss

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.