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Elisabeth Scharang

Geschichten über besondere Menschen und Gedankenschrott, der für Freunde bestimmt ist.

28. 4. 2015 - 05:05

Driven by Passion

Reinhard Kleindl gehört zu den besten Slacklinern der Welt. In FM4 Auf Laut erzählt er, welche Perspektive er auf das Leben hat, wenn er über den größten Wasserfall der Welt slackt oder zwischen zwei Skyscrapern über eine Highline spaziert.

FM4 Auf Laut

Am Dienstag, den 28. April, ab 21 Uhr auf Radio FM4 und im Anschluss für 7 Tage on Demand.

Wenn Reinhard Kleindl eine Landschaft wäre, dann würde ich die ganze Vielfalt nebeneinander sehen, die die Pflanzenwelt so aufzubieten hat. Da würden Rosen neben Knoblauch wachsen, weil der eine die andere vor Läusen schützt, da gäbe es kleine Biotope mit Schilf, Apfelbäumen und Moos, ein geordnetes Chaos von allem. Und viel spannender als jede Monokultur.

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Wenn ein Physiker und Slackline-Pionier einen Krimi schreibt, wird einem nicht fad. Das Krimi-Debüt von Reinhard Kleindl.

Reinhard Kleindls Geschick, seine unterschiedlichen Leidenschaften zu leben, kommt vielleicht von seiner Liebe zur Science Fiction; eine Welt, in der die Grenzen aufgehoben sind oder ständig erweitert werden. Lange hat er selbst Kurzgeschichten dieser Art geschrieben und veröffentlicht, bis er das Genre gewechselt hat und Chefinspektor Franz Baumgartner in sein Leben getreten ist. Er ist Hauptfigur in Reinhards Debütroman "Gezeichnet", ein Krimi, der in Graz angesiedelt ist, wo auch der Autor zu Hause ist.

Die Psyche eines Mörders enträtseln. Die Fragen des Lebens entschlüsseln. Reinhard Kleindl, der Krimiautor, war schon in der Schule fasziniert von modernen Naturwissenschaften und Poppers Kritischem Realismus. Er hat Physik studiert, um sich selbst ein Bild zu machen; und um letztlich mit dem Wissen des Unwissenden das Studium der Theoretischen Elementarteilchenphysik abzuschließen. Heute schreibt er als Wissenschaftsjournalist über die Grenzen der menschlichen Erkenntnis und setzt sich selbst über seine immer wieder hinweg: Reinhard Kleindl hat das Slacklinen für sich entdeckt, eine moderne Art des Seiltanzens. Und er ist der beste Allroundslackliner in Österreich geworden. Er nimmt an internationalen Wettbewerben teil, hat verschiedene Rekorde aufgestellt und kommt gerade von einer seiner Highline-Touren aus den USA zurück.

Reini Kleindl auf der Highline, Yosemite

Sebastian Wahlhütter

Zu diesem Bild: Wo war das? Und was ist deine Innenansicht dieses Fotos?

Reinhard Kleindl: Das ist die Highline auf dem Lost Arrow Spire, Yosemite Valley, Kalifornien. Yosemite ist nicht nur das Mekka des Klettersports, sondern der Ort, wo Slacklinen und Highlinen erfunden wurden. Diese Line war die erste richtige Highline der Welt, 1985 begangen von Scott Balcom. Es war ein Lebenstraum von mir, die einmal zu wiederholen. Dazu musste ich erst den Spire klettern, ein schönes Abenteuer für mich als Sportkletterer! Ich kannte die Kletterei dort überhaupt nicht. Die Locals haben geschmunzelt, als sie mich klettern gesehen haben, hat vielleicht ungeschickt ausgesehen. Zum Trick: In letzter Zeit hänge ich mich immer wieder gern mit einer Hand auf die Line. Es ist ein Spiel mit der Höhenangst, weil mir da langsam die Kraft ausgeht. Ich bin gesichert, es ist also alles nur im Kopf. Aber die Angst vor dem Absturz geht nie ganz weg, bei mir zumindest.

Was hält dich in der Balance?

Dass ich den Dingen nachgehen kann, die mich interessieren. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin nicht zentriert und habe ein Gleichgewicht außerhalb der Mitte gefunden. Ein ganz anderes Gleichgewicht als jemand, der in einer Wiese sitzt und Yoga macht, alle Gedanken verschwinden lässt. Fühlt sich aber trotzdem nach Gleichgewicht an.

Wovon lässt du dich führen im Leben?

Intuition. Wenn mich etwas wirklich fasziniert, gibt mir das viel Sicherheit. Dann gehe ich dem nach, ohne Kompromisse. Bei allen anderen Dingen zweifle ich eigentlich ständig. Intuitiv zu entscheiden finde ich auch sehr reizvoll: Wenn eine spontane Entscheidung große Auswirkungen hat, gibt mir das ein Gefühl von Freiheit. Ich erhalte auf Facebook eine Einladung von einem befreundeten Slacklinern auf einem anderen Kontinent, entscheide nach Gefühl, ob ich da hin will. Ein paar Mails später habe ich die Finanzierung für den Flug und ein paar Wochen später bin ich dort. Auch gute Romanprojekte entstehen spontan und beschäftigen mich dann oft über Jahre. Der Haken bei der Sache? Planbarkeit. Manchmal wäre es angenehm, mehr über die Zukunft zu wissen, geregelte Verhältnisse zu haben. Manche würden das was ich mache "prekär" nennen. Damit muss man umgehen können. Ich bin dankbar, dass ich Sponsoren habe. Andererseits ist diese Sicherheit geregelter Verhältnisse in letzter Konsequenz ja eine Illusion, zumindest meiner Erfahrung nach. Dann lieber gleich Extremsport. Hier habe ich die Risiken wenigstens selbst in der Hand.

FM4 Auf Laut mit Slackliner Reinhard Kleindl

Reinhard Kleindl ist am Dienstag, den 28. April, in FM4 Auf Laut (21 bis 22 Uhr) zu Gast. Er diskutiert mit euch über die Illusion von Sicherheit, über Kontrollverlust und die Angst vor dem Absturz.

Und gleich nach der Sendung auch für sieben Tage unter fm4.ORF.at/7tage zum Anhören.

FM4 Auf Laut

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