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Musik, Film, Heiteres

Rainer Springenschmid

Punk & Politik, Fußball & Feuilleton: Don't believe the hype!

14. 3. 2015 - 09:42

Es knackt im Gemüsebeet

Mit dem neuen Album "Spot" unterstreichen Attwenger ihre künstlerische Ausnahmestellung in der österreichischen Popmusikszene.

Als Popmusikradiojournalist gerät man ja regelmäßig in Routinen, die weniger dem Fokus der eigentlichen Arbeit dienen, als vielmehr dem Herstellen von Querverweisen und inhaltlichen Synergien. Darum fragt man Attwenger immer wieder nach anderen, meist österreichischen, Bands und erntet dabei sehr oft nicht viel mehr als ein Schulterzucken. "Da kann ich eigentlich nicht viel dazu sagen, die haben ja einen ganz anderen Ansatz als wir", heißt es dann, und Ansatz meint nicht den Musikstil, sondern vor allem die Herangehensweise.

Do It Yourself im besten Sinne

Das Frontcover der Attwenger CD "Spot": ein grüner Samtvorhang mit Spotlight, darüber ebenfalls in grün, der Schriftzug "ATTWENGER SPOT"

Attwenger

Obwohl auch Attwenger von ihrer Musik leben, haben sie mit dem Business erst einmal gar nichts zu tun, sie sind DIY im besten Sinne, organisieren und verwalten sich zum großen Teil selbst, und kommen in den mehr als 25 Jahren ihrer Bandgeschichte so auf über 700 Liveauftritte all over the world, im Innviertel genauso wie in Hamburg oder Berlin, aber auch in New York, Kuba und Mexiko, in Zimbabwe und in Sibirien. Attwenger sind mit ihrem künstlerischen Zugang der progressive Farbklecks in einer ansonsten eher konservativen österreichischen Popmusiklandschaft, ein Gesamtkunstwerk, das sich nicht nur musikalisch - und in den Texten literarisch - präsentiert, sondern das künstlerische Schaffen auch immer wieder filmisch aufarbeitet, sei es in der Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Wolfgang Murnberger und Florian Flicker (Attwengerfilm, 1994) oder als DVD-Zugabe auf der vor zwei Jahren erschienenen Live-CD Clubs.


Oida

Es war im selben Jahr, als das Projekt Spot seinen Ursprung nahm. "Im Sommer 2013 hab ich mir gedacht, es gehört wieder ein neues Album her", erzählt Schlagzeuger Markus Binder von Attwenger. "Irgend was Freshes, Kurzes, Knappes, weil flux, das war so breit angelegt."

Gesagt, getan: nach eineinhalb Jahren Studio-Arbeit und Produktion steht Spot in den Regalen und es ist das geworden, was Markus Binder wollte: kurz, knapp, fresh. "Wenn du 23 Songs in 40 Minuten hast, dann ist jeder Song ein Spot, wie ein kleiner Scheinwerfer, der ganz präzise auf eine bestimmte Stelle gerichtet ist." Die Songs auf dem neuen Attwenger Album sind um die zweieinhalb Minuten kurz, Ramones-Länge nennt Binder das, und jeder zweite Track ist sogar nur eine ganz kurze Miniatur, ein "Jingle" von nicht einmal einer Minute. "Einfach nur ein Thema, einen Aspekt, und dann schnell wieder weiter."

Da findet sich ein Wienerlied über einen Japaner, der in Wien über ein Geländer stürzt und sich dabei gar ned weh duad. Da finden sich andere kurze Geschichten, ebenfalls über Samples oder über kurze Akkordeon Lines erzählt, Statements oder Instrumentals.

Attwenger JAPANER (official) from uswo on Vimeo.

"Es gab am Anfang auch den Gedanken, einfach nur vierzig Einminüter zu machen, so wie die Minutemen oder die Residents bei ihrem 1980er Commercial Album. Aber es wär schade gewesen um Songs wie Kana daham oder Schmafu, wenn die nach einer Minute schon wieder aus sein hätten müssen." In seiner formalen Strenge ist Spot, meint Binder, das Gegenstück zum 1997-er Werk Song, wo man drei Stücke von je 15 Minuten Länge draufgepackt habe.

Während Song 1997 gerade die auf Luft begonnene Abkehr vom (Punk)Song, hin zum Track markiert hat, passiert auf dem letzten Attwenger Album Flux so etwas wie die Wiederaufnahme der Punk-Gstanzln im Sinne der ersten beiden Attwenger Alben Most und Pflug. Blendet man auf Spot die Miniaturen aus, dann bekommt man ein kompaktes, kurzes Attwenger Album, das genau diese Tradition fortsetzt und trotzdem einen Schritt weiter geht - denn auch den Songs auf Spot tut die auf Ramones-Länge limitierte Form hörbar gut.

Rückseite der Attwenger CD "Spot": ein grüner Vorhang mit der Tracklist.

Attwenger

"Das Optische darf man nicht unterschätzen bei uns. Da werden Titel oder Texte schon einmal gekürzt oder verlängert, damit's besser ausschaut." (Markus Binder)

Stilistisch bedienen sich Attwenger aber wie schon auf Flux im ganzen Gemüsegarten: Rock'n'Roll (Wöd, Automatische), Ska (Aussi), HipHop (Kana daham, Schmafu), Loops, Songs und Punk-Gstanzl (Söwa, Wos Los). Die Miniaturen ziehen die Mischung noch ein Stück ins Abstrakte, sorgen aber gleichzeitig dafür, dass Spot eines der pointierteren Attwenger-Alben geworden ist, mit Drive und Pop-Appeal. Ein Album, das Spaß macht. Mission erfüllt.

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  • fargonaut | vor 770 Tagen, 18 Stunden, 28 Minuten

    Das ist das Ende von da Wöd wia mas kennan und ei fill fein

    Wöd

    Auf dieses Posting antworten