Standort: fm4.ORF.at / Meldung: "Soundpark Act des Monats Februar: MOTSA"

Musik, Film, Heiteres

Katharina Seidler

Raschelnde Buchseiten und ratternde Beats, von Glitzerkugeln und Laserlichtern: Geschichten aus der Discommunity.

1. 2. 2015 - 16:55

Soundpark Act des Monats Februar: MOTSA

Melodiöser House mit poststeppigem Einschlag: der Wiener Produzent MOTSA ist unser Soundpark Act des Monats Februar.

MOTSA mit Schal

Jack Davison/MOTSA

Es gibt keine Clubs in den schottischen Highlands. Auch zum nächsten Plattenladen ist der Weg weit, und Computer oder Internet waren in dem Haus in der Ortschaft Findhorn, in dem Valerio Dittrich bis zu seinem achtzehnten Geburtstag mit seiner Mutter lebte, nicht vorhanden. Ein Glück, dass seine Freunde und sein in Deutschland bei einer Plattenfirma beschäftigter Bruder sich in Form von CD-Carepaketen um seine musikalische Ausbildung kümmerten: deutscher Hip Hop, französischer Hip Hop, Guns'n'Roses, Pink Floyd, Breakbeats, Kruder & Dorfmeister. Für die aktive Hinwendung zum Musikmachen sorgten die Klavier- und Oboenstunden, die Valerio erst gezwungenermaßen, später dann freiwillig und gerne absolvierte: "Die Entdeckung des Jazz nach Jahren der klassischen Ausbildung war für mich im Alter von etwa zwölf ein Befreiungsschlag. Es gab also Musik, die sich nicht an vorgeschriebene Strukturen halten musste."

  • Ein ausführliches Interview mit MOTSA gibt es heute Nacht im FM4 Soundpark zu hören.

Der Soundtrack zu den selbst veranstalteten Partys seiner Jugend kam unter anderem von den Cover-Mix-CDs, die dem britischen Clubkulturmagazin Mixmag beigelegt waren, und umso schöner war es, als Valerio gleich bei der Veröffentlichung von "Sleepless Nights", der ersten Single unter dem Alter Ego MOTSA, die Nachricht erreichte, dass Sasha, walisisches House- und Trance-Urgestein, den Track für seinen Mixmag-Cover-Mix des Sommers 2013 lizenzieren wollte. Die sonnendurchflutete Luftigkeit, die Sasha damals an dem Track hervorhob, zieht sich bis heute durch MOTSAs Produktionen. Den Einfluss der britischen Bass-Music-Kultur, insbesondere von Post-Step, spürt man in ihnen ebenso wie die Sozialisierung im Club; sie funktionieren als organische House-Tracks zum Tanzen ebenso wie als instrumentale Popnummern für den Hausgebrauch. Anerkennende Worte und Einladungen zu Guest-Mixen von renommierten Websites wie XLR8R, Beatport oder i-D ließen nicht lange auf sich warten.

MOTSA verschwommen

Jack Davison/MOTSA

Nach Veröffentlichung auf österreichischen Labels wie Birdkids, J.Hruza Records und Schönbrunner Perlen und Remix-Arbeiten für etwa Radio Diffusion, Julian & der Fux oder Ghost Capsules wird MOTSAs neueste EP "Time" kommende Woche bei Southern Fried Records, dem Label von Fatboy Slim, herauskommen, und Valerio somit zum Labelkollegen von etwa Crookers, The 2 Bears oder Armand van Helden machen. "Fatboy Slim war für meine persönliche Entwicklung extrem wichtig, nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern auch, weil ich durch das Tanzen zu seinen Tracks in meiner Jugend meine Schüchternheit überwinden konnte."

MOTSAs nächste Live-Termine:

  • 6.2. Felsenkeller/Salzburg
  • 14.2. Postgarage/Graz

Die Zeit als Überthema der EP, das sich in Tracktiteln wie "Time Out" oder "Clocks", der ersten Zusammenarbeit mit der Grazer Musikerin und Vokalistin Mimu, niederschlägt, hat sich erst im Nachhinein ergeben: "Die Zeit, bis ein Release erscheint, ist wie das Warten auf eine Schularbeit. Man steckt so viel Energie hinein und freut sich auf den Moment, in dem sich das alles ausgezahlt haben wird. Insofern ist jede Veröffentlichung auch ein Abschluss einer bestimmten Phase." Das Ende des einen bedeutet ja aber immer auch den Beginn eines nächsten Zeitabschnitts, und wenn es bei MOTSA auch nur in halb so schnellem Tempo wie in den letzten Jahren vorangeht, sind die nächsten Riesenschritte zum Erfolg bereits vorprogrammiert. Die Highlands Schottlands sind als kreative Spielwiese eben nicht zu unterschätzen.

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Forum

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  • robertglashuettner | vor 813 Tagen, 7 Stunden, 32 Minuten

    Auflegen mit Mixmag-CDs und Schüchternheit durch Fatboy Slim-Tracks überwinden, sehr sympathisch.

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