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Alex Wagner

Zwischen Pflicht und Kür

5. 11. 2014 - 16:02

Wie die Lemminge!

Pizza bleibt, zumindest als Game. Heute startet das erste Level von 1700, dem Spiel zur Räumung der Pizzeria Anarchia.

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Hundertschaften an Polizisten rückten aus, um in Wien eine Pizzeria zu räumen. Ein beispielloser Polizeieinsatz in Wiens jüngerer Geschichte. Die Live-Twitter-Berichterstattung.

Nach der Räumung der Pizzeria Anarchia
Beobachtungen einer völlig überzogenen Polizeiaktion

The daily Blumenau
Dass die Diskussion um die Hausbesetzer-Räumung ums Thema "unverhältnismäßig oder nicht?" geführt wird, weicht den zentralen Fragen dahinter feig und weiträumig aus.

Pizzeria-Anarchia-Nachwehen
Josef Iraschko ist KPÖ-Bezirksrat in der Wiener Leopoldstadt und arbeitet für das Mieterselbsthilfezentrum. Er hat schon vor der Besetzung und den Protesten die AltmieterInnen rechtlich beraten.

Flashback: Ende Juli stürmen Polizisten ein Gebäude im zweiten Wiener Gemeindebezirk, das von 19 Punks besetzt wurde. Die Punks wurden zwei Jahre zuvor vom Eigentümer in das Haus geholt, offenbar um die noch verbleibenden Altmieter hinauszuekeln und das Haus sanieren zu können (Luxuswohnungen, Dollar Dollar bling bling). Doch die Punks haben sich mit den Altmietern angefreundet und solidarisiert, es wurde regelmäßig Pizza für das gesamte Haus gebacken, die Pizzeria Anarchia war geboren.

Nach einem Gerichtsbeschluss wurde das Haus schließlich geräumt. Insgesamt waren keine 1.700 Polizisten bei dem Einsatz beteiligt, wie man zunächst nach Aussagen des Innenministeriums angenommen hatte, sondern lediglich 1.454, die nach der stundenlangen Belagerung die 19 Besetzer an Händen und Füßen hinausgetragen haben. Rund 870.000 Euro hat das den Steuerzahler gekostet.

1700 - Das Spiel

Das Ausmaß des Einsatzes ließ auch Michael Hackl nicht unbeeindruckt, via Social Media hat er die Räumung der Pizzeria Anarchia mitverfolgt. Gemeinsam mit seinem ehrenamtlichen Entwicklerteam hat er das Spiel zur Räumung programmiert: 1700.at ist ein Browser-Game in bester Tower-Attack-Manier und 8-Bit-Pixelgrafik. Am 5. November geht das erste Level um 22 Uhr online.

Pizzeria Anarchia-Spiel

1700 / Schumacher

Das Spiel lässt Punks und Polizisten aufeinander losgehen - und ihr spielt natürlich auf der Seite der Polizisten, die versuchen, in das besetzte Gebäude zu gelangen!

"Was 300 für Sparta war, das ist 1700 für Wien. Eine Zahl, die für Mut und Einsatz steht, eine Zahl, die Geschichte schreiben kann.", meint Michael. Angereichert wird das Spiel mit Originalgeräuschen vom Ort des Geschehens. Bei der Spielmechanik hat man sich bei Game-Klassikern aus den 80er Jahren bedient: "Ich würd sogar von gestohlen sprechen. Wir haben von Lemmings ganz viele Elemente geklaut. Nachdem wir uns die Mengen von Polizisten auf Videos und Bildern angesehen haben, hat uns das einfach an das Spielprinzip der Lemminge mit einem sehr, sehr schlechten Spieler erinnert."

Die Punks können mit Farbbeutel werfen, Hindernisse aufbauen und pissen. Die Polizisten können in verschiedene Richtungen graben, Stiegen bauen und springen. Und wenn man nicht aufpasst, werden sie vielleicht sogar vom eigenen Panzergefährt überrollt.

1700 Das Spiel zur Räumung der Pizzeria Anarchia

1700

Nach jedem Level bekommt man die Rechnung präsentiert, die das Level den armen Steuerzahler gekostet hat. 870.000 Euro hat man während des gesamten Spiels zur Verfügung. Wenn man es schafft, für diesen Einsatz noch mehr Geld als die Wiener Polizei zu benötigen, dann hat man das Spiel verloren.

1700 - Das Spiel

Die Räumung der Pizzeria Anarchia als Browser-Game. Ab 22 Uhr ist das erste Level online.

Weitere Level sollen bis zum Akademikerball im Jänner folgen, via Crowdfunding könnt ihr Michael Hackl und sein Team dabei unterstützen. Das Spiel kann gratis am Rechner, Tablet oder auf dem Smartphone gespielt werden. Und im Wiener Celeste steigt heute Nacht die Releaseparty zum Spiel, der Eintritt ist frei.

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