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Maria Motter Graz

Bücher, Bilder, Kritzeleien. Und die Menschen dazu.

8. 10. 2014 - 13:30

Gestatten, Baumgartner

Wenn ein Physiker und Slackline-Pionier einen Krimi schreibt, wird einem nicht fad. Das Krimi-Debüt von Reinhard Kleindl.

Der Tatort zu Beginn ist blutrünstig und mysteriös. Auf dem Mathematik-Institut der Grazer Uni liegt eine weibliche Leiche, in ihrer Mitte verdreht und auseinandergesägt. Eine Handkreissäge liegt noch in der Ecke. Präzise wollte der Schnitt ausgeführt werden: ein Goldener Schnitt, wie eine Studentin bei der Obduktion bemerken wird. Doch der Mord ist ein Chaos.

„Ein Mord zerstört mehr als das Leben eines Menschen, dachte er. Er zerstört die schöne Oberfläche des Alltags der Leute“, denkt sich der Ermittler Franz Baumgartner in "Gezeichnet". Es ist das Krimi-Debüt des Grazers Reinhard Kleindl, dessen Kurzbio sich um einiges aufregender liest als das "schreibt in Berlin" anderer Debüt-AutorInnen.

Das Cover zum Krimi "Gezeichnet" zeigt eine Betonwand mit Blutspuren

Haymon Verlag

"Gezeichnet" von Reinhard Kleindl ist im Haymon Verlag erschienen

Reinhard Kleindl ist Pionier und Profi der Slackline, Theoretische Elementarteilchenphysik hat er studiert und abgeschlossen, jetzt ist er 34 und veröffentlicht unter seinem Namen. Denn Kleindl schreibt seit Längerem und zwar vormals Science-Fiction, ein Roman erschien unter einem Pseudonym. Das Interesse an Wissenschaft fließt da wie dort ein. "Gezeichnet" ist ein Lesevergnügen für ein Wochenende.

Das Setting ist wie ein Köder. Diese bizarre Zerstückelung einer Frau und dieser Polizist Baumgartner Franz, der sehr zurückhaltend agiert. Baumgartner ist ein Mann der heute alt aussehenden Schule des Humanismus und einnehmend, ohne etwas dazu zu tun. Es geht nicht um Schenkelklopfer-Unterhaltungen und Dialekt-Dialoge. Die Sprache ist klar und nüchtern, fast will man Vergleiche mit skandinavischen Krimi-AutorInnen ziehen. Das Spannungsgenre und die Atmosphäre menschlicher Abgründe reizen Kleindl und durch "Gezeichnet" zieht sich diese Stimmung.

Dass es dich schwindelt

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Im Moment passiere sehr viel und uns wäre allen ein wenig schwindelig, sagt Reinhard Kleindl. Also zumindest ihm ginge es zurzeit so. Der Ermittler Baumgartner nimmt eine frühere Perspektive ein, die einem heute ungewöhnlicher und naiv erscheinen mag. So ist dieser Baumgartner bei der Polizei, weil er etwas bewirken will und er glaubt an das Gute in Menschen. Es gebe die Gefahr, dass etwas mit Baumgartner schief gehe, baut Reinhard Kleindl gleich wieder Suspense auf. Weil wer auf Vertrauen setzt, bekommt dieses nicht immer zurück.

Wie Polizeiarbeit tatsächlich vor sich geht, hat er sich angeschaut. Im Landeskriminalamt Steiermark war man hilfsbereit, und in Kleindls Krimi tauchen interessante Charaktere auf. Die vertraute Kollegin, die eine Geliebte sein könnte und sich als lesbisch herausstellt. Der Kollege, der seinen Schmiss im Dienst mit einem Pflaster kaschiert. Die kleinen Nebenstränge erweisen sich als durchdrungen. Auch der Schauplatz Graz fügt sich.

Reinhard Kleindl

Margit Steidl

Wie viele Morde braucht ein Krimi, damit Reinhard Kleindl ihn gern liest? Sehr altmodische Krimis mag der Autor auch, doch wenn sich das Krimi- mit dem Thriller-Genre mischt, schätzt er das. Vielleicht nimmt es mit Baumgartner also noch die eine oder andere Wendung. Am zweiten Band schreibt Kleindl bereits.

In den nächsten Wochen allerdings wird er über anderen Abgründen stehen und andere Abenteuer erleben. Zum Slacklinen reist er nach Sizilien und in den Iran, wo sich auch eine kleine Slackline-Community gebildet hat. In Bisotun findet ein internationales Highline Festival statt.
In den vergangenen Monaten hat er lange Lines gespannt, die 100-Meter-Marke geknackt. Zwischen den "Donkey Ears" am Kinabalu in Borneo, zwei herausragenden Felsspitzen und über das Liebenauer Stadion in Graz hat er sein Band gespannt und so diese Distanzen überquert.

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