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Robert Glashüttner

Videospielkultur, digital geprägte Lebenswelten.

29. 4. 2014 - 18:13

Umweltsünde Computer

Internetnutzung verursacht schon seit Jahren mehr CO2-Ausstoß als der weltweite Flugverkehr. Eine direkte Abhilfe ist hier nicht in Sicht. Ein möglicher Ausweg heißt "Kompensation".

Schaltest du dein Modem ab wenn du nicht zu Hause bist? Hast du trotz der unlimitierten Datenmenge auf deinem Smartphone schon mal darüber nachgedacht, damit weniger online zu gehen? - Wohl kaum. Doch unsere ständige Computernutzung belastet die Umwelt. "Internet verursacht mehr CO2-Ausstoß als weltweiter Flugverkehr" – das ist eine Überschrift, die hellhörig macht. Jede eine Suchanfrage bei Google verursacht angeblich so viel Strom, wie eine Energiesparlampe benötigt um eine Stunde lang zu leuchten. Die Umweltbelastung durch Computer bzw. Internetnutzung ist nicht zu unterschätzen. Der Wiener IT-Experte Daniel Colakovic, Gründer der Firma Melon, will mit seiner vor kurzem gestarteten Initiative CO2neutral.at darauf aufmerksam machen.

Hoher Stromverbrauch

Daniel Colakovic

Melon GmbH

"Ich fahre nicht Auto sondern mit dem Fahrrad, und ich bin auch sonst, soweit es geht, möglichst darauf bedacht, meinen ökologischen Fußabdruck klein zu halten. In Sachen Computernutzung bin ich der Sache nachgegangen. Es gibt Studien der Harvard Universität und des Fraunhofer Institiuts. Die sind auf einen Wert von insgesamt sieben Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes gekommen."

Das sind allerdings Daten, die mittlerweile über fünf Jahre alt sind – seither finden sich so gut wie keine aktuellen Studien zum Thema Computer- und Internet-Nutzung und dem damit in Zusammenhang stehenden Stromverbrauch bzw. CO2-Ausstoß. Geht es ums Thema Green IT, spricht man meist von den Herstellungs- und Arbeitsbedingungen der Computer. Aber was ist eigentlich mit ihrer Nutzung? Die ist seither Anfang 2009 natürlich gestiegen, allerdings sind die Geräte auch effizienter geworden. Trotzdem: Die Umweltbelastung wird nicht weniger, die ständige Internetnutzung wird durch Smartphones und Tablets auch immer durchdringender. Würde es zum Beispiel helfen, so etwas wie einen Internet-freien Tag anzudenken? - Nein, meint Daniel Colakovic, weil sich dadurch die Nutzung nur auf den nächsten Tag verlagern würde.

Das Problem mit der Umweltbelastung durch Computer- und Internetnutzung lässt sich derzeit also offensichtlich nicht an der Wurzel packen – auch, wenn kleine Projekte wie etwa solarbetriebene Stromladegeräte versuchen, Zeichen zu setzen. Colakovics Lösung heißt deshalb: Kompensation. Mit dem von ihm und seiner Firma Melon gestarteten Projekt CO2neutral.at kann man sich entschließen, den von einem selbst generierten Kohlendioxidausstoß zu neutralisieren, indem man sich verpflichtet, TÜV-geprüfte Projekte in Südostasien oder Afrika zu unterstützen, die erneuerbare Energie fördern. Dafür bekommt man ein Siegel auf seine Website, das bestätigt, dass man CO2-neutral handelt. Es wird gemessen, wie oft die jeweilige Website aufgerufen wird - dadurch wird der individuelle CO2-Ausstoß gemessen. Das Ziel ist, den Ausstoß mit der finanziellen Unterstützung diverser Projekte - derzeit Wiederaufforstung des Regenwalds in Borneo und effizientere Kochöfen in Ghana - über die Maßen auszugleichen.

Rauch aus Fabriken

dmytrok

CO2-Ausstoß: Bei Computern rauslassen und wo anders einsparen?

Indirekt, aber funktionell

In gewisser Weise ist diese Methode moderner Ablasshandel. Immerhin dürfte das aber zumindest ein Weg gegen die Klimaerwärmung sein, der sich praktisch gut umsetzen lässt. Dass derzeit die Umweltbelastung durch Computer- und Internetnutzung kaum öffentlich verhandelt wird, ist verblüffend. Das Projekt CO2neutral.at möchte – trotz des noch kleinen Umfangs – ein Zeichen setzen, damit mehr Firmen und Konzerne darauf aufmerksam werden und ihre eigenen Initiativen starten. Denn so schnell wird unsere weltweite Inanspruchnahme von Facebook, Google und Co. nicht abnehmen.

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