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Andreas Gstettner-Brugger

Vertieft sich gern in elektronische Popmusik, Indiegeschrammel, gute Bücher und österreichische Musik.

31. 7. 2013 - 18:40

Animation oder VHS Kassette

Neue Videos von Velojet, Sex Jams, M185 und I-Wolf & The Chainreaction. Sowie die Premiere des Animationsvideos von Cardiochaos.

Von wegen Sommerloch. Die heimische Musikszene floriert medial im heißesten Monat wie noch nie in diesem Jahr. Nach dem großartigen Popfest schießt jetzt eine Band nach der anderen ihr neuestes Video in die unendlichen Weiten der Social Media Kanäle, und wir sind mitten drin.

Die Sache mit den Engeln

Ich gehöre ja zu jenen, die sich das neue Velojet Album "Panorama" schon öfter gehört haben. Es wird viele überraschen, positiv, so hoffe ich. Denn die neuen Stücke sind detailgenau ausgetüftelt und zugleich herrlich verspielt und unmittelbar, sie sind von melancholischer Tiefgründigkeit und zugleich mit federleichtem Sound ausgestattet. Velojet haben ihre alten Muster abgeschüttelt und damit noch mehr zu sich selbst und ihrer Musik gefunden. Das merkt man schon bei der ersten, epischen Single "Angeldust", deren Video ebenso überraschend schräg aussieht, wie für manchen eingefleischten Fan die Nummer klingen könnte. Wenn es Engel gibt auf dieser Welt, dann müssten sie wohl so aussehen, wie in diesem filmisch experimentellen Stück und genau solche Musik hören. Irgendwie kommt mir aber vor, dass hier auch ein bisschen mit Computergame-Ästhetik und - diese Assoziation sei mir bitte verziehen - mit einem Flair aller "The Abbys" spielt. Aber vielleicht hab ich das alles ja auch überhaupt nicht verstanden.

Einfach ShShSh... geil

Schon bei der FM4 Radiosession von M185 ist mir die neue Single "ShShSh" gleich im Ohr geblieben. ´Der Sound schließt einwandfrei an das letztjährige Amadeus FM4 Award Album "Let The Light In" an. Souverän präsentieren M185 erneut ein richtig dahinbretterndes Gitarrenenergiebündel, das durch die eigenwillige Videoumsetzung an durchschlagkraft gewinnt. Auch wenn es für die Jungs von Zeit zu Zeit wohl ein bisschen unangenehm war, so scheint es. Aber ein richtiger Rock'n'Roller kann bekanntlich mit seinem Schmerz gut umgehen. Ein Hoch auf die wieder aufkommende psychedelische Kunst!

Es lebe die VHS Kassette

Kurz und bündig. So fühlen sich die Sex Jams anscheinend am wohlsten. Zumindest gilt das für den Track "I call myself a rocket", der vier Sekunden unter der Zweiminutenmarke bleibt. In solch kurzer Zeit schafft es die Band nicht nur, mit herrlich räudigen, punkigen Gitarrennoise musikalisch alles zu sagen, sondern auch videotechnisch eine ganze Geschichte zu erzählen. Und das in herrlich dreckiger Lo-Fi Ästhetik, die mich irgendwie an das "Sabotage"-Video von den Beastie Boys denken lässt. Obwohl die Sex Jams am Ende den größeren Knalleffekt erzeugen.

Der Ausbeutungsblues

Dass Herr Wolfgang Schlögel alias I-Wolf ein politischer Mensch ist, dürfte bekannt sein. So nimmt er sich mit seiner Band "The Chainreaction" auch bei dem ausufernd großartigen Oevre seiner letzten Doppel-LP kein Blatt vor dem Mund. Das Beweist die Single "Exploitation Blues", deren Video nicht mit erhobenem Zeigefinder daherkommt. Vielmehr wird durch Farben, Muster und ineinanderblenden von Bildern ein sehr assoziativer Stil gewählt, der dem Text genug Raum gibt und die kritische und aufrüttelnde Message unterstützt. Denn der Ausbeutungsblues von I-Wolf & The Chainreaction soll uns alle an der Nase nehmen und zum Nachdenken bringen.

Wunderschöne Verwunderung

Vor nun schon drei Jahren wurde Peter Brunner aka Cardiochaos von uns zur Soundparkband des Monats Oktober gekührt. Seit dem hat sich für den jungen Musiker viel verändert. Er bringt im September endlich sein Debüt auf den Markt und hat auch gleich eines der spektakulärsten und berührendsten Videos gemacht, die ich seit langem gesehen habe. "Don't Die Wondering" wühlt auf und bleibt durch seine etwas unheimliche Fantasie-Atmosphäre lange im Kopf. Das ist darüber hinaus ein gutes Beispiel dafür, wie Musikvideos die dazugehörigen Songs noch mehr aufwerten können. Denn die poppig verspielte Elektronummer ist für sich ja schon ein grandioses Stück. Doch mit einer gut dazu passenden Geschichte und großartiger Animation erhält es noch mal eine ganz andere Dimension.

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