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Burstup

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1. 9. 2012 - 15:22

Weltraum, Bausteine und Extremophile

Mehr Eindrücke von der Ars Electronica 2012 - Tage zwei und drei.

Schon im Vorjahr gehörten einige der Vorführungen im Projektraum Deep Space zu meinen persönlichen Höhepunkten des Ars Electronica Festivals. Auch diesmal zogen mich die Shows auf der gewaltigen 16 x 9 Meter großen Leinwand, die sich über zwei Stockwerke des Ars Electronica Center erstreckt, mehrmals in ihren Bann. Wie könnte es auch anders sein bei solchen Bildern:

Deep Space

Christoph Weiss

Die bizarren geometrischen Formen in schlicht monochromer Palette gehörten zu einer Live-Computeranimations-Performance der beiden Künstlerteams NOHIlab und Plato Media Lab.Während der Show spielte die japanische Pianistin Maki Namekawa live am Konzertflügel.

Deep Space Music

Christoph Weiss

Während anderer Vorführungen im "Deep Space"-Projektionsraum bereist man - teilweise mit 3D-Brille - kunsthistorische Stätten, atemberaubende Naturschauplätze oder das Weltall:

Weltraum

Christoph Weiss

Beeindruckend im "Deep Space"-Projektionsraum auch die Vorführungen diverser Gewinner des Prix Ars Electronica in der Kategorie Computeranimiertes Video. Die schiere Größe der Leinwand macht die ohnehin schon beeindruckenden Filme zu einem besonderen Erlebnis. Angenehmerweise werden die meisten Vorführungen im "Deep Space" täglich wiederholt. Es bleibt also noch Zeit dafür!

Kochtopf

C. Weiss

Den Stein der Weisen hat die Menschheit bekanntlich nie gefunden. Mit ihm haben Alchemisten seit der Antike eine Substanz genannt, mit der sie hofften unedle Metalle, in Gold zu verwandeln. Die Arbeit mit dem erhofften Stein der Weisen wird als das „Magnum opus“ oder „Großes Werk“ bezeichnet. Nun ja. Hier auf der Ars Electronica gibt es heuer zumindest etwas Ähnliches: Der Künstler Adam Brown hat es tatsächlich geschafft, feste kleine Goldnuggets zu erzeugen - mit Hilfe einer Apparatur, in der sogenannte extremophile Bakterien die mikroskopischen Goldchlorid-Spuren aus Meerwasser verfestigen.

Mikroskop

Weiss

Die Maschine läuft auch während der Ars Electronica live. Kosteneffektiv ist sie nicht, denn während einer Woche erzeugt sie Gold im Wert von etwa 50 Euro - mit erheblich höherem Energie- und Materialaufwand. Immerhin aber kann man die kleinen Goldnuggets sehen und in der Hand halten. (Auf der Ars liegen sie allerdings in einer gut bewachten Vitrine unter einem Mikroskop.) Adam Brown, der auch selbst Universitätslektor ist, arbeitete für sein Kunstprojekt seit 2008 eng mit Wissenschaftern zusammen. "In many ways the art tries to create a phenomenon, and science tries to explain why a phenomenon exists."

Bausteine

Christoph Weiss

Neue Wege des Spielens ermöglicht das Projekt "The Free Universal Construction Kit" - und stellt gleichzeitig wohl eine Provokation für die auf Nutzungsrechte spezialisierte Spielzeugindustrie dar:

Baustein

Weisss

Die beiden US-Künstler Golan Levin und Shawn Sims stellen auf verschiedenen Filesharing-Plattformen die 3D-Modelle von Bauteilen zur Verfügung, die mit zehn verschiedenen Spielzeugsystemen wie Lego oder Fischertechnik kompatibel sind. Mit Hilfe von privaten 3D-Druckern, die zunehmend günstiger und populärer werden, kann jeder seine eigenen Teile herstellen. Das Open-Source-Projekt ist nicht nur eine humorvolle Beschreibung von Hackerkultur, sondern auch ein großartiges Beispiel für das Potential des 3D-Printings als Disruptive Technologie.

Um das Thema 3D-Druck geht es auch im wieder auf der Ars vertretenen "Fablab".

Fablab

C. Weiss

3D-Prints

Chr. Weiss

Neben den üblichen Elektronikbasteleien kann man diesmal nämlich auch seine eigenen 3D-Modelle entwerfen - unter anderem auf Tablets, herkömmlichen PCs oder auch mit Hilfe neuartiger 3D-Kameras zum Zeichnen in der Luft. Die erstellten Modelle können anschließend ausgedruckt werden.

Schiff

Christoph Weiss

Die britische Künstlergruppe Protei präsentiert auf der Ars Electronica ihre gleichnamige Open-Source-Segeldrone. Der Anspruch der Künstlerinnen und Künstler: Der Menschheit ein Meeresvehikel zur Verfügung zu stellen, das weitgehend autonom gegen den Wind segelt und dabei mit dem Wind treibende Ölschlieren einfängt. Es soll vor allem günstig und leicht herstellbar sein, aber auch hurrikanfest und selbstaufrichtend sein. Das Projekt erinnert mich an das großartige, ebenfalls quelloffene Projekt "Safecast" in Japan, über das ich hier geschrieben habe. Die beiden Künstler- bzw. Hackergruppen sind auch bereits in Kontakt, denn so eine autonome Open-Source-Segeldrone wäre auch praktisch, um radioaktive Strahlung im Meer vor Fukushima zu messen.

Schwalbe

Christoph Weiss

Hier entlockt FM4-Redakteurin Conny Lee einer gehackten Kinect-Kamera wunderbare Klänge, indem sie die Schwalbe macht. Zu hören und sehen ist die faszinierende Raum-Klang-Installation im Ausstellungsbereich "Interface Cultures", der sich unter anderem mit der Verbindung von Kunst und Kochen beschäftigt. Mehr darüber schreibt Roland Gratzer.

Fleischwolf

Christoph Weiss

Aus diesem Fleischwolf ertönen bei langsamen Kurbeln Tiergeräusche, die an Muhen oder Mähen erinnern - dreht man schneller, werden die Geräusche zu Babygeschrei. Scary!

Kameras

Christoph Weiss

Auch als Video im Videoblog von der Ars Electronica

Unheimlich ist auch die riesige Installation "Desire of Codes" der Künstlerin Seiko Mikami. Die Japanerin ist "Featured Artist" des diesjährigen Festivals. Mit den Verbindungen zwischen menschlichem Körper und Informationsgesellschaft beschäftigt sie sich schon seit den achtziger Jahren. Für die Ars Electronica 2012 hat Seiko Mikami in zwei großen Räumen des Brucknerhauses Dutzende Kameras aufgebaut. Sie verfolgen die Besucher, projizieren gleichzeitig Bilder auf Boden und Wänd und verarbeiten mit Mikrofonen eingefangene Klänge weiter. Die durch viele Roboterarme und Motoren erzeugte Terminator-artige Geräuschkulisse sorgt für zusätzliche Beklemmung in den halbdunklen Räumen. Fantastisch.

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